Alternde Fährenflotte bringt der NASA neue Probleme
Aktualisiert

Alternde Fährenflotte bringt der NASA neue Probleme

Vielleicht glauben die NASA-Manager ja tatsächlich noch daran, dass ihre Raumfähren auf dem neuesten Stand der Technik sind. Manchmal aber klingt doch Skepsis durch.

Der stellvertretende Shuttle-Manager Wayne Hale sagte kürzlich, die wiederkehrenden Probleme der Raumfähren erinnerten ihn «an einen alten Lastwagen, den ich habe».

Verbesserungen an der Sicherheit der Fähren haben die Wiederaufnahme der Starts nach dem dem Absturz der «Columbia» im Februar 2003 wiederholt verzögert. Alterndes Material könnte aber bald zu neuen Rückschlägen und Risiken führen, wie aus Kreisen der Weltraumbehörde verlautete. In etwa fünf Jahren ist geplant, die Shuttles ausser Dienst zu nehmen. «Wenn ich mir überhaupt über etwas Sorgen machen, dann in ein paar Jahren, wenn die Hardware älter wird», sagt NASA-Sicherheitsberater Bob Sieck, früher für den Start der Fähren zuständig.

Entworfen wurde das Raumfährenprogramm in den 70er Jahren. Es sollte die Raumfahrt in riesigen Schritten voran bringen. Das Shuttle sollte eigentlich «Space Clipper» heissen, in Erinnerung an die schnittigen Segelschiffe, die die Möglichkeiten der Seereise im 19. Jahrhundert erweiterten. Das Shuttle sollte das erste Fahrzeug für eine Hin- und Rückreise in den Weltraum sein. Sein verhältnismässig komfortabler Raum für die Besatzung und sein garagenähnlicher Laderaum liessen die alten Raumkapseln wie enge Sardinenbüchsen erscheinen. Das Shuttle sollte Reisen ins All zur Routine machen, ähnlich der Zivilluftfahrt. Es sollte der erste Schritt sein, den Weltraum Normalbürgern zugänglich zu machen.

Es kam schliesslich anders. Die Weltraumfähre erhielt ihren nüchternen Namen und erfüllte nüchterne Funktionen. Dennoch leistete sie Beachtliches. Sie brachte Satelliten ins All, wartete das Weltraumteleskop Hubble und half, die Internationale Raumstation ISS aufzubauen. Sie sorgte dafür, dass Amerikaner weiter in der Weltraumfahrt mitmischten, während sie über ihr nächstes Ziel nach dem Mond nachdachten.

Doch das Ende der Fähren-Ära ist in Sicht. «Die Clipper waren der Höhepunkt der Segelkunst, und die gibt es auch nicht mehr. Ich glaube, daraus können wir eine Lehre ziehen», sagt NASA-Verwalter Michael Griffin in Cape Canaveral. Die Raumfähre «Columbia» flog 1981 zum ersten Mal. Ihr folgten in den kommenden Jahren die Shuttles «Challenger», «Discovery» und «Atlantis». Die «Challenger» explodierte 1986 beim Start, die «Columbia» 2003 beim Landeanflug. Insgesamt verloren dabei 14 Astronauten ihr Leben. Der NASA verbleiben damit die 20 und 21 Jahre alten Fähren «Discovery» und «Atlantis» sowie die 13 Jahre alte «Endeavour», die die «Challenger» ersetzte.

20 Jahre alte elektronische Bauteile nähern sich normalerweise der Grenze ihrer Betriebsdauer. «Ich frage mich, ob ich in meinem Haus auch nur ein elektronisches Teil finden kann, das 25 Jahre alt ist und noch immer funktioniert», sagt Griffin.

Als ein Problem mit einer fehlerhaften Treibstoffanzeige in der vergangenen Woche zum Abbruch des ersten Startversuchs seit zweieinhalb Jahren führte, erklärte ein Manager allen Ernstes, zunächst werde versucht, ein wenig an den Kabeln zu wackeln. Landesweit versuchten dann aber doch mehrere hundert Ingenieure, dem Fehler auf den Grund zu gehen. Am Mittwoch erklärte die NASA schliesslich, Ursache sei vermutlich ein Problem mit der elektrischen Erdung. Als neuer Starttermin wird nun der Dienstag genannt.

Bauteile enormen Belastungen ausgesetzt

NASA-Manager John Muratore räumt ein, dass es schwierig sei, die Ursache von Pannen bei den alternden Fähren herauszufinden. Es fehle einfach an Erfahrung. Für Pannensucher ist eine Raumfähre ein Labyrinth aus Kabeln, Drähten, Signalkästen, Transistoren und Kondensatoren. Allein die Verkabelung ergibt eine Länge von 370 Kilometern, ferner sind 1.060 Ventile verbaut - insgesamt 2,5 Millionen technische Einzelteile gibt es in jedem Shuttle.

Die Bauteile werden regelmässig inspiziert und oft ausgewechselt, insbesondere sicherheitsrelevante Komponenten. Auch der äussere Tank wird nach jedem Flug ausgetauscht. «Wir haben einen Grossteil der Hardware ersetzt», sagt NASA-Manager Michael Wetmore. «Einige Systeme sind jetzt zuverlässiger als zu Beginn des Programms.» Die Probleme könnten aber künftig zunehmen. Immerhin müssen die Teile beim Start einer enormen Belastung standhalten, während eines Fluges sind sie extremer Hitze und Kälte ausgesetzt. «Wir haben gelernt, dass wir Teile häufiger ersetzen müssen, als uns lieb ist», sagte Randy Avera, ein früherer NASA-Ingenieur, der das Shuttle-Inspektionsprogramm mit entwickelt hat.

Fest steht, dass bis zum Auslaufen des Shuttle-Programms die Kosten für technische Kontrolle und Wartung steigen. Die frühere Astronautin Kathryn Thornton befürchtet, dass die NASA nicht bereit ist, die Fähren bis zum letzten Flug im besten Zustand zu halten. Ursprünglich waren die Shuttle allerdings für wesentlich häufigere Starts ausgelegt - bei einer Betriebszeit von lediglich zehn Jahren.

(dapd)

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