St. Gallen: «Am Freitag wird es wieder passieren»
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St. Gallen«Am Freitag wird es wieder passieren»

In St. Gallen wird das Osterwochenende mit Sorge erwartet. Nach Aufrufen in den sozialen Medien rechnet man für Freitag wieder mit Ausschreitungen. Die Stadt mahnt derweil zur Ruhe.

von
Leo Butie

Solche Ausschreitungen werden kommendes Wochenende wieder befürchtet.

20min-Community

Darum gehts

  • Am 26. März kam es in der Stadt St. Gallen zu wüsten Ausschreitungen.

  • Anwohner befürchten ähnliche Szenen am kommenden Freitag.

  • Bereits jetzt wird in den sozialen Medien dazu aufgerufen.

  • Die Stadt will keine weitere Eskalation und mahnt zur Ruhe.

In St. Gallen wird das Osterwochenende mit gemischten Gefühlen erwartet. Die Erinnerungen an das letzte Wochenende sind noch frisch, als hunderte Jugendliche sich auf dem roten Platz versammelten, um eine Party zu feiern. Als die Polizei einschritt, kam es in der Folge zu wüsten Ausschreitungen und Sachbeschädigungen. Die Randalierer hinterliessen einen Sachschaden von mehreren zehntausend Franken. Zudem wurde ein Polizist verletzt und musste im Spital behandelt werden. In den sozialen Medien kursieren nun Aufrufe, sich am kommenden Freitag erneut am roten Platz einzufinden.

Anwohner, die am roten Platz leben, bereiten sich schon darauf vor. «Ich denke, dass es wieder passieren wird», sagt eine Anwohnerin zu 20 Minuten. Es werde wohl weitere solche Ausschreitungen geben. Sie werde deshalb versuchen, am Wochenende so wenig wie möglich rauszugehen.

Auch News-Scout S. R., der bereits letzten Freitag die chaotischen Szenen hautnah miterlebt hat, hat kein gutes Gefühl. «Ich habe bereits am Dienstag Aufrufe auf Snapchat gesehen», sagt der News-Scout. Darin steht, dass man sich am Freitag wieder auf dem roten Platz treffen soll. «Ich denke, es werden sogar noch mehr Jugendliche kommen», meint R. Entscheidend sei die Reaktion der Polizei. «Wenn die Polizei wieder wie am Freitag reagiert, wird das Gleiche passieren», sagt R. Doch wenn die Polizei alles absperren würde, dann würde sich die Situation wohl anders entwickeln.

Stadt mahnt zur Ruhe

In einer am Mittwoch versandten Mitteilung der Stadt St. Gallen und der Stadtpolizei wird dazu aufgerufen, Ruhe zu bewahren. «St. Gallen soll friedlich bleiben», heisst es im Communiqué im Hinblick auf das kommende Wochenende. Es solle zu keiner weiteren Eskalation kommen, wo Unbeteiligte geschädigt werden. Der Stadtrat verurteile die Gewalt aufs Schärfste. Dennoch habe man Verständnis für den Frust der Jugendlichen und die schwierige Situation für die gesamte Bevölkerung. «Wir müssen nun aber alle zusammenhalten, um gemeinsam die Krise zu überwinden. Gewalt und Sachbeschädigungen sind nicht die Lösung. Vielmehr werden damit Personen, Geschäfte oder Gastro-Betriebe geschädigt, die ebenfalls schwierige Zeiten durchmachen und für die aktuelle Situation nichts dafür können.»

Und so appelliert der Stadtrat an die Bevölkerung und insbesondere an die Jugendlichen, sich gegen die erneuten Aufrufe zu gewalttätigen Treffen zu stellen. «Die Stadtpolizei St. Gallen wird präsent sein, strafbares Verhalten verfolgen und Personen zur Anzeige bringen», heisst es weiter.

Dass Junge die sozialen Kontakte trotz Polizeipräsenz friedlich pflegen können, habe der letzte Samstag bewiesen. «Gegen 150 junge Personen trafen sich in kleinen Gruppen verteilt über den ganzen Roten Platz. Der Abend blieb friedlich und die Polizei musste nicht eingreifen», schreibt die Stadtpolizei St. Gallen. Die Plätze der Stadt dürfen und sollen im Rahmen der aktuellen Vorschriften genutzt werden. «Die Pflege der Kontakte braucht keine Gewalt.»

Gewerbler hoffen

Bei Pro City St. Gallen, der innerstädtischen Vereinigung von Detailhandelsunternehmen, verzichtet man auf eine Empfehlung für die Mitglieder, wie sie sich auf das Wochenende vorbereiten sollen. «Unsere Mitglieder sind eigenständig genug, um Entscheidungen zu treffen», sagt Ralph Bleuer, Präsident der Vereinigung Pro City St. Gallen.

Man gehe davon aus, dass die Polizei am Wochenende präsent sein wird. Ausser die Läden zu schliessen, könne man ohnehin nicht viel mehr machen. «Wir können nur hoffen, dass sich die Sache nicht wiederholt», so Bleuer.

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