30 Jahre Kanton Jura: Als «Le Fritz» vom Sockel stürzte
Aktualisiert

30 Jahre Kanton JuraAls «Le Fritz» vom Sockel stürzte

Vor 30 Jahren stimmte das Schweizer Volk der Gründung des Kantons Jura zu. Wirklich gelöst ist der Konflikt jedoch bis heute nicht. Das zeigen zahlreiche Anschläge der militanten Béliers nach der Kantonsgründung.

Das Unheil begann am Wiener Kongress 1815, als die europäischen Mächte nach dem Sturz von Napoleon Bonaparte den Kontinent neu ordneten. Damals wurde nicht nur erstmals die immerwährende bewaffnete Neutralität der Schweiz anerkannt. Der Kanton Bern erhielt zudem den nördlichen Teil des Juras zugesprochen, der zuvor zum Fürstbistum Basel gehört hatte. Die Berner erhielten damit Ersatz für die ehemaligen Untertanengebiete Aargau und Waadt, die unter Napoleon eigenständige Kantone wurden.

Es war ein Geschenk mit Folgen: Die katholischen und französischsprachigen Jurassier wehrten sich gegen die Zugehörigkeit zum protestantischen Bern. In den 60er- und 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts eskalierte der Protest, es kam zu Ausschreitungen und Anschlägen der Béliers (dt. Widder, Rammbock), der militanten Jugendorganisation der Separatisten. Schliesslich gab Bern nach: Am 24. September 1978 stimmte das Schweizer Volk der Gründung eines eigenständigen Kantons Jura mit 82,3 Prozent Ja-Stimmen zu.

Die drei südjurassischen, protestantischen Amtsbezirke La Neuveville, Moutier und Courtelary allerdings entschieden sich für den Verbleib beim Kanton Bern. Den Béliers ist diese Tatsache bis heute ein Dorn im Auge. Ihre spektakulärsten Anschläge verübten sie denn auch erst nach der Gründung des Kantons Jura (siehe Bildstrecke), um ihre Forderung nach einer jurassischen Wiedervereinigung zu unterstreichen.

(pbl)

Neuer Anlauf

In die Debatte um eine jurassische Wiedervereinigung kommt Bewegung. Eine Studie der Universität Neuenburg sieht Vorteile in einem neuen Kantonsgebilde, bestehend aus dem heutigen Kanton Jura und dem bernischen Südjura. Die Experten gingen von einem völlig neu strukturierten Kanton aus. Dieser würde nur noch sechs Gemeinden anstelle der heute 132 umfassen, die sechs Bezirke würden abgeschafft und die Kantonsverwaltung gestrafft. Die Einwohnerzahl läge bei 120 000. Als Hauptstadt ist Moutier vorgesehen. Pro-bernische Kreise und die Berner Kantonsregierung reagierten skeptisch bis ablehnend auf das Papier.

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