Altbewährte Trümpfe stechen
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Altbewährte Trümpfe stechen

Sprachen büffeln mit Wörterbuch, Kurzgrammatik und dickem Wortschatzbuch? Was Sprachpädagogen ins Pfefferland wünschen, ist wieder in Mode.

Nicht, dass sich Sprachschulen den neuesten didaktischen Ansätzen entgegen stellen würden. Aber um Diplome wie das First oder Advanced in Englisch zu bestehen, braucht es vor allen Dingen eine ausgefeilte Examenstechnik. Das sagt Isabelle von Erlach (31), Leiterin von Linguista in Bern. Sie räumt aber auch ein, dass es neue Formen von Sprachkursen gebe. „Wer Spass am Tennis oder am Golfen hat, kann dies mit einem Sprachaufenthalt kombinieren". Dass Sprachkurse über das Mobiltelefon – wie in China praktiziert – bald auch in hohem Mass in hiesigen Gefilden praktiziert werden, hält sie für eher unwahrscheinlich, „weil die Interaktion mit der Lehrperson und den Klassenkameraden die nach wie vor beliebteste und effizienteste Form von Sprachenlernen ist".

Heinrich Meister (54) von der Sprachschule Bénédict sieht die Stossrichtung ähnlich, auch wenn er sagt, dass sich die Nachfrage nach E-learning auf gleich bleibendem Niveau eingependelt habe. Sein Institut führt nebenbei Programme im Angebot, wo die Lerninhalte zum Beispiel via CD-Programmen aufgearbeitet werden können. Unbestritten aber ist, dass solche Ansätze des eher spielerisch orientierten Lernens nichts mehr taugen, wenn es um international gültige Abschlüsse geht. Dort sind genau definierte Aufgaben zu lösen. Entsprechend kann man sich mit Kursen und exakt abgestimmten Lehrmitteln darauf vorbereiten. Die Lust auf sprachliche Weiterbildung hat in jüngster Zeit zugenommen. „Besonders die Nachfrage nach Diplomkursen ist wieder grösser geworden", konstatiert Meister und sagt, „dass vor allem in der Banken- und Versicherungswelt Fakten – sprich Diplome – und nicht ausgefallene Kursvarianten mehr denn je gefragt sind".

Olivia (30) erinnert sich an Tropea, welches sie kürzlich besucht hatte. „Das mediterrane Flair hat es mir angetan", denkt sie an die tollen Zeiten zurück. Wie und in welcher Art ihr die Fremdsprache vermittelt wurde, war für sie zweitrangig. „Nicht, dass ich nur den Spass gesehen habe, aber das Zusammentreffen mit Leuten aus anderen Nationen war für mich ebenso faszinierend wie die Italienisch-Vokabeln. Olivia aber hat Verständnis dafür, dass andere sich nicht nur dem dolce far niente hingeben wollen und können. „Wer nach internationalen Abschlüssen sucht, der sollte sich vielleicht nicht an einen Ort begeben, wo Sonne, Strand und kulturelle Highlights im Vordergrund stehen", schmunzelt sie vielsagend.

Tropea liegt in Kalabrien und zählt rund 8000 Einwohner. In den letzten Jahren hat sich der charmante Ferienort als Ganzjahresdestination etabliert, auch wenn die Touristen vorab im Juli und August in riesiger Zahl einmarschieren. Dank dem nahe gelegenen Flughafen von Lamezia Terme muss die Anreise nicht zwingend im Auto oder per Zug erfolgen.

Gabriel Aeschbacher

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