Corona-Fragebogen: «Als hätte ich über zwei Jahre kein Spiel mehr gehabt»

Aktualisiert

Corona-Fragebogen«Als hätte ich über zwei Jahre kein Spiel mehr gehabt»

Heute mit Nikola Portner (26), Torhüter der Handball-Nati. Der Berner wechselt im Sommer innerhalb von Frankreich von Montpellier zu Chambéry.

von
Marcel Allemann
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Sanna Lüdi: Skicross

«Ich konnte aus dieser Zeit viel Positives für mich und mein Training herausnehmen.»

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Dani Rodriguez: Thaiboxen

«Ich legte zu wenig Selbstdisziplin an den Tag.»

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Jeremy Seewer, Motocross:

«Ich habe in der Corona-Pause viel an meiner Ausdauer und den körperlichen Grundlagen gearbeitet.»

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Wie sehr beschäftigt Sie das Coronavirus?

Es ist eine extrem komische Situation für alle und für uns Sportler ohnehin. Es fühlt sich für mich persönlich mittlerweile so an, als hätte ich seit über zwei Jahren kein Spiel mehr gehabt. Doch wir müssen mit dieser Situation leben, mental stark bleiben und bereit sein, wenn es dann irgendwann losgehen wird. Bei uns in Frankreich spricht man jetzt davon, dass es am 1. Oktober mit der Handball-Liga wieder losgehen soll. Das ist extrem spät, wir werden zudem mehr Teams sein und in einem kleineren Zeitraum viel mehr Spiele zu absolvieren haben.

Welchen Einfluss hat die aktuelle Lage auf Ihren Alltag?

Einen riesigen. In Frankreich war und sind die Regeln strenger als in der Schweiz oder in Deutschland. An diesem Montag durften wir nach fast zwei Monaten erstmals wieder raus. Zuvor war das nur während einer Stunde pro Tag und auch nur mit einem guten Grund und einer entsprechenden Bewilligung erlaubt. Ich habe zwar eine tolle Wohnung und das Wetter war sehr schön, aber es musste viel improvisiert werden.


Wie haben Sie während des Lockdown trainiert?

Ich war jeweils eine Stunde am Tag joggen, stets mit meiner Bewilligung dafür im Sack. Aber dies auch nur im Umkreis von einem Kilometer. Ich bin dann jeweils hin und her gerannt, bis ich insgesamt auf zehn Kilometer kam. Zu Hause habe ich zudem ein Zimmer ausgeräumt, als Sportzimmer eingerichtet und dort Stabilisationstraining, Rumpfübungen, Crossfit-Training gemacht.


Was hat sich seit dem 11. Mai für Sie verändert?

Wir dürfen wieder raus. Läden sind wieder offen. Restaurants und Bars sind aber weiterhin geschlossen und wir müssen eine Maske tragen. Weiter als 100 Kilometer dürfen wir nur mit einer Bewilligung. Und diese brauche ich: Da ich von Montpellier zu Chambéry wechsle, fahre ich diese Woche dorthin, um Wohnungen anzuschauen und den Umzug vorzubereiten. Daneben ist es nun auch wieder möglich, mit einem Kollegen bei ihm oder mir einen Kaffee zu trinken. Das soziale Leben öffnet sich langsam wieder, was ich sehr wichtig finde. Aber es ist nicht so wie in der Schweiz, Deutschland oder gar Schweden. Gemeinsam trainieren dürfen wir weiterhin nicht, der Sport in Frankreich bleibt bis im September tot.


Wie verbringen Sie in diesen Wochen Ihre Freizeit?

Ich bin jeweils zu einer normalen Zeit aufgestanden und lernte vormittags für die Schule, denn ich studiere in Grenoble Management. Daneben haben meine Frau und ich viel gekocht, nachmittags stand jeweils während zwei Stunden Sport auf dem Programm, und abends haben wir im Fernsehen einen Film oder Netflix geschaut.


Welche Corona-Challenge haben Sie ausprobiert?

Keine. Aber da ich mit Salming zusammenarbeite, haben sie mich gebeten, ihnen Trainingsvideos zu schicken. Diese habe ich mit Elementen wie Spider-Dehnübungen und Rumpfübungen gemacht, und die Videos wurden anschliessend gepostet. In sozialen Medien wurde ich zwar öfter für irgendwelche Challenges nominiert, aber darauf hatte ich keine Lust.


Was fehlt Ihnen derzeit am meisten?

Die Schweiz und dass ich meine Familie nicht sehen kann. Seit Januar war ich nicht mehr dort. Weiter auch Handball und der Sport allgemein. Und auch ein wirklich gutes Essen in einem guten Restaurant hier in Frankreich.


Haben Sie wegen der Corona-Krise Existenzängste?

Das nicht, aber ich habe schon grossen Respekt vor der ganzen Situation.


Wie schöpfen Sie in solchen Zeiten Zuversicht?

Ich bin vom Naturell her ein sehr zuversichtlicher Mensch. Aber im Moment ist es auch für mich nicht einfach, da wir nicht wissen, wie es weitergeht. Die Liga hier in Frankreich will am 1. Oktober wieder starten. Doch das ist der aktuelle Stand, und dieser kann sich auch rasch wieder ändern. Schön ist aber, dass man sich als ersten Schritt wieder ohne Stress und Kontrolle draussen bewegen darf. Die Kontrollen hier in Frankreich waren extrem und die Polizei überall präsent. Man hatte dadurch fast Angst, rauszugehen, obwohl ich ja eine Bewilligung dafür besass.

«Das Virus ist noch immer da und der Kampf längst nicht vorbei.»

Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn alle Verbote aufgehoben werden?

Auf den Sport, auf richtige Trainings mit den Teamkollegen. Ich vermisse Handball sehr und kann es kaum erwarten, dass wieder halbwegs Normalität einkehrt.

Welche Botschaft haben Sie an Ihre Fans?

Das Virus ist noch immer da und der Kampf längst nicht vorbei. Deshalb ist es wichtig, dass wir gut auf uns aufpassen, uns an die Vorgaben und Empfehlungen der Behörden halten und diszipliniert bleiben.

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