Raub in Dresden : «Als wäre der Vatikan ausgeraubt worden»
Publiziert

Raub in Dresden «Als wäre der Vatikan ausgeraubt worden»

Ein Juwelendieb aus Amerika äussert sich zum Raub in Dresden. Die Polizei fahndet derweil weiter nach den Tätern.

von
kat
1 / 14
Befindet sich zurzeit in New York und entging dem Milliarden-Raub: Der «Grüne Diamant» aus der Schatzkammer Grünes Gewölbe.

Befindet sich zurzeit in New York und entging dem Milliarden-Raub: Der «Grüne Diamant» aus der Schatzkammer Grünes Gewölbe.

Keystone
Der Raub scheint nebulös: Das Reiterstandbild August des Starken, auch «Goldener Reiter» genannt, steht vor der berühmten Schatzkammer im Nebel und wird von einer Leuchte angestrahlt.

Der Raub scheint nebulös: Das Reiterstandbild August des Starken, auch «Goldener Reiter» genannt, steht vor der berühmten Schatzkammer im Nebel und wird von einer Leuchte angestrahlt.

Keystone/dpa/Robert Michael
Und so sah die Schatzkammer vor dem Diebstahl aus.

Und so sah die Schatzkammer vor dem Diebstahl aus.

Keystone/David Brandt/AP

Der Juwelendiebstahl aus dem Historischen Grünen Gewölbe in Dresden ist ein «Super-GAU». So zumindest bezeichnet es Museumsdirektor Dirk Syndram, der das ganze Ausmass des Verlustes noch nicht kennt. «Sobald der Tatort freigegeben ist, werden wir die Sachen schnellstmöglich bergen und wissen, wie viel von den knapp 100 Objekten, die insgesamt in der Vitrine waren, nicht mehr da sind.»

Selbst der «grösste Juwelendieb Amerikas», wie sich Larry Lawton selbst bezeichnet, ist «geschockt» über den Vorfall, wie er im Interview mit dem «Tages-Anzeiger» sagt. «Das ist, als wäre der Vatikan ausgeraubt worden – die Schmuckstücke, die gestohlen wurden, sind unbezahlbar. Ich lehne mich mal aus dem Fenster und sage: Das könnte der grösste Raubüberfall der Geschichte sein.»

Profis am Werk?

Lawton glaubt auch zu wissen, dass Profis am Werk waren, die vermutlich bereits einen Käufer für die Beute haben. Der «Hehler» würde dann die Schmuckstücke so verändern, dass sie nicht mehr als diese erkennbar sind und sie dann weiterverkaufen. Dies könnte auch der Grund sein, warum die Vitrine nicht vollständig ausgeräumt und ein Teil zurückgelassen wurde. «Die wichtigste Frage für einen Juwelendieb ist: Wie werde ich das, was ich stehle, wieder los?», erklärt Lawton.

Der heute 58-Jährige war im Alter von Mitte 30 vom FBI geschnappt worden, nachdem er auf Raubzügen durch Juweliergeschäfte entlang der US-Ostküste Schmuck im Wert von 15 Millionen Dollar erbeutet hatte. 2007 kam er frei. Heute arbeitet er als Berater für die Polizei, wie es im Bericht weiter heisst.

«Lässt sich nicht zu Geld machen»

Dass die Brillant- und Diamantgarnituren an einen Hehler verkauft werden, ist jedoch laut Museumsdirektor Syndram nicht möglich. «Das sind alles Schliffe des 18. Jahrhunderts, man kann solche Steine nicht einfach zu Geld machen.» Die Historizität und der Erhalt der Schmuckstücke machten deren Wert aus, herausgebrochene Diamanten entwerteten sie. «Es wäre eine Dummheit, das zu machen.»

Die Polizei fahndet unterdessen weiter nach den Tätern. Die Spurensuche wurde am Montagabend um 21 Uhr unterbrochen und sollte am Dienstagmorgen um 7 Uhr weitergehen, wie ein Polizeisprecher sagte. «Deswegen bewachen wir das Schloss in der Nacht.» Die Suche nach DNA der Diebe sei nicht einfach in einem Museum, in dem ständig Betrieb ist.

Erste Aufnahmen der Juwelen-Räuber

Juwelen-Raub in Dresden: Polizei veröffentlicht Aufnahmen aus Überwachungskamera

Das von der Polizei veröffentlichte Überwachungsvideo zeigt die Einbrecher am Werk. (kat/sda)

Deine Meinung