Pisten-Verwechslung: Am Flughafen Belp droht Gefahr aus der Luft
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Pisten-VerwechslungAm Flughafen Belp droht Gefahr aus der Luft

Die Landung auf der Graspiste in Belp hat es in sich: Schon öfter landeten Kleinflugzeuge auf der Zufahrt statt auf der Piste. Denn sie ist schlecht markiert.

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ct
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Wüssten Sie, wo landen, wenn Sie die Freigabe für die Graspiste hätten?

Wüssten Sie, wo landen, wenn Sie die Freigabe für die Graspiste hätten?

Google Maps
Hier die Lösung. Wer auf der Piste 14 bzw. 32 aufgesetzt hat, kann danach via Taxiway zum Dock rollen.

Hier die Lösung. Wer auf der Piste 14 bzw. 32 aufgesetzt hat, kann danach via Taxiway zum Dock rollen.

Google Maps/20 Minuten

Auf dem Taxiway rollen die Flugzeuge normalerweise vor dem Abflug zur Startbahn oder nach der Landung zurück zum Dock. Was für ein Drama, wenn auf dieser Rollbahn nun plötzlich ein Flieger landet, weil er sie versehentlich für die Piste hält.

Genau das passierte am Flughafen Belp schon öfter. Die «SonntagsZeitung» berichtet von einem Fall vom August: Der Pilot sei in letzter Minute angewiesen worden, anstatt auf der asphaltierten Piste auf der parallel dazu verlaufenden Graspiste zu landen. Erst als er schon am Boden war, realisierte der Pilot, dass er statt der Piste 14 den Taxiway angeflogen hatte.

Laut den Informationen des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (Bazl) passierte dies auf dem Berner Flughafen allein 2016 bereits dreimal. In den Jahren 2008 bis 2015 passierte es derweil erst sieben Mal.

Bazl hat Rasenmähen angeordnet

Aufgrund der Häufung dieser Vorkommnisse in letzter Zeit hat das Bazl nun Massnahmen für den Flughafen Belp angeordnet – ein tödlicher Zwischenfall soll verhindert werden.

Die Flughafenbetreiber mussten nun im Auftrag des Bundesamtes die Pistenmarkierungen von eingewachsenem Gras befreien. Zudem sollen im Frühling die Ränder der Landebahn frisch und besser gekennzeichnet werden. «Die gemeinsam getroffenen Massnahmen zielen darauf ab, die Möglichkeit von Fehleinschätzungen weiter zu verringern und das Bewusstsein der Piloten zu schärfen», sagt Mathias Gantenbein, CEO des Flughafens.

Es könnte zur Kollision kommen

Solche Verwechslungen seien übrigens nichts Neues, sagt der ehemalige Swissair-Pilot Olaf Brunner gegenüber 20 Minuten. «Das ist ein Phänomen, das es schon so lange gibt, wie die Taxiways existieren», so Brunner. «Es ist einfach wichtig, dass die Pisten wirklich gut markiert sind.»

Das Verheerendste, was dabei passieren könnte, wäre eine Kollision mit einem anderen Flugzeug. «Denn für die Landung auf der Piste hat man eine Erlaubnis vom Tower und kann sich sicher sein, dass sie frei ist. Aber auf dem Taxiway könnte sich ein anderes Flugzeug befinden.»

Der Aviatik-Kenner weiss jedoch von keinen Fall aus der Schweiz, bei dem es tatsächlich einmal zu einem Zusammenstoss auf dem Taxiway gekommen ist.

Swissair-Pilot hat es selber erlebt

Übrigens gebe es solche Verwechslungen durchaus auch auf grösseren Flughäfen – auch auf asphaltierten Pisten – sagt Olaf Brunner. «Einmal sass ich vor rund 40 Jahren selber als Co-Pilot im Cockpit, als der Pilot den Taxiway ansteuerte. Ich habe mich gewundert und ihn dann darauf hingewiesen, dass die Piste hundert Meter weiter drüben sei.» Es kam aber alles gut und sie landeten auf der richtigen Piste. «Das war in Montreal – ich werde das nie mehr vergessen.»

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