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US-KuriosumAls man seine Kinder per Post verschickte

Kaum konnte man 1913 grössere Pakete mit der Post verschicken, gaben auch schon Eltern ihre Kinder auf. Das Porto betrug nur wenige Cent.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Als im Jahr 1913 der Paketdienst der US-amerikanischen Post lanciert wurde, konnten Pakete direkt beim Fahrer abgegeben werden. 

Als im Jahr 1913 der Paketdienst der US-amerikanischen Post lanciert wurde, konnten Pakete direkt beim Fahrer abgegeben werden.

Foto: The New York Public Library/PD
Dieser sehr persönliche Ablauf führte dazu, ...

Dieser sehr persönliche Ablauf führte dazu, ...

Screenshot Indianapolis Sunday Star, 1914
... dass manche Eltern auf die Idee kamen, ihren Nachwuchs für einen Grossmutterbesuch nicht in den Zug zu setzen, sondern ihn als Paket aufzugeben.

... dass manche Eltern auf die Idee kamen, ihren Nachwuchs für einen Grossmutterbesuch nicht in den Zug zu setzen, sondern ihn als Paket aufzugeben.

Twitter.com/rguidoknapp

Darum gehts

  • Als in den USA erstmals Pakete verschickt werden konnten, war guter Rat teuer.

  • Denn das neue Angebot warf Fragen auf: Was war erlaubt? Und unter welchen Bedingungen?

  • Viele probierten es einfach aus.

  • Manche gaben sogar ihren eigenen Nachwuchs auf.

  • Und der kam tatsächlich auch an.

Als der Paketdienst der US-Post am 1. Januar 1913 den Dienst aufnahm, mussten sich die Menschen erst einmal an das neue Angebot gewöhnen: Wie gross darf ein Paket maximal sein? Gibt es Dinge, die nicht verschickt werden dürfen?

Aber nicht alle stellten diese Fragen auch. Manche probierten einfach ihr Glück. So etwa das Ehepaar Jesse Beauge aus Glen Este im Bundesstaat Ohio. Mitte Januar 1913 versahen sie ihren acht Monate alten Sohn James mit Briefmarken im Wert von 15 Cent, versicherten ihn für 50 Dollar und sendeten ihn zur Grossmutter. Er kam unversehrt an und gilt heute als erstes Kind, das jemals per Post verschickt wurde.

Nachahmer werden zum Vorbild

Die kuriose Geschichte machte bald die Runde, und in den nächsten Jahren tauchten gelegentlich Berichte über andere Eltern auf, die ihre Kinder ebenfalls auf diesem unkonventionellen Weg hatten reisen lassen. Wen wundert es? Die Briefmarken waren schliesslich weitaus günstiger als ein Zugbillett.

Der Fall der damals vierjährigen Charlotte May Pierstorff, die im Postbeutel rund 73 Meilen überwand, wurde so berühmt, dass sie als Vorlage für das Kinderbuch «Mailing May» diente.

Nach sechs Monaten ist offiziell alles vorbei

Doch schon nach wenigen Monaten war Schluss. Am 14. Juni 1913 berichteten «Washington Post», «New York Times» und «Los Angeles Times» einstimmig, dass Postminister General Burleson bestimmt hatte, dass Menschen nicht mehr versendet werden dürfen.

Natürlich hielten sich zunächst nicht alle daran. Immer wieder kam es zu weiteren Lebendsendungen – auch zu spektakulären. So legte die damals sechsjährige Edna Nee als Paket rund 720 Meilen zurück, als sie von Florida aus nach Virginia reiste.

Der letzte durch Medienberichte dokumentierte Fall ereignete sich im Jahr 1915. Dann war ein für alle Mal Schluss.

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11 Kommentare
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GuteIdee

26.12.2020, 18:02

Unseren supernetten, tollen PöstlerInnen würde ich die Kinder sofort mitgeben für Bsüechli, da der ÖV zu schmuddlig, kompliziert mit Umsteigen und je nach dem sogar gefährlich...

Peter w

26.12.2020, 13:25

Heute ist es verboten Tiere per Post zu versenden zum Glück.

normal bei not

26.12.2020, 12:07

Not macht erfinderisch