Aktualisiert 23.06.2015 11:20

Miss SchweizAls Miss will sich Julia für ADHS-Kinder einsetzen

Die 21-jährige Julia Egli aus Niederhelfenschwil leidet an ADHS. Das hält sie aber nicht davon ab, um das Krönchen der Miss Schweiz zu kämpfen.

von
jeb
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Sollte sie zur Miss Schweiz gewählt werden, möchte sich Julia Egli für ADHS-Betroffene einsetzen. Die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssstörung begleitet...

Sollte sie zur Miss Schweiz gewählt werden, möchte sich Julia Egli für ADHS-Betroffene einsetzen. Die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssstörung begleitet...

JEB
... die 21-Jährige seit ihrer Kindheit. «Ich habe ADHS mittlerweile gut im Griff», sagt sie heute.

... die 21-Jährige seit ihrer Kindheit. «Ich habe ADHS mittlerweile gut im Griff», sagt sie heute.

Hier das offizielle Kandidatinnen-Bild: Julia Egli (21), Studentin Innenarchitektur aus Niederhelfenschwil SG. Auch ihre Konkurrenz kann sich sehen lassen.

Hier das offizielle Kandidatinnen-Bild: Julia Egli (21), Studentin Innenarchitektur aus Niederhelfenschwil SG. Auch ihre Konkurrenz kann sich sehen lassen.

Thomas Buchwalder

«Ich fahre gerne mit meiner Ducati auf die Schwägalp oder den Stoss runter und dann weiter zum Bodensee», so Julia Egli zu 20 Minuten. Die Niederhelfenschwilerin ist die einzige Kandidatin aus der Ostschweiz bei den diesjährigen Miss-Schweiz-Wahlen.

An den Drei Weiern oder an der Thur kann sie gut entspannen und zur Ruhe kommen. Das braucht sie auch. Denn Julia Egli leidet an der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssstörung (ADHS). Wobei leiden heute zu viel gesagt ist: «Ich habe ADHS mittlerweile gut im Griff.» Als Kind wurde sie mit Johanniskraut therapiert, später nahm sie Ritalin.

Vor allem im Kindergarten und in der Primarschule prägte ADHS ihr Leben. Als die Kinder im Kindergarten den Auftrag bekamen, ein Schloss zu malen, zeichneten alle Kinder ein plumpes Schloss mit zwei Türmen, Julia aber gleich ein dreidimensionales Prunkstück. Da sagte die Kindergärtnerin: «Schaut mal, Julia muss wieder mal aus der Reihe tanzen.» Das schmerzte die Niederhelfenschwilerin. Oder als die Kinder im Kreis Witze erzählen durften. Zuerst lachten die Kinder mit ihr über die Witze. Als sie aber nicht aufhören konnte, «Blödsinn» zu erzählen, lachten plötzlich alle über sie.

In der Primarschule wurde Julia Egli von der Lehrerin oft vor die Tür gesetzt. «Ich war ein Zappelphilipp und konnte mich nicht lange konzentrieren.» Von den Mitschülern wurde sie gehänselt. «Als ADHS-Kind ist es wichtig, dass man an sich selber glaubt», so Julia. «Denn man ist oft Einzelkämpferin.»

Die 21-jährige will sich, falls sie am 7. November in Basel zur Miss Schweiz gewählt wird, für ADHS-betroffene Jugendliche einsetzen. Das gehört zum neuen Konzept der Miss-Schweiz- Organisation. Jede Miss muss sich zum einen für den Charity-Partner Corelina einsetzen und alle Einnahmen, die monatlich 10'000 Franken übersteigen, dieser Organisation abgeben. Zusätzlich wird erwartet, dass sich die schönste Schweizerin für ihre Herzensangelegenheit einsetzt. Die aktuelle Miss Schweiz Laetitia Guarino engagiert sich für die Förderung von Blutstammzellenspenden sowie für die Flüchtlingshilfe.

Solo seit Silvester 2014

Einen Freund hat Egli zurzeit nicht. Sie ist seit Silvester 2014 Single. «Ich war mit meinem damaligen Freund am Anstehen für eine Party und hatte 200 Franken in meiner Handtasche. Plötzlich fand ich das Geld nicht mehr – ich hatte es verloren. Darauf kam es zum Streit, wie zuvor öfters. Dieser Zwist brachte das Fass zum Überlaufen und wir trennten uns», so die temperamentvolle 21-Jährige.

Sie wohnt momentan noch zu Hause bei ihren Eltern. Ab Herbst will die gelernte Innenausbauzeichnerin in Horw bei Luzern Innenarchitektur studieren und dann in eine Wohngemeinschaft in der Zentralschweiz ziehen.

Für die Miss-Schweiz-Wahlen haben sich Julia und die anderen elf Finalistinnen gegen 300 andere Kandidatinnen durchgesetzt. Vor einer siebenköpfigen Jury mussten sie auf dem Catwalk laufen. Das war für Julia kein Problem, schliesslich modelt sie auch ab und zu für einen Strümpfehersteller. Danach standen Gespräche mit der Jury auf dem Programm. Für die Organisatoren steht die Persönlichkeit der Kandidatinnen im Zentrum. Sie werden zu ihrer Lebensgeschichte und auch ihrem sozialen Engagement befragt. Auch das Reglement wurde gelockert, wie die Organisation mitteilt. Neu müssen die Kandidatinnen volljährig sein und es können sich auch verheiratete Kandidatinnen bewerben. Zum ersten Mal findet die Wahl dieses Jahr in Basel statt.

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