Sexueller Übergriff in Olten : «Die Attacke hätte vielleicht verhindert werden können»
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Sexueller Übergriff in Olten «Die Attacke hätte vielleicht verhindert werden können»

Ein Mann attackierte am Sonntag im Oltner Bannwald eine 14-Jährige. Anwohner berichten von einem versuchten sexuellen Übergriff im selben Wald zwei Monate zuvor – und sind enttäuscht über die mangelnde Kommunikation der Polizei.

von
Céline Krapf
Lara Hofer
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Hier ist der Eingang zum Wald, wo laut Anwohnern im September der versuchte sexuelle Übergriff geschah.

Hier ist der Eingang zum Wald, wo laut Anwohnern im September der versuchte sexuelle Übergriff geschah.

Am Sonntag kam es im Bannwald zu einem weiteren sexuellen Übergriff. Dabei wurde ein Mädchen schwer verletzt. 

Am Sonntag kam es im Bannwald zu einem weiteren sexuellen Übergriff. Dabei wurde ein Mädchen schwer verletzt.

Die Polizei am Tatort des Übergriffs vom Sonntag in der Nähe eines Vita Parcous.

Die Polizei am Tatort des Übergriffs vom Sonntag in der Nähe eines Vita Parcous.

Darum gehts

  • Im Bannwald in Olten kam es am Sonntag zu einem sexuellen Übergriff auf ein Mädchen.

  • Das Opfer wurde mit einem Messer schwer verletzt. Im Zusammenhang mit der Tat wurde ein 37-jähriger Schweizer festgenommen.

  • Laut Anwohnern ist es nicht der erste Übergriff seiner Art: Bereits im September versuchte ein Mann eine junge Frau anzugreifen.

  • In der Nachbarschaft ist man schockiert – und enttäuscht, dass nicht offensiver kommuniziert wurde.

Am Sonntagmittag wurde das Horrorszenario vieler Frauen Realität: Ein Mann mit Messer attackierte ein 14-jähriges Mädchen und verletzte sie schwer, die Polizei geht von einem sexuellen Übergriff aus.

Und es ist nicht der erste Vorfall dieser Art in der Region. Unweit des Tatorts berichten Anwohner von einem weiteren Angriff: «Ein Mann versuchte im September eine junge Frau im Wald sexuell zu belästigen», sagt Anwohnerin V.K.*, die das Opfer kennt. «Als sie schrie, liess er von ihr ab. Der Schock war enorm – und das Trauma bleibt bis heute.» Seit der Attacke meide auch sie den Wald.

Die Polizei suchte nach einem Mann

Andere Anwohner beobachteten den Vorfall vor rund zwei Monaten: «Um Hilfe schreiend rannte die Joggerin die Strasse herunter», sagt eine junge Frau, die unweit des Waldes wohnt. Später sei die Polizei vorgefahren, habe mit dem Schäferhund die Region abgesucht und im Quartier herumgefragt, ob ein dunkel gekleideter Mann gesehen worden sei. «Informiert, was genau geschehen ist, wurde leider nicht.»

Sie ist nicht die Einzige im Quartier mit dieser Beanstandung: «Es irritiert mich sehr, dass nicht offensiv informiert wurde», sagt eine junge Mutter. Sie habe über Dritte vom Vorfall erfahren – und dies mit ihrem Nachwuchs thematisiert, um diesen zu schützen. «Wenn man hier Familie hat, überlegt man es sich jetzt zweimal, ob man Kinder in den Wald lässt», sagt Anwohner Walter Lärch. Er kritisiert die Arbeit der Polizei: «Es kann doch nicht sein, dass Journalisten die Tatwaffen finden und die Beamten sich verhalten, als wären sie auf einem Sonntagsausflug.»

«Ein Zusammenhang mit dem aktuellen Fall wird geprüft»

Derweil ist V.K. grundsätzlich zufrieden mit der Polizeiarbeit im September: Das Opfer habe nach der Tat Anzeige erstattet. Aber: «Ich hätte mir gewünscht, dass der Fall wenigstens im kleinen Rahmen kommuniziert wird.» Sie habe gewusst, was geschehen sei – aber viele Anwohner nicht. «Vielleicht hätte so eine erneute Attacke verhindert werden können.» Zum Täter will sie sich nicht äussern.

Die Polizei bestätigt, dass es im September zu einem versuchten sexuellen Übergriff gekommen sei im Wald bei Olten: «Ein Zeugenaufruf war aufgrund der abgelegenen Örtlichkeit, des Signalements und aus ermittlungstaktischen Gründen nicht zielführend; umfangreiche polizeiliche Ermittlungen wurden eingeleitet», schreibt die Kantonspolizei Solothurn. Ein Zusammenhang mit dem aktuellen Fall werde geprüft.

Im Bezug auf den aktuellen Fall verweist sie auf die Solothurner Staatsanwaltschaft. Diese teilt mit, dass im Zusammenhang mit der Attacke am Sonntag eine Strafuntersuchung gegen einen 37-jährigen Schweizer im Gang sei. «Aus Rücksicht auf diese laufenden Untersuchungen können zurzeit keine weiteren Angaben zum Tathergang oder Tatmotiv gemacht werden.» Sie stelle für den Beschuldigten einen Antrag auf Untersuchungshaft.

Wirst du oder jemand, den du kennst, sexuell belästigt?

Hier findest du Hilfe:

Belästigt.ch, Onlineberatung bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz

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