27.01.2019 07:05

Prohibition

Als in den USA der Alkohol verboten wurde

Vor 100 Jahren wurde in den USA die Verfassungsgrundlage für die Prohibition geschaffen. Das Alkoholverbot wurde ein riesiger Misserfolg.

von
Rolf Maag
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Die Prohibition wurde durch Schmuggel massiv unterlaufen. Hier ist zu sehen, wie Beamte des Prohibition Bureau im April 1932 unter einem Haufen Kohle versteckte Flaschen entdeckten.

Die Prohibition wurde durch Schmuggel massiv unterlaufen. Hier ist zu sehen, wie Beamte des Prohibition Bureau im April 1932 unter einem Haufen Kohle versteckte Flaschen entdeckten.

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Alkohol wurde auch in grossen Mengen illegal hergestellt. Hier ist eine Destillerie zu sehen, die am 5. Januar 1931 in Detroit ausgehoben wurde. Jeder Behälter hatte ein Fassungsvermögen von 15'000 Gallonen (56'781 Liter).

Alkohol wurde auch in grossen Mengen illegal hergestellt. Hier ist eine Destillerie zu sehen, die am 5. Januar 1931 in Detroit ausgehoben wurde. Jeder Behälter hatte ein Fassungsvermögen von 15'000 Gallonen (56'781 Liter).

Hier posieren Beamte in Chattanooga im US-Bundesstaat Tennessee vor einer Destillerie mit einer Kapazität von 400 Gallonen (1514 Liter).

Hier posieren Beamte in Chattanooga im US-Bundesstaat Tennessee vor einer Destillerie mit einer Kapazität von 400 Gallonen (1514 Liter).

Bettmann

«Er ist schlimmer als Krieg oder Pest. Er ist das Verbrechen aller Verbrechen. Und dieser Inkarnation des Teufels eine Lizenz zu erteilen, ist das schmutzigste, niedrigste und verdammteste Geschäft auf dieser alten Erde. Es gibt nichts Vergleichbares.»

So wetterte der Laienprediger Billy Sunday gegen den Saloon und damit gegen den Alkohol. Am 29. Januar 1919 hatte er Grund zur Euphorie, denn an diesem Tag hatten genügend US-Staaten den 18. Verfassungszusatz ratifiziert, der die Herstellung und den Verkauf von Alkohol unter Strafe stellte. Ein Jahr später wurde er umgesetzt.

Feindliche Industrie

Schon während des 19. Jahrhunderts hatten vor allem religiöse Kreise für ein Alkoholverbot geworben, waren damit aber nicht durchgekommen. Das änderte sich mit dem Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg am 6. April 1917. Nun hiess es, das Getreide, das zur Herstellung von alkoholischen Getränken verwendet wurde, werde zur Ernährung der Truppen benötigt.

Ausserdem waren die meisten Schnapsbrennereien im Besitz von jüdischen Immigranten, während viele Bierbrauereien von Deutschamerikanern betrieben wurden. Wer den Alkoholkonsum verdammte, konnte sich somit sowohl den vermeintlich raffgierigen Juden als auch den Bier trinkenden Horden des deutschen Kaisers moralisch überlegen wähnen. «Ich greife keine amerikanische Institution an. Ich greife ein ausländisches Geschäft an», sagte John Newton Tillman, ein Kongressabgeordneter aus Arkansas, 1917 vor dem Repräsentantenhaus.

Ausnahmen

Ein Problem bei der Umsetzung der Prohibition waren die zahlreichen Ausnahmen, die das Gesetz vorsah. Alkohol durfte nämlich weiterhin für industrielle, medizinische und rituelle Zwecke produziert und konsumiert werden. Das hatte zum Beispiel die kuriose Folge, dass Ärzte bald schon jährlich rund 300'000 Rezepte für Whisky ausstellten, weil er angeblich zur Therapie von Krankheiten erforderlich war.

Illegale Herstellung und Schmuggel

Zudem entstanden nicht nur zahllose illegale Brennereien und Brauereien, sondern alkoholische Getränke wurden auch in grossem Stil über die fast 9000 Kilometer lange kanadisch-amerikanische Grenze geschmuggelt. Die Behörde, die das Gesetz durchsetzen sollte, das Prohibition Bureau, war personell hoffnungslos unterbesetzt. Weil die Beamten dazu auch noch schlecht verdienten, drückten sie gern ein Auge zu, wenn sie dafür ein paar Scheine erhielten.

Natürlich entwickelte sich unter diesen Umständen der Handel mit Alkohol zu einer wahren Goldgrube für Verbrecher. Der berühmteste von ihnen, Al Capone, verdiente zu Spitzenzeiten 60 bis 100 Millionen Dollar pro Jahr.

Speakeasies

Konsumiert wurde die ungesetzliche Ware in den «Speakeasy» genannten illegalen Bars und Clubs, die überall im Land wie Pilze aus dem Boden schossen. Was sich dort abspielte, trieb den Moralaposteln, die die Prohibition erzwungen hatten, die Zornesröte ins Gesicht. Zur Kundschaft zählten nämlich auch immer mehr Frauen, die zuvor in den Kneipen kaum präsent gewesen waren. In den Speakeasies führten sie sich höchst «unweiblich» auf: Sie tranken Alkohol, rauchten Zigaretten und legten zu Jazzklängen sinnliche Tänze aufs Parkett. Dabei waren ihre Partner nicht selten schwarze Männer, was damals als unerhört galt.

Das Ende

Auch konservative Amerikaner mussten nun einsehen, dass die Prohibition nicht nur erfolglos war, sondern auch einen Wertewandel bewirkte, der nicht in ihrem Interesse lag. Am 5. Dezember 1933 wurde der 21. Verfassungszusatz erlassen, der den 18. aufhob. Einige Staaten hielten aber weiterhin an der Prohibition fest. Der letzte, der sie beerdigte, war 1966 Mississippi.

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