Erste Sichtung in der Schweiz – «Als ich den Schmetterling sah, bekam ich einen Adrenalinkick»
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Erste Sichtung in der Schweiz«Als ich den Schmetterling sah, bekam ich einen Adrenalinkick»

In Ardez im Engadin wurde diesen Sommer eine in der Schweiz unbekannte Schmetterlingsart entdeckt. Die Schmetterlinge gehören zur Art der Sumpfporst-Minierfalter. Kurios dabei: Die Exemplare im Engadin nutzen die als giftig geltende Alpenrose als Lebensraum und Nahrungsquelle.

von
Pascal Eicher
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In Ardez GR wurden in der Schweiz bislang unbekannte Sumpfporst-Minierfalter entdeckt, die Alpenrosen als Lebensraum nutzen.

In Ardez GR wurden in der Schweiz bislang unbekannte Sumpfporst-Minierfalter entdeckt, die Alpenrosen als Lebensraum nutzen.

Jürg Schmid
Aufgrund ihrer Vorliebe zur gleichnamigen Pflanze nannten die beiden Entdecker die Exemplare im Engadin «Alpenrosen-Minierfalter».

Aufgrund ihrer Vorliebe zur gleichnamigen Pflanze nannten die beiden Entdecker die Exemplare im Engadin «Alpenrosen-Minierfalter».

Peter Huemer
Die Raupen bohren sich ins Innere der Alpenrosenblätter und bleiben dort bis zur Verpuppung.

Die Raupen bohren sich ins Innere der Alpenrosenblätter und bleiben dort bis zur Verpuppung.

Jürg Schmid

Darum gehts

  • In Ardez GR wurde eine in der Schweiz bislang unbekannte Schmetterlingsart entdeckt.

  • Die «Alpenrosen-Minierfalter» nutzen die gleichnamige Pflanze als Lebensraum und Nahrungsquelle.

  • Die Schmetterlinge sind in nordischen Gebieten weit verbreitet und dort als Sumpfporst-Minierfalter bekannt.

Einem Forscherteam, bestehend aus Peter Huemer, Bereichsleiter Naturwissenschaftliche Sammlung der Tiroler Landesmuseen, und dem Schmetterlingsexperten Jürg Schmid aus Ilanz GR, gelang im Sommer dieses Jahres eine erstaunliche Entdeckung: Bei einer Wanderung in Ardez GR stiessen die beiden auf Schmetterlinge, die Alpenrosen als Lebensraum verwenden, wie «Blue News» berichtet.

Das Spezielle daran: «Alpenrosen gelten für Schmetterlingsforschende eigentlich als uninteressant, da sie giftig sind», sagt Schmid. «Als wir trotzdem auf einer Alpenrose einen Schmetterling sahen, war das ein ziemlicher Adrenalinkick», sagt Huemer. DNA-Analysen der Schmetterlinge hätten ergeben, dass es sich um Sumpfporst-Minierfalter (Lyonetia ledi) handle, so Huemer weiter. Deren Existenz in der Schweiz war bis zum Fund unbekannt. Normalerweise ist diese Art nämlich in Nordeuropa, Nordasien und Nordamerika zu finden. Aufgrund ihrer bevorzugten Pflanze im Engadin nannten Huemer und Schmid die Schmetterlinge «Alpenrosen-Minierfalter».

«Hängematte» an Alpenrosenblättern

In der Folge beobachteten die beiden Forscher das Verhalten der Schmetterlinge. «Nach dem Schlüpfen bohren sich die Raupen ins Innere der Alpenrosenblätter. Bis zur Verpuppung bleiben sie dort und fressen das Blatt von innen», sagt Huemer. Und weiter: «Zur Verpuppung kreieren sie auf der Unterseite eines Alpenrosenblattes ein Gespinst aus Seidenfäden, das an eine Hängematte erinnert.»

Weshalb die Alpenrosen-Minierfalter die giftige Pflanze als Lebensraum nutzen können, ist noch unklar. Vermutlich könnten die Falter die Giftstoffe der Pflanze abgesondert lagern oder durch enzymatische Prozesse umwandeln, so Peter Huemer.

Rätselhafte Herkunft

Der Fund wirft die Frage auf, weshalb eine in nordischen Gefilden beheimatete Schmetterlingsart nun plötzlich im Engadin auftaucht, zumal es im Alpenraum keine Sumpfporste gibt. «Wir vermuten, dass es in der Eiszeit, vor rund 12’000 Jahren, in der Nähe vom Engadin Gebiete gab, wo es sowohl Sumpfporste als auch Alpenrosen gab. So könnte sich die Population der Schmetterlinge auf die beiden Pflanzen aufgeteilt und über die Jahre geografisch gespaltet haben», sagt Huemer.

Die Tatsache, dass bis zum Sommer dieses Jahres keine solchen Schmetterlinge gefunden wurden, führt Huemer auf deren Vorlieben zurück. «Sie leben in hochgelegenen, schattigen und kalten Fichten-, Lärchen- und Zirbenwäldern», sagt er. «Wir vermuten, dass in ähnlichen Gebieten in der Ostschweiz und im Vorarlberg weitere Exemplare zu finden sind», sagt Jürg Schmid.

Von einer weiten Verbreitung könne aber nicht ausgegangen werden, da die Art so lange unentdeckt geblieben ist, sagt Huemer. Die Existenz der Schmetterlingsart im Engadin sei für die Flora und Fauna hierzulande absolut unbedenklich.

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