Diego Maradona: Am Ball genial, sonst gern mal im Abseits
Aktualisiert

Diego MaradonaAm Ball genial, sonst gern mal im Abseits

Diego Maradona wird argentinischer Nationaltrainer, Carlos Bilardo (Weltmeister-Coach 1986) wird den früheren Superstar als Teammanager unterstützen.

Diego Armando Maradona ist ein Mythos. Am Ball genial, aber ausserhalb des Rasens dribbelte sich Argentiniens Fussball-Held oft und gern mal ins Abseits.

Weltmeister, Serienmeister, UEFA-Cup-Sieger, Dopingsünder, gescheiterter TV-Moderator und Kokain-Junkie in Personalunion. Nicht verwunderlich, dass die fussballverrückte Nation eher mit gemischten Gefühlen auf die Berufung des 48-Jährigen auf den Posten des Cheftrainers der Nationalelf reagierte.

Bei einer Schnellumfrage der Online-Ausgabe der Zeitung «Clarín» klickten fast 75 Prozent der Teilnehmer die Option «nicht zufrieden» mit der Entscheidung an. Am liebsten wäre den Fans der «Albiceleste» ein seriöserer und vor allem erfahrenerer Kandidat wie zum Beispiel Carlos Bianchi gewesen.

Als Trainer hat der frühere Star von Boca Juniors, von Napoli und des FC Barcelona bisher auch nicht viel vorzuweisen. Mehrmals versuchte sich Maradona erfolglos bei argentinischen Zweitligisten. Am schlimmsten war es 1995 beim Traditionsklub Racing. Dort liess er sich praktisch nie auf der Trainerbank sehen, tauchte ab und wurde Wochen später vom Drogenkonsum arg mitgenommen in einem Mittelklassehotel gefunden.

Der Aufsteiger aus ärmsten Verhältnissen hat kaum eine Gelegenheit ausgelassen, sich das Leben zur Hölle zu machen. Schon im Alter von neun Jahren wurde der am 30. Oktober 1960 in einem Armenviertel am Rande der Millionenmetropole Buenos Aires geborene «Goldjunge» für den Profi-Fussball entdeckt. Mit 16 debütierte er im Nationalteam, neun Jahre später führte er die «Albiceleste» in Mexiko zum zweiten WM-Titel. Dabei schoss er im Viertelfinal gegen England erst das 1:0 mit «der Hand Gottes». Den zweiten Treffer erzielte er nach einem atemberaubenden Dribbling über den halben Platz. Nach 91 Länderspielen sagte er schliesslich Adiós.

Genialität und Grössenwahn, glänzende Siege und bittere Pleiten, sportliche Höchstleistungen, Kokain- und Alkoholexzesse, vor einem Jahr von den Medien voreilig für tot erklärt, jetzt Nationalcoach- immer geht es mit Maradona in atemberaubender Fahrt auf und ab. «Ich glaube, er hält sich für einen Gott, und das könnte einer der Gründe für seine Probleme sein», sagte der Leiter der Klinik Güemes in Buenos Aires, Héctor Pezzella, wo er 2007 in Behandlung war.

Das extreme Pendeln zwischen himmelhoch jauchzendem Übermut und verzweifelter Niedergeschlagenheit ist auch vielen seiner Landsleute nicht fremd. Der Rummel um Maradona nimmt bisweilen groteske Ausmasse an. So gibt es ein Maradona-Museum, ein Maradona- Musical und sogar eine Maradona-Kirche, in der das «Diego Unser» gebetet wird. Sein positives Image wurde jedoch schon früh durch Kokaineskapaden und undiszipliniertes Verhalten getrübt. Bei der WM 1994 wurde er nach einem positiven Dopingtest vom Turnier ausgeschlossen.

Nach dem Ende seiner Profikarriere 2001 ging es turbulent weiter. Wegen Kokainkonsums schrammte er einige Male knapp am Tode vorbei, verbrachte Wochen in Krankenhäusern, machte eine Entziehungskur auf Kuba, wurde so fett, dass er kaum noch sprechen konnte. 2005 liess er sich dann in Kolumbien operativ den Magen verkleinern und speckte von 123 auf 73 Kilogramm ab. Als Moderator einer eigenen TV-Show feierte er schliesslich ein umjubeltes Comeback in der Öffentlichkeit, aber nur ein paar Monate später wurde das Programm abgesetzt.

Diego Armando Maradona im Zahlenporträt:

Geburtsdatum: 30. Oktober 1960 in Villa Fiorito (Buenos Aires) Grösse: 1,68 m Gewicht (zur aktiven Zeit): 70 kg.

Klubs: Argentinos Juniors (1976-80), Boca Juniors (1981-82), FC Barcelona (1982-84), SSC Napoli (1984-91), FC Sevilla (1992-93), Newell's Old Boys (ARG/1993), Boca Juniors (1995-97).

Grösste Erfolge:

* Weltmeister 1986, WM-Finalist 1990, vier WM-Teilnahmen (1982,86,90,94), 91 Spiele im Nationalteam (34 Tore), argentinischer Meister 1981 mit Boca Juniors, spanischer Meister 1983 mit Barcelona, italienischer Meister 1987 und 1990 mit Napoli, UEFA-Cup-Sieger 1989 mit Napoli, italienischer Cup-Sieger 1987 mit Napoli

* Bester Fussballer der WM 1986, sechsmal Südamerikas Fussballer des Jahres (1979, 1980, 1986, 1989, 1990, 1992), viermal Argentiniens Fussballer des Jahres (1979, 1980, 1981, 1986)

* Nachwuchs-Erfolge: U20-Weltmeister 1979 und bester Spieler des Turniers in Japan (»Goldener Ball»-Auszeichnung)

Auszeichnungen:

* Sein zweites Tor gegen England bei der WM 1986 in Mexiko - Dribbling von der Mittellinie - wurde vom Weltfussballverband FIFA zum Tor des 20. Jahrhunderts gewählt.

* In einer Internetabstimmung der FIFA unter Fans wurde Maradona zum «Weltfussballer des Jahrhunderts» gewählt.

* Aufnahme in die Liste der besten Fussballer des 20. Jahrhunderts, die sogenannten «FIFA 100»

Wettbewerbsspiele insgesamt: 678 (345 Tore)

Bisherige Stationen als Trainer: Kurzzeitengagements bei den argentinischen Erstligisten Deportivo Mandiyu Corrientes (1994/12 Pflichtspiele/1 Sieg) und Racing Club Avellaneda (1995/11 Pflichtspiele/2 Siege).

Anmerkungen: 1991 wegen Kokainkonsums, der zu einem positiven Dopingbefund geführt hatte, für 15 Monate gesperrt.

(si)

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