Aktualisiert 23.07.2016 11:30

Anschlag in MünchenAls wäre es Alltag – der starke Einsatz der Polizei

Einsatzgrösse, Kommunikation, Reaktionszeit – die Münchner Polizei war gut vorbereitet und im Einsatz souverän.

von
ofi
1 / 61
Die Polizei hat einen «möglichen Mitwisser» festgenommen: Sicherheitskräfte stehen vor dem McDonalds nahe des Olympia Einkaufszentrums, wo die Schiesserei stattgefunden hat. (23. Juli 2016)

Die Polizei hat einen «möglichen Mitwisser» festgenommen: Sicherheitskräfte stehen vor dem McDonalds nahe des Olympia Einkaufszentrums, wo die Schiesserei stattgefunden hat. (23. Juli 2016)

Keystone/Sven Hoppe
Mehrere tausend Menschen haben am Sonntagabend in München der Opfer des Amoklaufs gedacht. (24. Juli 2016)

Mehrere tausend Menschen haben am Sonntagabend in München der Opfer des Amoklaufs gedacht. (24. Juli 2016)

Keystone/Josef Hildebrand
Ein Blumen- und Lichtermeer: Trauernde legen vor dem Olympia Einkaufszentrum Blumen, Kerzen, Bilder und Briefe nieder. (23. Juli 2016)

Ein Blumen- und Lichtermeer: Trauernde legen vor dem Olympia Einkaufszentrum Blumen, Kerzen, Bilder und Briefe nieder. (23. Juli 2016)

Keystone/AP Photo/Jens Meyer

Freitag, 22. Juli 2016, 17.52 Uhr: Bei der Polizei in München geht eine Alarmmeldung ein, dass im Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) im Norden der Stadt Schüsse gefallen seien. Was folgt ist ein Einsatz von Sicherheitskräften, der in seinem Ausmass und seiner Ausführung einzigartig ist.

Einsatzkräfte

Innert kürzester Zeit sind in der ganzen Stadt München Polizeifahrzeuge unterwegs, 2300 Sicherheitskärfte kommen im Laufe des Abends und der Nacht zum Einsatz. In benachbarten Bundesländern, zum Beispiel in Hessen, wird die Polizei vorsorglich in Alarmbereitschaft versetzt und selbst in den an Bayern angrenzenden Regionen von Österreich wird die Alarmstufe erhöht. Spitäler und Kliniken in München bieten zusätzliche Ärzte und Krankenpfleger auf.

Durch die grosse Anzahl Polizisten konnten die Einsatzkräfte den zahlreichen Hinweisen aus der Bevölkerung zu möglichen weiteren Tatorten und Zwischenfällen sehr schnell nachgehen und jeweils Entwarnung geben, wie Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins gegenüber Journalisten sagte.

Nach Schießerei in München: Polizei richtet telefonische Suchstelle für Vermisste ein

Kommunikation

Um 18.35 Uhr setzt die Polizei München den ersten Tweet zum Polizeieinsatz im Grossraum des OEZ ab.

Ab diesem Zeitpunkt informieren die Behörend laufend über diesen Kanal, wie der Stand der Ermittlungen ist, was bekannt und was unbekannt ist. Die Bevölkerung von München wird über den mobilen Warndienst KatWarn aufgefordert, die Strassen zu verlassen und zuhause zu bleiben. Tweets werden ab 20 Uhr auch in Englisch und Französisch abgesetzt. Kurz vor 22 Uhr informiert die Polizei zudem auf Türkisch über den aktuellen Stand der Lage.

Die Polizei fordert die Menschen auf, keine Fotos oder Videos aufzunehmen und auf ihrem Kanal keine Diskussionen oder Spekulationen zu verbreiten. Wer über Bildmaterial verfügt, soll dies nicht in den sozialen Medien verbreiten, sondern direkt der Polizei zur Verfügung stellen. Kurz vor 22 Uhr informiert die Polizei in einer improvisierten Pressekonferenz via medien die Öffentlichkeit über den Stand der Dinge. Nachts um 2 Uhr findet eine ordentliche Pressekonferenz statt.

Öffentlicher Verkehr

Der öffentliche Fern- und Nahverkehr wird zunächst teilweise, ab ca. 19.30 komplett zum Stillstand gebracht und die Taxibetriebe in der Stadt werden offiziell über die Situation in Kenntnis gesetzt. Ab 1.11 Uhr am Samstag wird der öffentliche Verkehr laufend wieder in Betrieb genommen. Am Samstagmorgen nach 8 Uhr ist der ÖV wieder im Normalbetrieb. einzig die Haltestelle beim OEZ wird nicht bedient.

Einschätzung und Reaktionen

Sicherheits- und Terrorismus-Experte Malte Roschinski schätzt den Polizeieinsatz gegenüber dem deutschen TV-Sender N24 als hervorragend ein. «Man konnte sehen, dass die Polizei sehr gut vorbereitet war, auf diese komplexe Lage. Die Kommunikationsstrategie, mehrsprachig und Fakten orientiert hat ebenfalls sehr gut funktioniert.»

Auch die Menschen in München schätzen den Einsatz der Sicherheitskräfte positiv ein. Gegenüber N24 sagte zum Beispiel eine Frau, sie sei sehr gut betreut worden. Auf Twitter gab es zwar auch schon kritische Stimmen, die das enorme Polizeiaufgebot für übertrieben hielten. Aber auch hier ist die Mehrheit der User der Meinung, die Polizei habe sehr gute Arbeit geleistet.

Am Tag nach dem Anschlag: Augenzeugen und Anwohner kommen am Tatort zusammen

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.