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Rebstein SGAlt-Kantonsrat (SP) schikaniert Nachbarcafé

Der Alt Kantonsrat und Rebsteiner «Obervogel» Urs Hermann kämpft mit allen Mitteln gegen ein Café in seiner unmittelbaren Nachbarschaft. Die Wirtin ist verzweifelt.

von
jeb

«Unser Nachbar plagt uns» sagt Stefanie Donadeo verzweifelt. Die 24-Jährige führt seit rund einem Monat mit ihrer Mutter Claudia (47) und Schwester Elisa (18) das Dorfcafé Werkstatt in Rebstein. Eigentlich wollten sie das Café schon früher eröffnen, doch die Einsprache vom Nachbarn Urs Hermann verhinderte eine rechtzeitige Eröffnung.

Der Beschwerdeführer machte geltend, dass es für das Café zu wenig Parkplätze habe und dass Lärm- und Geruchsemissionen zu erwarten sind. Ausserdem fürchtet er sich, dass Betrunkene «vor der Heimfahrt, in jeder Ecke um die Liegenschaften herum gepinkelt und gekotzt wird», so der Wortlaut in der Einsprache, die 20 Minuten vorliegt.

Das bedeutet Krieg

Nach der ersten Einsprache kam es zu einer Besichtigung der Liegenschaft und der Umgebung des Cafés, bei der Vertreter der Gemeinde, der Einsprecher, der Wirtin und des Projektleiters. Dabei fand Hermann deutliche Worte: «Wenn das Café realisiert wird, dann bedeutet das Krieg.» Das bestätigen die Bauleitung sowie die Wirtin.

Was Hermann ankündete, setzte er auch um. Zuerst mietete er die Parkplätze direkt vor dem Restaurant, für welche die Cafébetreiber bereits eine mündliche Zusage hatten. Nach der Eröffnung stellte er sein Wohnmobil direkt quer über alle Parkplätze hin. Sobald jemand versucht auf den vier Parkplätzen zu parkieren, werde die Person von den Nachbarn angeschnautzt, so die Donadeos. Zudem wurde die Polizei gerufen, sobald ein Auto eines Gastes bei den offiziellen Parkplätzen leicht ausserhalb dem Parkfeld steht.

Die Polizei bestätigt, dass sie mehrmals vor Ort gerufen wurde, jedoch niemals eine Busse ausprechen musste. Auch werden regelmässig Gäste auf der Terasse fotografiert. Doch damit nicht genug. Um die Parkplätze zu verknappen, parkiere Hermann seine eigenen Fahrzeuge auf den offiziellen weissen Parkplätze in der Nachbarschaft.

Müll vor Terrasse platziert

Am Montag zündetet Hermann die nächste Eskalationsstufe. Er platzierte Müllsäcke am Rand seines Gartens, direkt dort, wo die Gäste im Aussenbereich des Cafés sitzen. Über Nacht verschwand der Müll, morgens um 6 Uhr wurde er wieder neben dem Café platziert, so die Donadeos.

Für die Cafébetreiberinnen ist die Situation unangenehm. «Die Gäste sagen, bei dem Gestank kämen sie nicht mehr ins Café. Und andere sagen, sie würden nicht mehr kommen, wenn man fotografiert werde und bereits beim Aussteigen aus dem Auto angemacht werde», so Elisa Donadeo. Auch wurden sie von den Gästen aufgefordert, sich endlich zur Wehr zu setzten.

Keine Versöhnung

Auf der Gemeinde Rebstein kam es am Dienstag zu einer schlichtenden Aussprache. «Dabei wurden den beiden Parteien die Rechte und Pflichten aufgezeigt», so Gemeindepräsident Andreas Eggenberger. Festgehalten wurde auch, dass beim Café Werkstatt baurechtlich alles in Ordnung sei. Eine Versöhnung zwischen den beiden Parteien fand aber nicht statt .

«Für uns ist das Verhalten von Hermann geschäftsschädigend. Unsere Umsätze sind noch nicht erfreulich, weil die Gäste nicht wiederkommen, wegen der Schikanen von Hermann», so Stefanie Donadeo. Die Familie ist bei Restaurantbesuchern in Rebstein bestens bekannt, da sie seit zehn Jahren in Rebstein Restaurants betreiben. Claudia Donadeo: «Die Gäste sagen, sie kämen nicht mehr, wenn sie von Nachbarn fotografiert werden.»

Die Donadeos hoffen nach wie vor, dass sich die Situation normalisiert und sie sich mit dem Nachbarn wieder versöhnen können. «Wir möchten in Frieden leben und mit dem Café unseren Lebensunterhalt verdienen», so Stefanie Donadeo.

Verhalten von Obervogel irritiert

Die Familie Hermann wollte auf Anfrage keinen Kommentar zur Sache abgeben. Das Verhalten von Alt-Kantonsrat Hermann (SP) erstaunt aber viele im Dorf. Schliesslich wurde der Männerchorpräsident 2009 zum «Obervogel» der Dorffasnacht gekührt. Das ist eine ehrenvolle Auszeichnung für Personen, die sich im Dorfleben verdient gemacht haben und als gesellig gelten. Bei der Laudatio 2009 hiess es, in Rebstein gebe es kaum einen Verein, in dem Hermann nicht engagiert sei. Mit Ausnahme vielleicht des Strickclubs.

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