Obama-Team: Alte Hasen und junge Hüpfer
Aktualisiert

Obama-TeamAlte Hasen und junge Hüpfer

Die Regierung des künftigen US-Präsidenten Barack Obama wird sich hauptsächlich aus zwei Gruppen zusammensetzen - langjährigen Vertrauten und bewährten Experten des letzten demokratischen Präsidenten Bill Clinton.

Wichtig ist es hierbei, das richtige Gleichgewicht zwischen noch unerfahrenen engen Verbündeten und alten Insidern der politischen Szene in Washington zu finden. Dieser Brückenschlag scheint Obama bislang gelungen zu sein.

Offensichtlich fühlt sich der designierte Präsident selbstsicher genug, dass er auch alte Rivalen in seine Regierung aufzunehmen gedenkt - allen voran die als Aussenministerin gehandelte Hillary Clinton. Während darüber noch spekuliert wird, hat Obama andere Spitzenvertreter aus dem Clinton-Lager bereits in hohe Ämter berufen. John Podesta, Bill Clintons früherer Stabschef im Weissen Haus, leitet Obamas Übergangsteam bis zur Vereidigung am 20. Januar. Und Rahm Emanuel, Clintons einstiger Topberater, ist als Stabschef gesetzt.

Bei einigen Anhängern des gewählten Präsidenten hat dies Verstimmung ausgelöst. Warum haben wir nur so lange darum gekämpft, Hillary Clinton zu besiegen, wenn wir letztlich sie und ihren Clan in hohen Staatsämtern wiederfinden, war gelegentlich zu hören. Doch der Washingtoner Politikprofessor Stephen Hess, der schon die Regierung von Dwight Eisenhower in der 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts kannte, spricht von einem klugen Schachzug Obamas. Die Erfahrung «alter Hasen» sei für dessen Team unentbehrlich. Nun komme es darauf an, diese Gruppe mit der von politischen Neulingen zu verschmelzen.

Freier Rücken für den Präsidenten

Wichtig ist diese Verschmelzung vor allem beim inneren Mitarbeiterstab des Weissen Hauses. Hier werden Verwaltungsexperten benötigt, die es verstehen, dem Präsidenten den Rücken freizuhalten für die wirklich wichtigen politischen Entscheidungen. Unter Jimmy Carter funktionierte dies anfangs überhaupt nicht, und der neue Präsident musste sich sogar darum kümmern, wer die Tennisplätze des Weissen Hauses benutzen durfte. Diese Verwaltungsexperten benötigen politisches Insider-Wissen, um Reibungen zwischen dem Weissen Haus und dem Kongress zu minimieren und die vielfältigen Lobbyistengruppen sowie die Journalisten in Schach zu halten. Zugleich aber muss der Präsident diesen Leuten absolut vertrauen können.

Mit Emanuel hat Obama einen Experten aus der Clinton-Regierung zum Stabschef bestellt. Doch der damalige Senkrechtstarter kommt aus Chicago, wo auch Obama seine politische Karriere begann. Emanuel kennt die Vertrauten des bisherigen Senators von Illinois und gilt deshalb als geradezu geniale Wahl, um die beiden Lager miteinander zu vereinen.

Wichtige Posten im Weissen Haus werden David Axelrod erhalten, Obamas bisheriger Wahlkampf-Stratege, und Valerie Jarrett, eine Geschäftsfrau aus Chicago und langjährige Freundin der Obamas. Die beiden sollen für die interne Kommunikation innerhalb der Regierung sowie die Vermittlung der Regierungsarbeit nach aussen verantwortlich sein. Pressesprecher wird Robert Gibbs, der Obama seit seinem Wahlkampf für den Senat 2004 als Sprecher begleitet.

General soll Clinton kontrollieren

Eine Gefahr, zu viele enge Freunde im Weissen Haus zu haben, liegt darin, dass diese denken könnten, der Präsident müsse jederzeit für sie persönlich erreichbar sein. Hier wird sich Obama daran gewöhnen müssen, alte Vertraute mitunter vor den Kopf zu stossen, wie Bill Clintons einstige Sprecherin Jennifer Palmieri erläutert. Demnach muss Stabschef Emanuel für die notwendige Disziplin sorgen, damit der Präsident nicht ständig von wohlmeinenden Beratern abgelenkt wird, die nur ihre Sicht der Dinge vortragen wollen.

Auch Palmieri betont, dass jede erfolgreiche Regierungsarbeit letztlich davon abhänge, ob sich der Präsident vom richtigen Mix aus Vertrauten und Experten umgeben fühle. Und Obama habe diesen Ausgleich bislang gemeistert. Analysten zufolge gilt dies auch für den Fall, dass er Hillary Clinton tatsächlich zur Aussenministerin ernennt: Als nationalen Sicherheitsberater dürfte er ihr seinen Vertrauten James Jones gegenüberstellen, und dieser einstige General würde schon dafür sorgen, dass sich Clinton keine grösseren Alleingänge leistet.

(pbl/ap)

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