Peter Spuhler: «Als Zugbauer könnten wir von Trump profitieren»
Aktualisiert

Peter Spuhler«Als Zugbauer könnten wir von Trump profitieren»

Wie verändern die Chinesen den Eisenbahnmarkt? Kann Stadler Rail von Donald Trump profitieren? Peter Spuhler äussert sich im Interview.

von
K. Wolfensberger
Bussnang

Das ausführliche Interview ist Ihnen zu lang? Sehen Sie im Video, wie sich Peter Spuhler kurz zu fünf wichtigen Punkten äussert (Video: Kaspar Wolfensberger).

Die Konkurrenz aus China im Eisenbahnbau wächst stetig – haben Sie längerfristig überhaupt eine Chance gegen Fernost?

China ist ein Riesenmarkt und hat in den letzten zwanzig Jahren im Schienenbau gewaltig aufgerüstet. Die dafür notwendige Technologie haben die Chinesen über Joint Ventures mit Siemens und Bombardier ins Land geholt. Nun sind sie in der Lage, alle Arten von Zügen selber zu bauen, und drängen auf die internationalen Märkte. In Europa ist die Eisenbahn historisch gewachsen. Jedes Land hat unterschiedliche Rahmenbedingungen wie Stromsysteme, Sicherungsanlagen und Umhüllungskurven. Daher sind die nationalen Zulassungsprozesse teilweise sehr unterschiedlich. Das erschwert den Chinesen den Markteintritt. Doch der Vorsprung wird schmelzen. Unsere Position können wir nur mit innovativen Produkten halten.

Gäbe es umgekehrt die Möglichkeit, Ihre Züge in China zu verkaufen?

Nein, China ist ein geschlossener Markt.

Trotz Mitgliedschaft in der Welthandelsorganisation (WTO)?

Ja. Die Chinesen lassen keine Zugbauer rein. Umgekehrt sind sie aber ein ernstzunehmender, disziplinierter Konkurrent auf dem Weltmarkt.

Am WEF sprach Xi Jinping von Freihandel und Globalisierung – in den USA stehen die Zeichen unter Trump umgekehrt auf Protektionismus. Wird Stadler trotzdem vom neuen US-Präsidenten profitieren können?

In den USA – die notabene auch WTO-Mitglied sind – gilt der sogenannte «Buy American Act». Dieses Gesetz besagt, dass Projekte, die mit Steuergeldern finanziert sind, zu sechzig Prozent in den USA hergestellt werden müssen. Das ist zwar ein klarer Verstoss gegen die WTO-Richtlinien, hat uns aber trotzdem gezwungen, eine eigene Fabrik in den USA zu errichten, damit wir dort Züge verkaufen können.

Dafür haben Sie keine Probleme, wenn Trump Einfuhrzölle erlässt.

Das ist richtig. Ausserdem möchte Trump Milliarden in die US-Infrastruktur investieren, was auch bitter notwendig ist. Strassen und Eisenbahnen sind oft in sehr schlechtem Zustand. Davon könnten wir natürlich profitieren.

In welchem Bereich genau?

In den USA sind bisher nur der Güterverkehr und die U-Bahnen ausgebaut. Bei S-Bahnen oder Intercity-Verbindungen besteht hingegen Nachholbedarf. Hier könnten wir mit unseren Produkten punkten.

Liegt die Zukunft der USA nicht eher bei selbstfahrenden Autos?

Noch ist das selbstfahrende Auto ein Zukunftstraum. Der selbstfahrende Zug hingegen ist bereits heute Realität (lacht). Wir haben in Glasgow gerade einen Auftrag für den Bau einer führerlosen Metro erhalten.

Als Politiker standen Sie immer für eine sehr liberale Wirtschaftspolitik ein. Da sollten Ihnen die protektionistischen Pläne von Trump doch widersprechen …

Absolut. Ich bin aber froh, dass ich nicht Amerikaner bin. Denn Hillary Clinton wäre für mich mit ihren linken Positionen nicht wählbar gewesen. Herr Trump wiederum hat sich im Wahlkampf wie ein Rüpel aufgeführt, was mir eine Wahl ebenfalls erschwert hätte. Wie genau sich seine Präsidentschaft noch entwickeln wird, bleibt aber abzuwarten. In den ersten Tagen hat er mit seinen vielen Dekreten zwar schon grossen Aktionismus bewiesen, Präsident Trump bleibt aber eine Wundertüte.

Wie gross könnte sein Einfluss auf Europa sein?

Die nationalistischen, protektionistischen Tendenzen gibt es nicht nur in den USA, wir sehen sie auch in Europa. Für kleine Exportnationen wie die Schweiz ist das problematisch. Wir sind auf offene Märkte angewiesen.

Heisst das, Sie freuen sich, dass die Massenweinwanderungsinitiative nicht im strengen Wortlaut umgesetzt wurde?

Ich habe als Politiker immer klar gesagt: Wir brauchen zum wichtigsten Handelspartner ein geregeltes vertragliches Verhältnis. Die Bilateralen I sind für die Schweiz ein massgeschneidertes, gutes Paket. Eine Kündigung würde einen grossen Schaden bedeuten. Umgekehrt profitieren aber nicht alle Menschen im gleichen Mass von der Globalisierung. Aufgrund der Ängste in der Bevölkerung wurde die Initiative angenommen. Und ihre Umsetzung durch Bundesrat und Parlament lässt nun den Volkswillen ausser Acht.

Die nächste Abstimmung, die ansteht, ist die Unternehmenssteuerreform III. Ihre Position?

Die OECD hat die Schweiz unter Druck gesetzt, da für ausländische Unternehmen derzeit andere Spielregeln gelten als für schweizerische. Es geht also darum, dass zwischen den Firmen Gleichberechtigung hergestellt wird. Das ist ein wichtiger Punkt, der derzeit in der Diskussion oft untergeht. Trotzdem ist es wichtig, dass wir längerfristig konkurrenzfähig bleiben. Die Reform bietet den Kantonen nun einen Werkzeugkasten, aus dem sie die geeigneten Massnahmen wählen können.

Kritiker sagen, durch die Reform würden Steuern in Millionenhöhe ausfallen, was dann den Mittelstand belasten würde.

Diese Position ist reine Angstmacherei. Noch ist unklar, wie gross genau diese Ausfälle wären. Ausserdem haben sich die Steuereinnahmen auf Ebene des Bundes trotz mehrerer Steuersenkungen seit 1990 etwa vervierfacht und auf Ebene der Kantone im Schnitt mehr als verdoppelt. Ich sehe nicht ein, wieso dies dieses Mal anders sein sollte.

Wichtiger als die Reform dürfte für Ihr Unternehmen nach wie vor die Währungssituation sein – ist der Frankenschock ausgestanden?

Keineswegs. Wir haben von über 7000 Mitarbeitern 3000 in der Schweiz und exportieren 50 Prozent der hier produzierten Züge. Wir hatten daher keine andere Wahl als die Preise zu senken. Daher sanken auch unsere Margen deutlich. Vor kurzem haben wir ausserdem in Holland eine Ausschreibung über 300 Züge verloren, weil wir etwa fünf bis sechs Prozent zu teuer waren. Eine direkte Konsequenz des starken Frankens.

Zu Ihrer Person: Wie lange bleiben Sie der Stadler Rail noch erhalten?

Einen Ausstieg von Peter Spuhler bei Stadler wird es nicht geben. Allerdings werde ich einmal die operative Führung abgeben und mich auf die Position des Verwaltungsratspräsidenten zurückziehen. Einen Verkauf an die Konkurrenz schliesse ich aus. Das wäre ein Verrat an den Mitarbeitern. Eine Möglichkeit wäre aber ein Börsengang, bei dem die Familie noch 35 bis 40 Prozent der Aktien halten würde.

Zur Person

Der 1959 im spanischen Sevilla geborene Peter Spuhler ist Chef der Stadler Rail Group. Sie beschäftigt rund 7'000 Mitarbeiter (davon rund 3'000 in der Schweiz) und erwirtschaftete im Jahr 2016 einen Umsatz von rund 1,76 Milliarden Franken. Spuhler ist Mitglied der Schweizerischen Volkspartei (SVP) und sass für diese 13 Jahre im Nationalrat.

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