26.08.2019 18:45

Rotierendes Soliarum-Haus

Als Patienten der Sonne ausgesetzt wurden

Mit Sonnenlicht Krebs, Rheuma und Dermatitis heilen: Daran glaubten Ärzte im späten 19. Jahrhundert.

von
mst
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Dieses Haus mit einem drehenden Flügel auf dem Dach stand einst in Frankreich.

Dieses Haus mit einem drehenden Flügel auf dem Dach stand einst in Frankreich.

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Die Idee dazu hatte Dr. Jean Saidman, ein aus Rumänien stammender Arzt. Mit dem drehenden Flügel ...

Die Idee dazu hatte Dr. Jean Saidman, ein aus Rumänien stammender Arzt. Mit dem drehenden Flügel ...

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... sollten Patienten in den Genuss einer Heliotherapie kommen, einer Behandlung mit Sonnenstrahlen.

... sollten Patienten in den Genuss einer Heliotherapie kommen, einer Behandlung mit Sonnenstrahlen.

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Wie wichtig Sonnenlicht für die Gesundheit ist, weiss man schon eine ganze Weile. Wirklich aufgefallen ist dieser Umstand aber im späten 19. Jahrhundert, als Ärzten auffiel, dass das Sünnele gegen die damals sehr verbreitete Rachitis half, eine Krankheit, die meist durch Vitamin-D-Mangel hervorgerufen wird.

Nach kürzester Zeit war die sogenannte Heliotherapie (Behandlung der Patienten mit Sonnenlicht) eine beliebte Behandlungsmethode für diverse Krankheiten von Krebs, über Tuberkulose und Hautkrankheiten bis hin zu psychischen Erkrankungen.

Mit Sonnenlicht heilen

Dr. Jean Saidman, ein rumänischer Arzt in Paris, wollte diese Heliotherpaie perfektionieren. Er wurde 1897 in Rumänien geboren, kam aber als Teenager nach Frankreich und studierte Medizin. Sein Fachgebiet: Aktinologie. Dort wird die Auswirkung von Sonnenstrahlen auf Mensch und Tier erforscht.

1929 liess Saidman ein rotierendes Solariumhaus patentieren, mit dem die Patienten noch mehr Sonnenlicht ausgesetzt werden sollten. Das erste Solariumhaus wurde 1930 in Aix-les-Bains gebaut, einer Gemeinde im Département Savoie. Entworfen wurde das Gebäude von Architekt Andre Farde.

Das drehende Sonnenspital

Das Gebäude bestand aus einem Haus, in dem sich Warte- und Untersuchungsräume befanden, und einem Metallflügel auf dem Dach, der sich drehen konnte – und so dem Verlauf der Sonne folgte. Der bewegliche Flügel war 25 Meter lang, sechs Meter breit und wog sagenhafte 80 Tonnen.

Jeder Raum im beweglichen Flügel war zusätzlich mit einem kippbaren Bett ausgestattet, damit die Patienten die Sonnenstrahlen aufrecht (und damit mit einer möglichst grossen Fläche des Körpers) aufnehmen konnten – oder damit bestimmte Teile des Körpers «bestrahlt» werden konnten.

Von drei Solariumhäusern steht nur noch eines

In Saidmans Solariumhäusern wurden diverse Krankheiten behandelt: Die Patienten kamen mit Rheuma, Dermatitis, Tuberkulose, Rachitis, Krebs und vereinzelt auch mit psychischen Erkrankungen.

1934 baute Saidman zwei weitere Solariumhäuser: Eines in Vallauris (Region Provence-Alpes-Côte d'Azur) und eines in Jamnagar, einer Stadt im Bundesstaat Gujarat in Indien. Dieses Solariumhaus, das Teil des Instituts für Polychemo- und Radiotherapie, ist das Einzige, das heute noch steht. Benutzt wird es allerdings nicht mehr.

Die beiden Solariumhäuser in Frankreich wurden während des Zweiten Weltkrieges zerstört.

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