Sex-Arbeiterinnen protestieren: «Am Ende landen die Mädchen auf der Strasse»
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Sex-Arbeiterinnen protestieren«Am Ende landen die Mädchen auf der Strasse»

Knapp 20 Basler Prostituierte trugen am Mittwoch ihren Protest gegen die Schliessung von Rotlicht-Betrieben auf die Strasse. Sie verlangen mehr Sicherheit in ihrer Branche.

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lha/las

Prostituierte wehrten sich am Mittwoch mit einer Demonstration gegen die Schliessung von Bordellen in Basel. (Video: lb/las)

«Das stresst. Ich musste immer wieder die Stadt wechseln», klagt Vanessa. Die Sex-Arbeiterin aus Ungarn ist eine von 20 Frauen aus dem Gewerbe, die am Mittwoch in Basel gegen die Schliessung von Sex-Studios in der Stadt auf die Strasse gingen. Jetzt arbeite sie in Luzern, sagt sie. Dort sei alles viel einfacher.

Dabei möchte Vanessa gerne nach Basel zurückkehren: «Ich war eineinhalb Jahre hier. Es war sicher und viel besser als in Luzern. Doch dann wurde das Studio geschlossen», erzählt sie. Darum fordert sie zusammen mit den anderen Frauen, dass der Kanton Basel-Stadt seinen Umgang mit der Prostitution ändert und aufhört, Sex-Studios zu schliessen.

Die Frauen verlangen bewilligte und sichere Arbeitsplätze, mehr Schutz sowie regelmässige Gesundheitskontrollen, wie auf ihren Transparenten zu lesen war.

Dasein in der Halblegalität

Tatsächlich ist Basel kein einfaches Pflaster für das Sex-Gewerbe. Zwar braucht es keine ausdrückliche Erlaubnis für einen Rotlicht-Betrieb, doch seit einer Praxisänderung des Bau- und Gastgewerbeinspektorats im Jahr 2014 müssen nachträglich Umnutzungsbewilligungen eingeholt werden. Laut der «Tageswoche» haben seit 2012 in Basel 96 Salons ihre Türen geschlossen. Die Zahl der aktiven Betriebe sei seither von total 239 auf 143 gesunken. Gleichzeitig sei aber die Anzahl der Sex-Arbeiterinnen in der Stadt von 3268 (2012) auf 3400 (2017) gestiegen.

Das bereitet den Frauen Sorgen. «Die Studios gehen zu, zu, immer nur zu. Dabei sind Bewilligungen wichtig für unsere Sicherheit», sagt Vanessa resigniert. Sie wünscht sich mehr bewilligte Studios, wo die Frauen gut arbeiten könnten. Es sei nicht gut, wenn Studios die ganze Zeit auf- und gleich wieder zu gehen würden. Dafür müsse sich aber die Einstellung der Politik gegenüber dem Gewerbe ändern.

Eigentümer stellen sich quer

«Wir sind dreimal gescheitert, das Rotlicht im Dreispitz-Gewerbe-Areal menschenwürdig zu etablieren», sagt Hardy Kaiser. Für den Immobilien-Makler, der auch an der Demonstration teilnahm, ist es unverständlich, wieso die Eigentümerin, die Christoph-Merian-Stiftung, ihre Zusage verweigerte. Laut Kaiser stört sich dort niemand an den Betrieben.

Am Ende würden vor allem die Frauen darunter leiden: «Bei der Unsicherheit über das Bestehen der Studios landen die Mädchen schlussendlich auf der Strasse», sagt Kaiser. Das sei «menschenunwürdig», weil sie dort angepöbelt würden und keinen sicheren Arbeitsplatz hätten.

Kaiser wünscht sich, dass die Behörden mehr auf Vermittlung und Gespräche setzen, damit die Gewerbefreiheit auch Sexsalons in Gewerbezonen zulässt. Diese Freiheit müsse zugestanden werden.

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Prostituierte wehrten sich am Mittwoch mit einer Demonstration gegen die Schliessung von Bordellen in Basel.

Prostituierte wehrten sich am Mittwoch mit einer Demonstration gegen die Schliessung von Bordellen in Basel.

20 Minuten/las
Ein gutes Dutzend Sex-Arbeiterinnen demonstrierte für den Schutz ihrer Arbeitsplätze.

Ein gutes Dutzend Sex-Arbeiterinnen demonstrierte für den Schutz ihrer Arbeitsplätze.

20 Minuten/lb
In den letzten Jahren mussten wegen abgelehnter Umnutzungsgesuche zahlreiche Salons schliessen.

In den letzten Jahren mussten wegen abgelehnter Umnutzungsgesuche zahlreiche Salons schliessen.

20 Minuten/lb

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