Kampf um Klamotten: Altkleider-Aktion: In der Schweiz ist H&M knausrig
Aktualisiert

Kampf um KlamottenAltkleider-Aktion: In der Schweiz ist H&M knausrig

H&M steigt weltweit ins Geschäft mit Altkleidern ein. Wer bei einem Kauf seinen alten Pulli abgibt, kriegt in Deutschland 15 Prozent Rabatt. Die Schweizer Kunden kommen schlechter weg.

von
Sandro Spaeth
H&M lancierte das Kleidersammlungs-Pilotprojekt im Oktober 2011 in 17 Schweizer Läden. Nun wird es auf die ganze Welt ausgeweitet.

H&M lancierte das Kleidersammlungs-Pilotprojekt im Oktober 2011 in 17 Schweizer Läden. Nun wird es auf die ganze Welt ausgeweitet.

H&M wird zum Lumpensammler. Die schwedische Kleiderkette steigt definitiv ins Altkleider-Geschäft ein und nimmt in Filialen auf der ganzen Welt Kleider zurück. «Wir wollen der Umwelt Gutes tun», sagt H&M-CEO Karl-Johan Persson dazu. Die Aktion hat aber nicht nur mit Verantwortung für die Gesellschaft zu tun. Dem Kunden gibt es ein gutes Gewissen – das Unternehmen hofft auf einen Imagegewinn. «H&M wird das erste Modeunternehmen sein, welches eine Kleidersammlung in Läden auf der ganzen Welt einführt», verspricht das in 48 Ländern tätige Unternehmen.

Dem Kunden in Deutschland wird das Zurückbringen der Kleider ab kommendem Februar mit einem 15-Prozent-Gutschein schmackhaft gemacht. Eine Mindestmenge gibt es nicht, auch müssen die Kleider nicht von H&M stammen. Ebensowenig spielt es keine Rolle, ob der ausgebeulte Anzug oder das aus der Mode gekommene T-Shirt in gutem oder schlechtem Zustand sind.

Schweiz: Nur 5-Franken-Bon

Das Angebot für die Schweiz sieht etwas anders aus. Hierzulande gibt es lediglich einen 5-Franken-Gutschein beim nächsten Einkauf ab 30 Franken. Kauft er für 100 Franken ein, zahlt der Kunde noch immer 95 Franken. Ennet dem Rhein wären es mit dem 15 Prozent-Rabattschein nur 85 Franken. Warum das so ist, beantwortet H&M ausweichend. Jedes Land sei selbst für die Rabatte zuständig. So gibt es beispielsweise in Italien und Frankreich einen 5-Euro-Gutschein. In Schweden sind es 50 Kronen, was rund 7 Franken entspricht.

Detailhandelsexperte Gotthard F. Wangler findet die Ungleichbehandelung zwischen der Schweiz und Deutschland unverständlich: «Zwar sind die Margen in der Schweiz tiefer. Eine solche Differenz ist aber nicht gerechtfertigt.» Grundsätzlich würden die Kleiderfirmen selbst im Ausverkauf mit 30 Prozent Rabatt noch Gewinn erzielen.

Altkleider als Geschäft

H&M lancierte das Kleidersammlungs-Pilotprojekt bereits im Oktober 2011 in 17 Schweizer Läden und weitete es im Februar 2012 auf die ganze Schweiz aus. H&M kooperiert mit der Firma I:Collect, die zur deutschen SOEX-Gruppe gehört. Der Ansatz: Da sammeln, wo verkauft wird. In der Schweiz sind unter anderem Vögele-Shoes, Sport 2000 sowie Blackout Partner von I:Collect. Bei Vögele-Shoes gibt es pro retourniertes Paar Schuhe einen 1-Franken-Gutschein.

Altkleiderverwertung ist ein kommerzielles Geschäft – obwohl es den Spendern wohltätig erscheint. Auf dem Weltmarkt erzielt ein Kilo tragbare Altkleider laut Branchenkennern einen Preis zwischen 1 Franken und 2.50 Franken. Die Klamotten werden je nach Zustand Richtung Osten oder Afrika verkauft. Dies drängt laut Kritikern lokale Produzenten vom Markt. Sind die alten Pullover oder Jacken zum Tragen nicht mehr geeignet, werden sie wiederverwertet: zu Putzfäden, Dämmstoffen oder Einkaufstaschen aus Baumwolle.

H&M schnappt Kleider weg

Die Schweizer Textilverwerterin Texaid, die hierzulande rund 4000 Kleidercontainer betreibt und Sammlungen durchführt, hat am definitiven Einstieg von H&M ins Geschäft mit Altkleidung wenig Freude. «Es ist davon auszugehen, dass H&M uns einen Teil der Kleider wegschnappt», sagt Pressesprecherin Lilly Sulzbacher. Quantifizieren lasse sich das aber nicht. Zudem hält sich H&M bedeckt, wie viele Tonnen Kleidung das Modehaus während der Pilotphase gesammelt hat. Texaid kommt jährlich auf 36 000 Tonnen – oder 180 Millionen Einzelstücke.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace begrüsst die Ankündigung von H&M generell. Das ökologische Hauptproblem bei Massenanbietern wie H&M bleibe die «unglaubliche Menge» von meist sehr billiger Kleidung, die diese weltweit auf die Märkte brächten, sagte eine Greenpeace-Sprecherin der Nachrichtenagentur AFP.

H&M geht es mit dem Einstieg ins Altkleider-Business nicht ums Geldverdienen. «Wir wollen lediglich die eigenen Kosten decken», sagt H&M-Schweiz-Sprecher René Zibold. Der Rest des Erlöses soll an Schweizer Organisationen gespendet werden. Auch damit dürfte der Gigant der Billigbekleidung auf einen Imagegewinn hoffen.

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