Erster Fall im Kanton Luzern: Kirche in Wiggen soll abgerissen werden
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Erster Fall im Kanton LuzernKirche in Wiggen soll abgerissen werden

Weil die reformierte Kirche in Wiggen renovationsbedürftig ist und die Kosten zu hoch sind, wird sie abgerissen. Das passiert in der Schweiz äusserst selten.

von
gwa
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Die reformierte Kirche in Wiggen wird abgerissen. Die Kirche weist Risse im Gemäuer auf, Grundwasser drückt gegen die Bodenplatten.

Die reformierte Kirche in Wiggen wird abgerissen. Die Kirche weist Risse im Gemäuer auf, Grundwasser drückt gegen die Bodenplatten.

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Hinzu kommt: Weil die Kantonsstrasse verbreitert wird, würde der Haupoteingang der Kirche unbenutzbar. Ein neuer Eingang müsste gebaut werden.

Hinzu kommt: Weil die Kantonsstrasse verbreitert wird, würde der Haupoteingang der Kirche unbenutzbar. Ein neuer Eingang müsste gebaut werden.

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Weil die Kosten für eine Renovation zwischen 500'000 und 800'000 Franken betragen, hat die Kirchgemeindeversammlung den Abriss beschlossen.

Weil die Kosten für eine Renovation zwischen 500'000 und 800'000 Franken betragen, hat die Kirchgemeindeversammlung den Abriss beschlossen.

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1943 wurde sie erbaut, fast 80 Jahre später ist ihr Ende nahe: Die reformierte Kirche in Wiggen, das zur Gemeinde Escholzmatt LU gehört, soll abgerissen werden.

Die Kirche ist renovationsbedürftig: Einen Keller hat das Gebäude nicht, Grundwasser drückt gegen die Bodenplatten. Und in den Betonplatten hat es nicht genügend Eisen: Während der Erbauung in der Kriegszeit wurde Beton rationiert, berichtete der «Kirchenbote». Die Strominstallationen stammen ebenfalls noch aus der Zeit der Erbauung.

Durch einen Riss sieht man ins Freie

«Als ich vor zwei Jahren meinen ersten Gottesdienst in der Kirche Wiggen feierte, war ich über den baulichen Zustand schockiert, sagt Pfarrer Marcel Horni (61) zum reformierten Blatt. Das Gemäuer weist Risse auf. Ein Riss sei gar so gross gewesen, dass man diesen mit einem Wandbehang versteckte. Ansonsten hätten die Kirchgänger durch den Riss ins Freie gesehen.

Renovationen gab es viele: 1972, 1978, 1997, 2005 und 2017. Die Probleme blieben. Die Kosten für eine weitere Renovation sind nun aber zu hoch: Zwischen 500'000 und 800'000 Franken würde eine Renovation kosten. Gottesdienste gibt es in der kleinen Kirche übrigens noch etwa zehn pro Jahr.

Zeitpunkt des Abrisses noch unklar

Hinzu kommt: Die Kantonsstrasse, die gleich neben der Kirche verläuft, soll verbreitert und mit einem Veloweg ergänzt werden. Die Vibrationen, die bei den Bauarbeiten entstehen, könnten der Kirche weitere Schäden zufügen. Und: Wegen der breiteren Strasse würde der Haupteingang unbenutzbar, ein neuer Eingang müsste gebaut werden.

Deshalb habe die Kirchgemeinde beschlossen, das Gotteshaus abzureissen. Der Verstand habe über das Herz gesiegt, so der Pfarrer. Zwei Abschluss-Gottesdienste werden bis Ende Jahr noch abgehalten. Danach sollen die Abrissbagger auffahren. Wann das geschehen wird, ist aber noch unklar, frühestens jedoch 2021. Noch unklar ist ebenfalls, was mit der Orgel, den Kirchenbänken und den Glocken geschieht.

Erster Kirchenabriss in Luzern

Laut dem «Kirchenboten» ist es das erste Mal, dass im Kanton Luzern eine Kirche abgerissen wird. Überhaupt werden Kirchen äusserst selten abgerissen. Die Datenbank der Universität Bern enthält zu diesem Thema 19 Einträge. Dabei handle es sich aber mehrheitlich um kleine Kapellen, die von Aussen kaum als solche zu erkennen gewesen seien.

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