Ausblick 2008: Alte Bekannte
Aktualisiert

Ausblick 2008Alte Bekannte

Musikalisch ist das alte Jahr längst verklungen. Und das neue bereits eingeläutet. Züri West machen den Auftakt zu einem Musikjahr der Rock- und Pop-Dinosaurier.

Züri West

Der Optimismus ihres letzten Albums ist verflogen. Melancholisch und unspektakulär plätschert die neue Züri-West-Single «Fische versänke» vor sich hin. Ob diese Grundstimmung auch auf dem Album, das am 12. Januar erscheint, beibehalten wird, ist ein gut gehütetes Geheimnis. Weder der Titel noch sonst irgendwelche Details sind bis jetzt an die Öffentlichkeit gedrungen. Ein Mann der grossen Worte war Kuno Lauener eben noch nie. Und das wird sich auch mit dem zehnten Züri-West-Album nicht ändern.

Nick Cave & The Bad Seeds

Der australische Hohepriester Nick Cave verfügt über eine teuflische Schaffenskraft. Im Pakt mit dem kongenialen Warren Ellis schuf er innert zwei Jahren den Sound zu den Filmen «The Proposition» und «The Assassination of Jesse James ...». Dazwischen schob er mühelos ein Album seines jüngsten Projekts Grinderman ein. Cave-Jünger, die das dann doch etwas zu abgedreht fanden, kommen nächstes Jahr auf ihre Kosten, wenn er wieder mit den Bad Seeds gemeinsame Sache macht und predigt: «Dig, Lazarus, Dig!!!»

Goldfrapp

Grobkörnige Videoaufnahmen von verlassenen Stränden, Schmetterlingsfarben, flimmerndes Sonnenlicht: Allein der optische Vorgeschmack auf die neue Goldfrapp-CD beweist: Da war Sängerin Alison auf einem gewaltigen Trip. Im Verlauf von «Seventh Tree», dem vierten Streich der englischen Band, wird ein surrealistisch angehauchtes Klanguniversum entworfen, das verwirrt, bezaubert — und über dem elfengleich der Sängerin Stimme schwebt. Würde er noch leben — Timothy Leary hätte seine helle Freude daran.

Lenny Kravitz

Grosse Töne spuckt Funkrocker Lenny Kravitz: «It Is Time for a Revolution» lautet der bedeutungsschwangere Titel seines neuen Albums. Die Vorabsingle nimmt sich allerdings schon mal viel zahmer aus. «I'll Be Waiting» ist eine pianeske Liebesballade, wie sie die Welt nicht zum ersten Mal hört. Eine Fussnote in den Geschichtsbüchern wird sich Kravitz damit bestimmt nicht sichern können. Einen Welthit hingegen schon.

Madonna

Pop-Oma Madonna scheinen langsam die Ideen auszugehen. Für ihre letzten Alben spannte sie stets unverbrauchte Jungtalente ein, nun setzt sie auf jene drei Musiker, die als Produzenten oder Featuring-Partner ohnehin in aller Ohren sind: Justin Timberlake, Timbaland und Pharrell. Nicht neu ist übrigens auch der Zweieinhalbjahres-Rhythmus, an dem Madonna in Sachen Album-Release eisern festhält (2005: «Confessions on a Dance Floor», 2003: «American Life», 2000: «Music», 1998: «Ray of Light»). Disziplin — eine schöne Tugend.

U2

Kaum Verlässliches ist über das in der zweiten Jahreshälfte anstehende neue Album von U2 in Erfahrung zu bringen. Immerhin: Die Gerüchte hören sich schon mal gut an. Die irische Rockband soll sich mit den Soundtüftlern Brian Eno und Daniel Lanois im Studio verschanzt und 30 bis 40 Songs aufgenommen haben. Einer davon ist angeblich dem argentinischen Schriftsteller Jorge Luis Borges gewidmet und trägt den Titel «If I Could Live My Life Again». Ansonsten gilt bei Bono und Band höchste Geheimhaltungsstufe. Fast so hoch wie bei Züri West.

Claudia Schlup

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