Zurich Pride Podcast – «Als trans Frau musste ich in Syrien um mein Leben fürchten»
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Zurich Pride Podcast«Als trans Frau musste ich in Syrien um mein Leben fürchten»

Hayat hielt in ihrer Heimat Syrien ihre Geschlechtsidentität geheim. Aus guten Gründen: Nachdem die Polizei sie bedroht hatte, musste sie fliehen. Heute lebt sie in der Schweiz und versucht, Arbeit zu finden.

von
Alexander Wenger
Zora Schaad
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Um Hayats Identität zu schützen, verwenden wir in diesem Artikel ausschliesslich Symbolbilder.

Um Hayats Identität zu schützen, verwenden wir in diesem Artikel ausschliesslich Symbolbilder.

Unsplash (Symbolbild)
Hayat floh erst aus Syrien, dann aus Dubai, weil sie wegen ihrer Genderidentität verfolgt wird. (Symbolbild)

Hayat floh erst aus Syrien, dann aus Dubai, weil sie wegen ihrer Genderidentität verfolgt wird. (Symbolbild)

Pexels

Darum gehts

  • Hayat ist eine trans Frau und steht auf Männer.

  • In ihrer Heimat Syrien lebte sie als Mann und war schwul. Das wurde gefährlich.

  • Die Situation für LGBTQI-Menschen ist in Syrien dramatisch.

«Wenn meine Eltern arbeiten waren, habe ich heimlich die Kleider meiner Mutter angezogen. Niemand durfte etwas merken.» Hayat* wuchs in der syrischen Hauptstadt Damaskus als jüngstes von neun Kindern auf. Nach der Geburt wurde Hayat dem männlichen Geschlecht zugewiesen und erhielt einen Bubennamen. «Der Name gehörte nicht zu mir. Ich wusste schon früh, dass ich ein Mädchen bin. Und ich wusste auch, dass ich mich einmal nur in einen Jungen verlieben kann.» Hayat musste ihr «Anderssein» geheim halten. «Meine Eltern haben schlecht über Schwule gesprochen.»

Jahrelang kleidete und verhielt Hayat sich so, wie es von einem Buben und später von einem jungen Mann erwartet wird. Niemand durfte wissen, dass sie trans ist und sich zu Männern hingezogen fühlt. «Als Teenager habe ich gelernt, mit Blickkontakt Gleichgesinnte auf der Strasse zu erkennen. Im Versteckten haben wir uns getroffen und ich habe erste Erfahrungen mit Liebe und Sex gemacht.» Später studierte Hayat Wirtschaft und hatte ihren ersten Freund. Doch als die beiden eines Tages gemeinsam auf einer Bank sassen, wurden sie von der Polizei angesprochen. «Sie haben wohl gespürt, dass zwischen uns eine besondere Verbindung besteht. In ihren Augen verhielt ich mich ‹schwul› und trug zu gute Kleidung. Sie haben mich erpresst und gedroht, mich bei meiner Familie zu verraten», so Hayat zum Zurich Pride Podcast (Auf 20 Minuten und Spotify).

Syrien ist ein schwieriger Ort für queere Menschen. Ihnen drohen Verfolgung, Gewalt und Gefängnis. «Nach der Drohung durch die Polizei wusste ich, dass ich nicht in Syrien bleiben kann. Fluchtartig habe ich das Land verlassen». 1999 kam Hayat nach Dubai und versuchte, ein neues Leben aufzubauen: Sie fand einen guten Job, eine eigene Wohnung und einen neuen Freund. Jahrelang lebte sie in Frieden. Doch weil sie femininere Kleider als früher trug, fiel sie erneut auf. Eines Tages wurde sie beim Autofahren von der Polizei angehalten und befragt.

Nachdem kurze Zeit später ihr Freund verschwand, entschied sie sich, erneut zu flüchten. «Meinen Freund habe ich nie mehr gefunden. Er muss wohl von der Familie geholt worden sein. Ich hatte starken Liebeskummer und panische Angst vor der Polizei». Was mit ihm passiert ist, weiss sie bis heute nicht. 2016 flüchtete Hayat in die Schweiz und beantragte Asyl. Unterstützt wird sie hier von «Queeramnesty» (Siehe Box). Heute lebt Hayat in einer kleinen Wohnung in Bern in Sicherheit. Sie muss ihre Geschlechtsidentität nicht mehr verstecken. «Hier kann ich endlich frei sein und mit meiner Transition beginnen. Ich würde gerne arbeiten, doch bisher hatte ich keine Chance. Ich habe Wirtschaft studiert und bin sprachbegabt», so Hayat. Ihr Asylantrag wird noch bearbeitet. Solange muss sie warten und zittern.
* Den Namen und einige Angaben habe wir zum Schutz von Hayat geändert

Was macht Queeramnesty?

«Queeramnesty» unterstützt geflüchtete Menschen in der Schweiz. 40 ehrenamtliche Schweizer Aktivist*innen helfen im Alltag und vermitteln bei juristischen, medizinischen und psychologischen Fragen an Fachstellen. Sie begleiten die Menschen bei Behördengängen und vernetzen sie in der Community und untereinander für gemeinsame Freizeitaktivitäten.

Was ist der Zurich Pride Podcast?

Alexander Wenger ist Moderator des Zurich Pride Podcasts. 

Alexander Wenger ist Moderator des Zurich Pride Podcasts.

Zurich Pride Podcast

Mehrmals im Monat interviewen Zurich-Pride-Moderator und -Host Alexander Wenger und Moderatorin Jeannine Borer aussergewöhnliche Menschen, die ihre Lebensgeschichte erzählen. Schwule, Lesben, Bisexuelle sowie trans, inter und asexuelle Menschen – oder einfach gesagt: «Queers» – erzählen am Mikrofon ihre ganz persönliche Geschichte. Ob neue Lebensformen oder ungewöhnliche Schicksale – der Zurich Pride Podcast stellt sie vor. Zu finden ist er auf der 20-Minuten-App im Bereich Radio/Podcast oder auf Spotify.

LGBTQI: Hast du Fragen oder Probleme?

Hier findest du Hilfe:

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

InterAction, Beratung für intergeschlechtliche Menschen, Tel. 077 430 48 04 (Di. 18.00 – 20.00 Uhr)

Du-bist-du.ch, Beratung und Information

Lilli.ch, Information und Verzeichnis von Beratungsstellen

Milchjugend, Übersicht von Jugendgruppen

Elternberatung, Tel. 058 261 61 61

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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