Aktualisiert 28.02.2014 14:42

4 Männer erzählen

«Als Hausmann werde ich ausgegrenzt»

Viele Schweizer Männer haben Angst davor, zugunsten von Familie und Haushalt im Beruf zurückzustecken. Drei, die es gewagt haben, erzählen von ihrem Dasein als Hausmänner.

von
nj
2003 fand in Hamburg eine Hausmann-Olympiade statt. Im Bild der Sieger mit seiner Tochter in der Wettkampfkategorie «Spiegel putzen».

2003 fand in Hamburg eine Hausmann-Olympiade statt. Im Bild der Sieger mit seiner Tochter in der Wettkampfkategorie «Spiegel putzen».

Rund 9000 Männer kümmern sich in der Schweiz um ihre Kinder, anstatt zu arbeiten. Damit hat sich die Zahl der Hausmänner in den letzten Jahren fast halbiert. Experten gehen davon aus, dass Ängste und Vorurteile dafür verantwortlich sind.

Daniel (47) aus dem Kanton Zürich hat eine Tochter (9) und ist seit zehn Jahren Hausmann, seit einem Jahr mit Teilzeitjob.

Der Entschluss als Hausmann zu arbeiten, kam mit der Geburt unserer Tochter und der Tatsache, dass meine Frau eine gute, sichere Stelle hat. Ich hingegen war selbstständig im PR-Bereich und hatte kein regelmässiges Einkommen. Gleichzeitig wollten wir beide die Verantwortung, die sich aus dem eigenen Nachwuchs ergibt, selbst wahrnehmen und unser Kind nicht fremdbetreuen lassen. Etwa zwei Jahre lang suchte ich eine Teilzeitstelle, die es mir erlaubt, für meine Tochter da zu sein. Seit einem Jahr bin ich nun in einem 50-Prozent-Pensum als Aushilfe tätig – trotz meiner guten Ausbildung zu einem Minimallohn. Es kann sein, dass mich einige Leute deswegen als Versager betrachten, viele haben für Hausmänner nur ein mitleidiges Lächeln übrig. Mir egal, das geht schliesslich nur uns etwas an. Und meine Frau und ich sind glücklich damit. Sie ist froh, ihre Karriere weiter verfolgen zu können und ich darüber, meiner Tochter ein gutes Zuhause zu bieten. Dafür verzichte ich gerne auf Geld und Prestige.

Werner (56) lebt im Kanton Luzern und ist seit 20 Jahren Hausmann. Er hat zwei Kinder (21 und 24) und würde gerne wieder arbeiten.

Vor 20 Jahren war ich als Hausmann ein absoluter Exot. Die Reaktionen waren dementsprechend extrem. Obwohl ich daheim alles machte, den Haushalt picobello sauber hielt und die Kinder versorgte, wurde ich nicht akzeptiert. Ich könne doch nicht meine Frau zur Arbeit schicken, hiess es. Für uns stimmte das Modell jedoch: Als unser erster Sohn zur Welt kam, wollte ich sowieso wegen Rückenproblemen aus dem Baugewerbe aussteigen und da bot es sich an, dass ich mich um die Kinder kümmere. Zudem arbeitete meine Frau sehr gerne und hatte auch Erfolg. Seit fünf Jahren führt sie ihre eigene Handelsfirma, wozu ich wohl auch meinen Teil beitrug. Leicht haben es uns die meisten aber nicht gemacht. Als Hausmann wird man häufig ausgegrenzt. Ich versuchte, im Turnverein Anschluss zu finden, aber da nimmt einen kaum einer ernst. Zwischenzeitlich hatte ich Teilzeit-Jobs, war etwa als Hauswart tätig. Da konnte ich den Leuten wenigstens eine Beschäftigung angeben auf die ständige Frage nach dem Beruf. Seit die Kinder erwachsen sind, würde ich sehr gerne wieder richtig arbeiten. Aber ich war offenbar zu lange zuhause und finde einfach keine Stelle mehr.

Richard (31) aus dem Kanton Wallis ist seit der Geburt seiner Zwilinge (15 Monate) Vollzeit Hausmann.

Meine Frau könnte sich ein Hausfrauen-Dasein nicht vorstellen. Für mich stand aber von Anfang an fest, dass wir Haushalt und Erziehung selbst übernehmen. Da meine Frau ausserdem ein besseres Einkommen hatte, entschieden wir uns, dass ich daheim bleibe. Unterstützung bekomme ich unter anderem von meiner Mutter und der Schwiegermutter. Nicht nur die Familien, auch Kollegen und Bekannte haben positiv reagiert, einige würden sogar gerne mit mir tauschen. Nur im Zivilschutz meinte mal einer, dass er auch gerne den ganzen Tag zu Hause rumsitzen würde, so wie ich. Dass der Hausmanns-Job keineswegs so gemütlich ist, wissen viele nicht. Aber nach einem Tag mit den Zwillingen bin ich abends wohl müder als manch ein Bauarbeiter. Derzeit fühle ich mich zufrieden und erfüllt, wenn die Kinder etwas grösser sind, suche ich mir aber eventuell eine Teilzeit-Stelle.

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