WM: Am Ende gewinnt immer Blatter
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WMAm Ende gewinnt immer Blatter

Fussballweltmeister ist Spanien, doch der eigentliche Sieger ist die Fifa. Der Weltverband macht mit dem Turnier in Südafrika 2,2 Milliarden Dollar Gewinn.

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scc/sas

Es ist wie bei Black Jack oder Roulette. Am Ende gewinnt immer die Bank. So ist es auch im Fussball, nur dass die Bank dort Blatter heisst. Der Walliser Fifa-Präsident Sepp Blatter strich mit seinem Weltverband aus dem Turnier in Südafrika 3,2 Milliarden Dollar ein. 1,2 Milliarden Dollar aus Sponsorengeldern und rund zwei Milliarden aus der Vermarktung der Fernsehrechte und dem VIP-Ticket-Verkauf. Selbstverständlich hatte die Fifa auch Ausgaben. Diese beliefen sich laut «Focus» aber nur auf eine Milliarde Dollar, denn der Rest mussten die Südafrikaner selber stemmen.

Laut Angaben der südafrikanische Regierung musste das Land für Infrastrukturbauten und Stadien mit VIP-Logen rund 4,3 Milliarden US-Dollar investieren. Demgegenüber stehen lediglich offizielle Einnahmen von 5 Milliarden Dollar, was für das Land rund 700 Millionen Dollar Gewinn bedeutet. Big Business machte hingegen die Fifa: Ihr Gewinn ist mit 2,2 Milliarden mehr als drei Mal so gross: Ein weiterer Ärger für die Afrikaner: Die Fifa verbot es beispielsweise Strassenhändlern, im Umfeld des Events ihre Geschäfte zu machen, weshalb Zehntausenden aus den Armenvierteln meist nur das Nachsehen blieb.

Goldesel Deutschland

Die WM in Südafrika war nicht der erste Goldesel für die Fifa. Am globalen Kickerwettstreit von 2006 in Deutschland hatte der Weltfussballverband etwa bereits einen Gewinn von 2 Milliarden Dollar erzielt – Einnahmen von 2,8 Milliarden standen damals Ausgaben von 800 Millionen gegenüber. «Die Fifa hat mit den Fussballweltmeisterschaften ein natürliches Monopol», erklärt Ökonomieprofessor Helmut Dietl von der Uni Zürich. Das sei aber auch sinnvoll, denn es könne ja nur einen Fussballweltmeister geben. Die Fifa wird oft mit Korrupitons- und Bereicherungsvorfwürfen konfrontiert. «Der Verband muss ein Interesse an Glaubwürdigkeit und Integrität haben, um das Erfolgsprodukt Fussball nicht zu ruinieren», so der Professor in einem Interview mit der «NZZ Online» weiter.

Fifa-Gewinn muss für 4 Jahre reichen

Der Weltfussballverband vom noblen Zürichberg mag aber nicht als geldsüchtiger Dagobert oder gieriger Krake gelten: So verteidigte Sprecher Nicolas Maingot laut «Focus» die Fédération Internationale de Football Association – wie die höchste Organisation des Weltfussballs mit vollem Namen heisst. «Die Fifa deckt ihren Etat der kommenden vier Jahre zu 95 Prozent mit der WM ab». Zudem würden 75 Prozent der Einnahmen für Entwicklungsprojekte ausgegeben.

Beide Blatters gewinnen

Als geldgierig bezeichnen die Südafrikaner auch den WM-Partner Match Hospitality, der die Unterkünfte von besser verdienenden Touristen organisierte. Laut Berichten der «Zeit» soll die Firma rund einen Drittel der Übernachtungskapazitäten geblockt haben, um sie dann «last minute» mit einem riesigen Aufschlag von bis zu 1000 Prozent weiter zu verkaufen. Pikant: Auch diese Firma stammt aus der Schweiz: Sie logiert im ehemaligen Fifa-Sitz am Sonnenberg in Zürich – ganz in der Nähe des neuen Fifa-Palasts. Daneben gibt es eine noch schwergewichtigere Verbindung zum Blatter-Clan: Beteiligt an Match Hospitality ist der Zuger Sportvermarkter Infront Sports & Media, an dessen Spitze Sepp Blatters Neffe Philipp Blatter steht.

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