Basel: Kindermädchen wie Sklavin gehalten – verurteilt

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Basel«Als sie nicht schnell genug gegessen hat, haben Sie sie am Hals gepackt»

Ein Basler Ehepaar hielt ein albanisches Kindermädchen einen Monat lang wie eine Sklavin. Es wurde dafür nun wegen Menschenhandels verurteilt. Mutmasslich gibt es noch weitere solche Fälle. 

von
Lukas Hausendorf
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Ein albanisches Kindermädchen wurde von einem Basler Ehepaar ausgebeutet. Es musste deren drei Kinder voll betreuen und den gesamten Haushalt erledigen für 300 Franken im Monat. Geschlafen hat die 20-Jährige in einem «Schrankbett» im Kinderzimmer.

Ein albanisches Kindermädchen wurde von einem Basler Ehepaar ausgebeutet. Es musste deren drei Kinder voll betreuen und den gesamten Haushalt erledigen für 300 Franken im Monat. Geschlafen hat die 20-Jährige in einem «Schrankbett» im Kinderzimmer.

20min/Simon Glauser (Symbolbild)
Das Ehepaar wurde nun wegen Menschenhandels, Nötigung und Verstössen gegen das Ausländer- und Integrationsgesetz verurteilt. Es soll schon früher Kindermädchen aus Albanien zu ähnlich ausbeuterischen Bedingungen beschäftigt haben.

Das Ehepaar wurde nun wegen Menschenhandels, Nötigung und Verstössen gegen das Ausländer- und Integrationsgesetz verurteilt. Es soll schon früher Kindermädchen aus Albanien zu ähnlich ausbeuterischen Bedingungen beschäftigt haben.

20 Minuten
Am Freitag wurden die 36-Jährige und ihr Gatte je zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 17 Monaten und einer bedingten Geldstrafe verurteilt. Zudem müssen sie ihrem ehemaligen Kindermädchen 6580 Franken Schadenersatz und 2000 Franken Genugtuung bezahlen.

Am Freitag wurden die 36-Jährige und ihr Gatte je zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 17 Monaten und einer bedingten Geldstrafe verurteilt. Zudem müssen sie ihrem ehemaligen Kindermädchen 6580 Franken Schadenersatz und 2000 Franken Genugtuung bezahlen.

Kanton BS

Darum gehts

«Reue oder Mitleid ist bei Ihnen gar nicht vorhanden», hielt Gerichtspräsidentin Marcia Stucki am Ende der Urteilsbegründung fest. Vor ihnen sass das frisch verurteilte Ehepaar mehr oder weniger teilnahmslos und liess den fast zweistündigen Vortrag über sich ergehen. Am Freitag wurden die 36-Jährige und ihr Gatte je zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 17 Monaten und einer bedingten Geldstrafe verurteilt. Die Schuldsprüche erfolgten wegen Menschenhandels, Verstössen gegen das Ausländer- und Integrationsgesetz, Wuchers und weiterer Vergehen.

Das Ehepaar, Schweizer Staatsangehörige albanischer Herkunft, hatte eine damals 20-jährige Albanerin als Kindermädchen beschäftigt, wobei versklavt das richtige Wort wäre, um die Arbeitsbedingungen zu beschreiben. Ihr wurde der Pass eingezogen, sie hatte keine Privatsphäre und Rückzugsmöglichkeit. Sie arbeitete sieben Tage pro Woche, zwölf Stunden am Tag, es kam zu körperlichen Übergriffen. «Sie hatte Probleme mit ihrem Magen und wurde gezwungen, schnell zu essen», führte Stucki aus. «Als sie nicht schnell genug gegessen hat, haben Sie sie am Hals gepackt.»

Nicht einmal den Hungerlohn bezahlten sie

Die Tatvorwürfe konnten weitgehend objektiv belegt werden. Etwa durch kompromittierende Chatnachrichten zwischen den Eheleuten. Diese hätten die Notlage der jungen Frau ausgenutzt. Rekrutiert hatten sie das Kindermädchen über eine albanische Agentur. Zuvor war sie im Aargau bei einer Familie, wo die Bedingungen bereits prekär waren. Und kam vom Regen in die Traufe. Ihr wurde ein mickriger Lohn von um die 350 Franken versprochen nebst Kost und Logis. Das Geld blieben sie ihr schuldig.

«Sie konnten sich so einen Krippenplatz für ihre Kinder sparen», bemerkte Stucki. Nach einem Monat war aber Schluss, nachdem die junge Frau zu einem Nachbarn geflüchtet war und die Justiz zu ermitteln begonnen hatte. Ihr hat das Gericht nun Schadenersatz von über 6580 Franken und eine Genugtuung von 2000 Franken zugesprochen. Weiter müssen die Verurteilten Verfahrenskosten und Urteilsgebühren in der Höhe von mindestens 52’000 Franken bezahlen.

Agenturen vermitteln armutsbetroffene junge Frauen

Die inzwischen 23-jährige Albanerin ist kein Einzelfall. Auf den Handys des Ehepaars sind weitere Kontakte zu jungen Frauen aus Albanien dokumentiert, die mit dem Zusatz «Dado» (Albanisch für Kindermädchen) gespeichert waren. Auch Fotos von Pässen mehrerer Frauen sind in den Verfahrensakten, ebenso geht aus Chatverläufen hervor, dass diese auch hier gearbeitet hatten.

Es scheint, als sei die Vermittlung perspektivloser junger Frauen aus Albanien als Haushaltsangestellte in die Diaspora in der Schweiz und andere Länder ein professionalisiertes Geschäft mit spezialisierten Agenturen. Vor Gericht blieb es diesbezüglich aber nur bei Andeutungen. 

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von Zwangsprostitution und/oder Menschenhandel betroffen?

Hier findest du Hilfe:

ACT 212, Nationale Meldestelle gegen Menschenhandel, Tel. 0840 212 212

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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