Aktualisiert 28.01.2020 20:27

Leser erzählen

«Als Kind der Unterschicht hatte man es schwer»

Der Artikel über ungleiche Chancen an Schweizer Schulen führte zu vielen Reaktionen. Viele Leser kennen das Problem aus eigener Erfahrung.

von
rc

Der Artikel darüber, dass Kinder aus tieferen sozialen Schichten oder mit Migrationshintergrund im Schulsystem benachteiligt werden, schlug hohe Wellen. Viele Leser berichten von ihren eigenen Erfahrungen:

Leser «Mel»

«Als Arbeiterkind aus dem Kanton Bern kann ich das bestätigen. Man hat sich bemüht, brachte sehr gute Leistungen und wurde trotzdem kleingeredet. Gspänli mit studierten Eltern wurden für die gleiche Leistung mit Lob überschwemmt. Im Gymi war es dann besser und an der Uni kein Thema mehr.»

Leser «Selbsterlebt»

«War schon früher so. Als Sohn oder Tochter von Arzt , Anwalt oder Direktor ging alles leichter. Als Kind der Unterschicht hatte man es schwer.»

Leser «MH»

«Als Arbeiterkind wurde meinen Eltern gesagt, ich hätte kein akademisches Vorbild in der Familie und wäre daher nicht geeignet fürs Gymi. Ich wollte da aber unbedingt hin, machte die Gymiprüfung, bestand später die Matura und habe einen Masterabschluss an der Uni abgeschlossen. Glaubt an euch und an eure Fähigkeiten!»

Leser «Niccolo»

«War bei mir schon so. Ich musste mit einem Notenschnitt von 4.6 in die Realschule und meine Mitschülerin kam ins Gymnasium. Ich: Arbeitersohn und Ausländer. Sie: reiche Eltern und Schweizerin.»

User «Fairplayer»

«Wenn Lehrpersonen entscheiden dürfen, welche Schüler hürdenfrei nach oben kommen und welchen Steine in den Weg gelegt werden sollen, nennt man das ‹Vetterliwirtschaft›.»

Früher abgelehnt, heute Medizinstudent

Auch der heute 23-jährige Patrik Gerber kennt diese Probleme: «Damals wurde ich auch nicht für das Gymnasium empfohlen, obwohl ich einen sehr guten Notendurchschnitt hatte.» Er habe deswegen eine Lehre gemacht und nebenbei die Berufsmaturität abgeschlossen. Danach habe er die Passarelle gemacht und sich mit einer 40-Prozent-Anstellung über Wasser gehalten. «Heute studiere ich Medizin und bin sehr zufrieden mit meinem Weg», sagt Gerber. Dieser habe sogar Vorteile: «Während meine Studienkollegen in den Semesterferien für Hungerlöhne jobben, arbeite ich temporär auf dem Beruf, den ich erlernt habe.»

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