Aktualisiert 15.08.2013 17:50

Zürcher Sexboxen «Am Abend sieht der Strichplatz schön aus»

Farbige Lämpchen, viel Grün und mitten drin der Pavillon der Frauenberatung Flora Dora. Leiterin Ursula Kocher sagt, was sie vom Strichplatz hält.

von
Maja Sommerhalder

Frau Kocher*, wie ist Ihr Eindruck vom fertigen Strichplatz?

Ursula Kocher: Ich bin sehr positiv überrascht. Er ist sehr kompakt und pragmatisch eingerichtet. Die Sicherheit der Frauen ist gewährleistet und auch die Bedürfnisse der Freier wurden berücksichtigt. Vor allem am Abend, wenn der Platz farbig beleuchtet wird, sieht er schön aus.

Sie haben nicht nur farbige Lämpchen, sondern auch viel Grün auf dem Platz. Wollten Sie für die Freier eine romantische Parkanlage bereitstellen?

Die Bäume standen ja schon vorher hier. Wir wollten keinen sterilen Ort und haben deshalb möglichst viel Grün behalten. Uns war es auch wichtig, dass die Sexboxen und die Unterstände aus Holz sind. Schliesslichen sollen die Frauen ihre Dienstleistungen in einer angemessen Umgebung erbringen können. Ein grosses Thema war auch das Lichtkonzept. Der Platz soll so hell sein, damit er noch sicher ist. Trotzdem wollten wir keine grelle Beleuchtung. Das farbige Licht ist ein guter Kompromiss.

Was sagen denn die Prostituierten zu ihrem neuen Arbeitsort?

Die sind interessiert und wir haben sie lange im Vorfeld informiert. Nächste Woche werden wir mit den Frauen auf Besichtungstour gehen. Natürlich wissen sie wie wir nicht, wie der Platz anläuft.

Haben sie Angst, dass keiner kommt?

Es gibt natürlich Bedenken. Der Sihlquai ist eine Durchfahrtsstrasse, viele Freier entscheiden spontan. Auf den Strichplatz müssen sie bewusst hinfahren. Die meisten Frauen sind aber überzeugt, dass die Freier schon kommen. Schliesslich waren die Männer auf dem Sihlquai sehr im Fokus. Man sah, wer anhielt. Hier ist es viel anonymer.

Fussgänger werden aber ausgeschlossen.

Das stimmt. Allerdings gibt es für sie die Kontaktbars an der Langstrasse und das Niederdorf. Der Sihlquai war einfach nicht mehr tragbar, da es immer mehr Spanner gab, die die Frauen belästigten.

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Wie funktioniert der Platz in der Praxis?

Von 19 bis 5 Uhr fahren die Freier rein in einen Rundkurs. Dort stehen die Frauen in überdachten Unterständen, wo sie von Blicken und Regen geschützt sind. Die Freier können sich eine Prostituierte aussuchen und mit ihr in die Sexbox gehen. Danach geht sie wieder zurück auf ihren Platz. Wir erwarten, dass etwa 30 bis 40 Frauen pro Abend hier arbeiten. So viele waren es auf dem Sihlquai.

«Am Abend sieht der Strichplatz schön aus»

Sind die Prostituierten auch sicher?

Personal von uns ist ständig auf dem Platz. Zudem können die Frauen aus den Sexboxen jederzeit aussteigen und einen Alarmknopf drücken. Dann geht ein Lichtsignal und ein Flutlicht in der Box an und wir erhalten ein akustisches Signal. Wir können sofort vor Ort sein und intervenieren. Schnell auf dem Platz ist auch die Polizei.

Was verbessert sich sonst noch für die Prostituierten?

Sie können auf dem selben Platz arbeiten, wo sie auf die Freier warten. Auf dem Sihlquai musste man immer wegfahren, was sehr viel Zeit in Anspruch nahm und nicht sehr sicher war. Im Flora Dora-Pavillon gibt es zudem eine Dusche und WCs. Dort können sie sich auch von uns beraten lassen. Einmal pro Woche kommt eine Ärztin vorbei und es gibt Informationsveranstaltungen – etwa zu den Themen Verhütung, Schwangerschaft oder sexuell übertragbare Krankheiten.

*Ursula Kocher ist Leiterin der Frauenberatungstelle Flora Dora. Die Mitarbeiterinnen von Flora Dora sind regelmässig im Gebiet des Strassenstrichs unterwegs und waren bisher mit einem Bus am Sihlquai präsent. Auf dem neuen Strichplatz haben sie einen Pavillon zur Verfügung, in dem die Prostituierten auch Duschen, Kochen und eine Pause machen können. som

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