17.03.2020 09:29

My Lovestory

«Als ich seine kalte Stirn berührte, erschrak ich»

Vor wenigen Wochen verlor Fabienne* (26) ihren Freund bei einem Autounfall. Von seinem Tod erfuhr sie per Whatsapp.

von
zos
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Fabienne und Alfonso haben sich bei der Arbeit kennen gelernt und ineinander verliebt – trotz eines zehnjährigen Altersunterschieds. Nach Fabiennes Studium wollten die beiden zusammenziehen und eine Familie gründen.

Fabienne und Alfonso haben sich bei der Arbeit kennen gelernt und ineinander verliebt – trotz eines zehnjährigen Altersunterschieds. Nach Fabiennes Studium wollten die beiden zusammenziehen und eine Familie gründen.

privat
Am 2. November der Schock: Alfonso, der wegen seines kranken Vaters nach Spanien geflogen war, stirbt bei einem Autounfall. Fabienne wird per Whatsapp informiert.

Am 2. November der Schock: Alfonso, der wegen seines kranken Vaters nach Spanien geflogen war, stirbt bei einem Autounfall. Fabienne wird per Whatsapp informiert.

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Fabienne flog mit ihrer Mutter nach Spanien, um sich zu verabschieden: «Ich streichelte seine Haare. Ein vertrautes Gefühl. Als ich seine kalte Stirn berührte, erschrak ich.»

Fabienne flog mit ihrer Mutter nach Spanien, um sich zu verabschieden: «Ich streichelte seine Haare. Ein vertrautes Gefühl. Als ich seine kalte Stirn berührte, erschrak ich.»

privat

«Das erste Mal habe ich Alfonso* an einem gemeinsamen Abendessen mit Geschäftskollegen gesehen. Er ist etwas später dazugekommen, kam um die Ecke – und mein Herz hat einen Sprung gemacht. Wir haben beide bei derselben Pizza-Kette gearbeitet, aber an unterschiedlichen Standorten. Alle zwei Wochen haben wir uns gesehen. Ich habe gewusst, der war es! Aber als ich ihn im Ausgang angetanzt habe, hat er kaum reagiert. Ich war so enttäuscht, dachte, ich sei ihm zu jung. Damals war ich 23, er 33 Jahre alt.

Zum Glück habe ich mich getäuscht. Beim nächsten Treffen hat Alfonso dann die Initiative ergriffen. Wir haben getanzt und uns geküsst. Bis wir zusammengekommen sind, hat es gedauert. Alfonso wollte sich nicht einfach in eine Beziehung stürzen. Als wir endlich ein Paar wurden, meinte er, ich werde seine letzte Frau sein. Entweder funktioniert es mit mir oder er lasse sich nie mehr auf jemanden ein. Ich war so glücklich! Und dann war ich wirklich die letzte.

Schreckliche Nachricht kam per Whatsapp

Zweieinhalb Jahre waren wir zusammen. Wir gingen gerne zusammen ins Thermalbad, ins Kino oder auswärts essen. Im März wollten wir zusammenziehen und nach dem Abschluss meines Studiums heiraten und später eine Familie gründen.

Im Oktober ist Alfonso für längere Zeit zu seinen Eltern nach Spanien geflogen. Sein Vater hat Krebs, niemand weiss, wie lange er noch lebt. Ich habe ihn schrecklich vermisst und die Tage gezählt, bis er mich besuchen kommen wollte. Am 2. November, kurz bevor es endlich so weit war, habe ich ein Whatsapp-Nachricht seiner Cousine erhalten: ‹Fabienne, ich bin die Cousine von Alfonso. Alfonso hatte einen Autounfall und ist gestorben. Ruf mich an, wenn du kannst.›

«Gemeinsam mit Freunden und meiner Familie habe ich die ersten Stunden durchgestanden.»

Was für ein Schock! Ich war an der Arbeit, hatte keine Sekunde mit so etwas gerechnet, hatte keine dunkle Vorahnung oder so. Und obwohl die Nachricht eindeutig war – ich konnte es nicht glauben. Ich war sicher, es sei eine Verwechslung. War es nicht. Alfonso war an diesem Samstagmittag mit dem Auto unterwegs. Es regnete so stark, dass die Reifen nicht mehr griffen und er die Kontrolle über sein Fahrzeug verlor. Er war sofort tot. Ich war fassungslos, wortlos. Gemeinsam mit Freunden und meiner Familie habe ich die ersten Stunden durchgestanden. Wir haben geweint, uns umarmt, Anekdoten über Alfonso ausgetauscht und Fotos angeschaut.

Am Montag war bereits die Beerdigung. Mit meiner Mutter flog ich nach Spanien. Alfonso lag aufgebahrt in einem Raum. ‹Mi amor›, so habe ich ihn immer genannt, hatte ein blaues Auge,eine schiefe Nase und auch mit seinen Lippen war etwas anders. Als er lebte, trug er immer ein Shirt oder einen Hoodie, nun hatte er einen Smoking an. Er sah so fremd aus. Ich streichelte seine Haare. Ein vertrautes Gefühl. Als ich seine kalte Stirn berührte, erschrak ich.

Ich liess mir Zeit, Abschied zu nehmen. Seither geht es mir besser. Ich bin traurig und manchmal fühle ich mich einsam. Aber die Vorstellung, dass Alfonso da ist und auf mich schaut, hilft mir. Er würde nicht wollen, dass ich traurig bin.»

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