Hausmänner und Karrierefrauen: «Als Hausmann habe ich keinen Schoggijob»
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Hausmänner und Karrierefrauen«Als Hausmann habe ich keinen Schoggijob»

Als 100 Prozent arbeitende Frau oder als Hausmann wird man mit Vorurteilen konfrontiert. Zwei Leser erzählen von ihrer Familie und ihren Erfahrungen.

von
A. Schawalder
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«Nach dem ersten Kind habe ich meinen Job gekündigt und es nie bereut», erzählt Bruno Ulli. Seine Frau wollte auch mit Kindern gerne weiterarbeiten, ihm sei das hingegen nicht so wichtig gewesen.

«Nach dem ersten Kind habe ich meinen Job gekündigt und es nie bereut», erzählt Bruno Ulli. Seine Frau wollte auch mit Kindern gerne weiterarbeiten, ihm sei das hingegen nicht so wichtig gewesen.

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Als Hausmann höre er viele Sprüche: Ob er arbeitslos sei, dass er Arbeit suchen solle oder dass er einen Schoggijob habe. Das alles entspreche natürlich überhaupt nicht der Realität. Er nehme es mit Humor.

Als Hausmann höre er viele Sprüche: Ob er arbeitslos sei, dass er Arbeit suchen solle oder dass er einen Schoggijob habe. Das alles entspreche natürlich überhaupt nicht der Realität. Er nehme es mit Humor.

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Darauf, dass Sabine Z. trotz Kindern 100 Prozent arbeitet, reagieren viele mit Unverständnis und mit abschätzigen Kommentaren. «Von solchen Sprüchen hat man irgendwann einfach genug. Die traditionellen Rollenbilder sind bei vielen noch tief verankert», erklärt sie. (Symbolbild)

Darauf, dass Sabine Z. trotz Kindern 100 Prozent arbeitet, reagieren viele mit Unverständnis und mit abschätzigen Kommentaren. «Von solchen Sprüchen hat man irgendwann einfach genug. Die traditionellen Rollenbilder sind bei vielen noch tief verankert», erklärt sie. (Symbolbild)

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Bruno Ulli – «Als Hausmann habe ich keinen Schoggijob»

Zwei Kinder (1 und 5 Jahre)

Ich bin zu 100 Prozent Hausmann und ich bin sehr glücklich damit. Nach dem ersten Kind habe ich meinen Job gekündigt und es nie bereut. Heute sind unsere Buben fünf und ein Jahr alt. Die Entscheidung hat sich ergeben, als wir unser erstes Kind erwarteten. Meine Frau wollte auch mit Kindern gern weiterarbeiten. Für mich war Arbeit aber nie so wichtig. Ich hatte neben der Arbeit intensiv Sport getrieben, hatte 2.-Liga-Handball gespielt und war in einem Hornussen-Team. Ich konnte darauf verzichten. Meine Frau ist bei einer Versicherung als Teamleiterin tätig.

Als Hausmann hört man viele Sprüche: Ob ich arbeitslos sei, dass ich Arbeit suchen solle oder dass ich einen Schoggijob hätte. Das entspricht natürlich überhaupt nicht der Realität, doch ich spiele dann meistens mit und ziehe es ein wenig ins Absurde: «Nein, ich habe heute Morgen nicht drei Kaffees getrunken – sondern vier! Ich musste ausserdem noch zu einer Kollegin Kuchen essen gehen.» Es gibt Hausfrauen, die wissen nicht, was sie mit einem Hausmann anfangen sollen, und zeigen einem die kalte Schulter. Auch meine Frau musste ab und zu einen dummen Spruch einstecken.

Kindertagesstätten waren für uns keine Alternative. Zum einen sind sie sehr teuer. Und wenn wir schon Kinder haben, wollten wir sie selbst erziehen und sie aufwachsen sehen. Es ist halt auch eine Frage der Prioritäten und auf was man bereit ist, zu verzichten. So gehen wir halt mal weniger ins Ausland in die Ferien und bleiben zu Hause.

Sabine Z. – «Von solchen Sprüchen hat man irgendwann einfach genug»

Zwei Kinder (2 und 9 Jahre)

Als 100 Prozent arbeitende Mutter erlebe ich immer wieder negative Reaktionen. Vor allem von Leuten, die man nicht so gut kennt, etwa Kunden. Wenn sie hören, dass ich Kinder habe, kommen immer folgende drei Fragen:

«Wie viel arbeiten Sie denn?» Auf meine Antwort, dass ich 100 Prozent arbeite, machen sie dann grosse Augen: «Sind Ihre Kinder die ganze Woche in der Kita?» Ich entgegne daraufhin, dass es unser Budget sprengen würde. «Ah, dann schauen Ihre Eltern zu den Kindern?» Darauf antworte ich normalerweise mit: «Nein. Ich sperre die Kinder jeden Morgen in den Keller und hole sie am Abend wieder raus.» Dieser Witz erntet teilweise schockierte Blicke. Das erreicht jedoch, dass viele die «unglaubliche» Wahrheit einfacher akzeptieren können, nämlich, dass sich mein Mann um die Kinder kümmert.

Darauf kommen dann manchmal Kommentare wie: «Aber Kinder brauchen doch eine Bezugsperson!» oder «Sie haben keine Ahnung, was sie alles verpassen!» Als würde das nicht auch für berufstätige Männer gelten. Von solchen Sprüchen hat man irgendwann einfach genug. Die traditionellen Rollenbilder sind bei vielen noch tief verankert.

Heute nehme ich das Ganze lockerer, doch meine Kinder erwähne ich Fremden gegenüber selten, um die immer gleiche Diskussion zu vermeiden. Und gerade Freunde und Arbeitskollegen finden es oft auch toll, wie wir das machen. Mein Mann musste sich natürlich auch ab und zu was anhören. Er sei ein Schöggeler, Schmarotzer oder mache Ferien. Er sieht solche Kommentare jedoch sehr entspannt.

Mein Mann ist zu Hause und kümmert sich um unsere 9- und 2-jährigen Kinder. Er ist nebenbei noch als selbstständiger Informatiker tätig mit einem wechselnden Pensum zwischen 10 und 40 Prozent. Ich selbst arbeite bei einer Bank. Er hatte immer gesagt, dass er bereit wäre, im Haus einen Teil der Arbeit zu übernehmen. Er hat sich deshalb selbstständig gemacht, damit er flexibel arbeiten und sein Pensum selbst bestimmen kann. Ich wollte beruflich tätig bleiben, auch mit Kindern. Zwar nicht unbedingt 100 Prozent, aber das hat sich dann so ergeben.

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