21.11.2016 19:25

Eltern gesuchtAls Säugling in einer Telefonkabine ausgesetzt

Eine heute 26-jährige Südostschweizerin wurde 1990 in einer Telefonzelle in Nendeln (FL) nackt als Säugling ausgesetzt. Seit acht Jahren sucht sie nun ihre leiblichen Eltern.

von
taw

In dieser Telefonkabine in Nendeln FL wurde die 26-Jährige als Säugling ausgesetzt. (Video: fej)

«Es geht um ganz grundsätzliche Fragen», so die junge Frau zur «Südostschweiz». «Woher komme ich? Woher habe ich diese Ohren, diese Augen, meine Kreativität?»

Die mittlerweile 26-Jährige wurde 1990 als Neugeborenes nackt in einer öffentlichen Telefonkabine des Postamtes in Nendeln im Fürstentum Liechtenstein ausgesetzt. Am 4. September 1990 heisst es dazu in der «Bündner Zeitung»: «Der leicht unterkühlte Säugling wurde von einer Passantin kurz nach sechs Uhr auf einem Kehrichtsack liegend entdeckt und sofort in Spitalpflege gebracht.» Und weiter: «Polizeiliche Ermittlungen über die Herkunft des Babys wurden eingeleitet.» Leider ohne Erfolg. Nach wenigen Tagen bei einer Pflegefamilie wurde das Kind schliesslich zur Adoption freigegeben. Wie die 26-Jährige gegenüber 20 Minuten sagt, wisse sie schon seit frühster Erinnerung, dass sie adoptiert sei. «Meine Eltern haben mir das von Anfang an erzählt.» Ihre Kindheit sei ganz normal und schön gewesen.

Akten teilweise vernichtet

Ihre leiblichen Eltern sucht die Frau bereits seit ihrem 18. Lebensjahr. Bisher verliefen jedoch alle Nachforschungen im Sand. Wie die «Südostschweiz» schreibt konnten die Behörden nur bedingt helfen. Ein Blick in die Akten im Liechtensteiner Landesarchiv führte nicht zum Ziel.

Erschwerend kommt hinzu, dass im Fürstentum Liechtenstein kein Gesetz existiert, das die Elternsuche von Adoptivkindern regelt. «Grundsätzlich können alle rechtlich zugelassenen Möglichkeiten ausgeschöpft werden, sofern dadurch nicht Rechte von Drittpersonen beeinträchtigt werden», sagt Benedikt Jehle, der Rechtsanwalt der jungen Frau. Wenn konkrete Hinweise auf mögliche Eltern bestehen, könnte die Frau die Feststellung der Mutterschaft oder Vaterschaft gerichtlich einklagen. Dabei könnte auch ein DNA-Test beantragt werden.

Keine Vorwürfe

Was genau passiert, wenn sie ihre Eltern findet, wisse sie nicht genau, sagt die Südostschweizerin. «Ich möchte einfach gerne wissen, woher ich komme, meine Wurzeln und auch meine Gene und meinen Ursprung kennenlernen.» Auf eine solche Art Treffen könne man sich auch nicht vorbereiten, zudem habe sie sich die konkrete Situation noch nie überlegt. «Ich würde sie wohl nach ihrem Namen fragen und der Rest wird sich dann ergeben.»

Wütend sei sie auf ihre leiblichen Eltern nie gewesen. Es würde an der Situation auch nichts ändern. «Ich möchte Klarheit haben und machen niemandem Vorwürfe, dass die Situation so ist, wie ist.»

Hinweise über ihre leiblichen Eltern sammelt die 26-Jährige unter: findelkind.nendeln@gmail.com

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.