Rekordfisch: Als würden 1600 Elefanten auf seinem Kopf stehen
Aktualisiert

RekordfischAls würden 1600 Elefanten auf seinem Kopf stehen

Erstmals konnte in 8000 Metern Tiefe ein Fisch gefangen werden. Dieser muss in seinem Lebensraum enormen Belastungen aushalten.

von
jcg
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Noch nie wurde tiefer im Meer ein Fisch gefangen: In 8000 Metern Tiefe ging den Forschern dieser Scheibenbauch der Art Pseudoliparis swirei in die Falle.

Noch nie wurde tiefer im Meer ein Fisch gefangen: In 8000 Metern Tiefe ging den Forschern dieser Scheibenbauch der Art Pseudoliparis swirei in die Falle.

Adam Summers/University of Washington
Der Fisch sieht in Wirklichkeit natürlich nicht so aus. Zu sehen ist ein CT-Scan, hergestellt in den Friday Harbor Laboratories der University of Washington.

Der Fisch sieht in Wirklichkeit natürlich nicht so aus. Zu sehen ist ein CT-Scan, hergestellt in den Friday Harbor Laboratories der University of Washington.

Adam Summers/University of Washington
In Natur sieht der Pseudoliparis swirei so aus.

In Natur sieht der Pseudoliparis swirei so aus.

Mackenzie Gerringer/University of Washington

Der bis zu 11'000 Meter tiefe Marianengraben im westlichen Pazifik ist die tiefste Stelle in unseren Ozeanen. Die dortigen Bedingungen sind extrem lebensfeindlich. Zwar gibt es dort Kreaturen wie Flohkrebse, Seegurken, Quallen und einzellige Lebewesen wie Foraminiferen, Fische konnten Forscher dort aber lange Zeit nicht nachweisen.

Nun haben Wissenschaftler der Friday Harbor Laboratories im US-Bundesstaat Washington erstmals einen Fisch beschrieben, der im Marianengraben in 7966 Metern Tiefe gefangen wurde. Damit ist der Pseudoliparis swirei, der etwa doppelt so lang wie eine Zigarre ist, der am tiefsten lebende bisher bekannte Fisch.

Und er dürfte es wohl auch bleiben. Denn die Wissenschaft geht nicht davon aus, dass man eine Fischart finden wird, die noch tiefer lebt. Ab rund 8200 Meter destabilisiert der gewaltige Druck Proteine in einem Mass, dass Fische nicht überleben können, wie eine Studie von 2014 ergab.

An den Druck angepasst

Der nun beschriebene Scheibenbauch ging den Forschern bereits 2014 ins Netz. Und im Unterschied zu anderen Tiefseefischen verfügt er weder über eine besonders ausgeprägtes Gebiss noch über Biolumineszenz, also die Möglichkeit, selber Licht zu erzeugen. Diese Arten leben in weit geringerer Tiefe. Mackenzie Gerringer von den Friday Harbor Laboratories sagte dazu dem «National Geographic»: «Wenn man so weit hinunter geht, haben die verschiedenen Fische eine deutlich andere Gestalt. Sie haben keine Schuppen, keine grossen Zähne und keine Bioluminiszenz. Zumindest wüssten wir davon nichts.»

«Es gibt echte Einschränkungen für das Leben in diesen Gräben», sagte Gerringer weiter. Forscher gehen davon aus, dass Scheibenbäuche einen Druck überleben können, der dem Gewicht von 1600 Elefanten entspricht. «Sie haben Anpassungen an diesen Druck entwickelt, um ihre Enzyme funktionsfähig und ihre Membranen beweglich zu halten», so Gerringer.

Die Scheibenbäuche der neuen Art leben offenbar in grosser Zahl im Marianengraben, wie Kameraaufnahmen von unbemannten U-Booten aus dem Jahr 2014 zeigen. Und es scheint ihnen nicht an Nahrung zu mangeln. In den Bäuchen gefangener Exemplare fanden die Forscher Überreste vieler kleiner Krebstiere.

Scheibenbäuche im Marianengraben. (Video: Youtube/UW University of Washington)

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