Marco Cortesi schaut den Kino-«Tatort»: «Als Zürcher Polizist wäre Tschiller seinen Job los»
Aktualisiert

Marco Cortesi schaut den Kino-«Tatort»«Als Zürcher Polizist wäre Tschiller seinen Job los»

Mit «Tschiller: Off Duty» brachte Til Schweiger zum ersten Mal einen «Tatort» ins Kino. 20 Minuten hat den Film mit Polizeisprecher Marco Cortesi angeschaut.

von
Lucien Esseiva

Til Schweiger im Trailer zu «Tschiller: Off Duty» (Quelle: YouTube/<a href="https://www.youtube.com/watch?v=33QvA7KELGk" target="_blank">Warner Bros.</a>)

Als Ermittler Nick Tschiller hat Til Schweiger (52) den «Tatort» aus Hamburg komplett umgekrempelt. Statt dröger Ermittlungsarbeit verpasste Schweiger dem Krimi einen knallharten Action-Touch. Tschiller ballert und tötet, dass sich die Pistolenläufe biegen. Wenn es sein muss, greift er auch mal zur Panzerfaust, um sich den Weg frei zu schiessen.

Nach diesem Strickmuster funktioniert auch «Tschiller: Off Duty», der erste «Tatort», der es auf die Kinoleinwand geschafft hat. Zur Story: Der beurlaubte Polizist Nick Tschiller macht sich, auf der Suche nach seiner Tochter, auf den Weg nach Istanbul und Moskau. Dort lässt er es in hamburgischer Manier mächtig krachen. 20 Minuten hat den Film mit dem Zürcher Polizeisprecher Marco Cortesi angeschaut. Er hat den Film auf seine Realitätsnähe geprüft und verrät, ob Tschiller der richtige Mann für die Stapo Zürich wäre.

Herr Cortesi, ist der Film realistisch?

Die erste Hälfte schon. Was natürlich nicht geht, ist, dass ein Polizist im Ausland tun und lassen kann, was er will. Der Polizeiberuf ist Teamarbeit. Polizeiliche Handlungen im Ausland sind darum fast nicht möglich.

Darf ein Polizist trinken und rauchen?

Selbstverständlich darf ein Zürcher Stadtpolizist, wie Tschiller es auch tut, mit Mass Alkohol trinken oder rauchen. Kiffen jedoch liegt nicht drin. Ein Polizist muss wissen, wie er sich zu benehmen hat. Tschiller ist weit über die Grenze des Tolerierbaren hinausgegangen.

Was würde Tschiller bei der Zürcher Stadtpolizei blühen, wenn er nach seinen Ferien zurück zur Arbeit kommt?

Dann wäre er nicht mehr Polizist bei uns. Zwar gibt es auch bei unseren Polizisten Ausnahmeerscheinungen, aber auch unsere Mitarbeiter können nicht machen, was sie wollen.

Würden Sie Nick Tschiller bei der Stadtpolizei Zürich einstellen?

Nur gut auszusehen reicht nicht. Was wir brauchen, sind Menschen mit Sozialkompetenz und solche, die verhältnismässig handeln. In diesen Bereichen hat Tschiller massive Defizite. Was ihm zugutekommt, ist, dass er sehr sportlich ist und gut schiessen kann. Würde er auf seine Alleingänge verzichten, dann dürfte er sich sicherlich bei der Stadtpolizei Zürich vorstellen.

Würde es Nick Tschiller bei der Stadtpolizei Zürich gefallen?

Der Polizeiberuf ist ein Schreibberuf. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er Lust hätte, alles zu protokollieren, was er in der Türkei und in Russland veranstaltet hat. Die Frage ist auch, ob man Tschiller empfehlen sollte, sich bei uns zu bewerben. Im Vergleich zu den Abenteuern, die er erlebt, wäre es ihm bei uns wohl zu langweilig. Und der Lohn eines Stadtpolizisten wäre wohl auch nicht gerade das, was er gewohnt ist.

Ihr Fazit nach «Tschiller: Off Duty»?

Der Kinofilm hat mir sehr gut gefallen, mir wurde während der zwei Stunden nie langweilig. Er war spannend, abwechslungsreich und sehr gut gemacht. Ich kann ihn Action-Fans mit bestem Gewissen empfehlen.

Marco Cortesi (60) ist Chef des Mediendienstes der Stadtpolizei Zürich. Der Bündner geht selten ins Kino, dafür fehlt ihm meist die Zeit. Cortesi stand aber schon vor der Kamera. In «Mein Name ist Eugen» verkörperte er einen Pöstler – sein ursprünglicher Beruf.

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