Extremhitze: Am Golf sind 70 Grad im Schatten möglich

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ExtremhitzeAm Golf sind 70 Grad im Schatten möglich

Der ungebremste Ausstoss von Treibhausgasen könnte dazu führen, dass es in den Erdölstaaten am Persischen Golf unerträglich heiss wird.

von
jcg
Am Persischen Golf könnte es zu lebensbedrohlichen Hitzewellen kommen.

Am Persischen Golf könnte es zu lebensbedrohlichen Hitzewellen kommen.

US-Forscher schlagen Alarm. Wenn der Ausstoss von Treibhausgasen in ungebremstem Tempo weitergeht, so heisst es in einer neuen Studie, dann könnte es bis Ende des Jahrhunderts am Persischen Golf manchmal so heiss werden, dass der menschliche Körper es nicht mehr ertragen kann.

Wie heiss? Der Hitzeindex, der sich aus der aktuellen Temperatur und der Luftfeuchtigkeit zusammensetzt, könnte für mindestens sechs Stunden bei 74 bis 77 Grad Celsius liegen, haben die Wissenschaftler anhand zahlreicher Computersimulationen errechnet.

Unter gegenwärtigen Hitzewellen leiden vor allem ältere und kranke Menschen. Würde es aber durch den Klimawandel bis Ende des Jahrhunderts so heiss, wie in der am Montag im Journal «Nature Climate Change» veröffentlichten Studie vorhergesagt, wären auch junge und gesunde Menschen gefährdet.

«Du kannst in eine feuchte Sauna gehen und die Temperatur auf bis zu 35 Grad oder so stellen. Du kannst das für eine Weile aushalten», sagt Elfatih Eltahir vom Massachusetts Institute of Technology (MIT), einer der Autoren der Studie. Aber man solle sich einmal vorstellen, derartigen Bedingungen über einen ausgedehnten Zeitraum von sechs oder mehr Stunden ausgesetzt zu sein.

Alle zehn Jahre

Seit Beginn der Menschheit habe die Erde keine solch andauernden und extremen Kombinationen von Hitze und Luftfeuchte erlebt, betont Eltahir. Aber angesichts der einzigartigen Geografie und Klimabedingungen am Persischen Golf könnten solche Hitzewellen in Teilen der Region bis zum Jahrhundertende alle zehn Jahre oder so vorkommen, wenn die Kohlendioxid-Emissionen weiter im bisherigen Tempo zunähmen, heisst es in der Studie.

Diese Art von Hitze würde Hitzewellen wie die in Europa, die 2003 zum Tod von mehr als 70'000 Menschen führte, «wie ein erfrischendes Ereignis» erscheinen lassen, sagt Studien-Koautor Jeremy Pal von der Loyola Marymount University. Es wäre zwar weiterhin ein seltenes Vorkommnis, und Städte wie Abu Dhabi, Dubai oder Doha würden dank Klimaanlagen nicht ganz unbewohnbar werden. Aber für Menschen, die im Freien lebten und arbeiteten oder über keine Klimaanlagen verfügten, wäre es unerträglich, sagen Eltahir und Pal.

«Menschen werden sterben»

«Anfänglich war ich skeptisch. Doch die vergangene Hitzewelle im Juli in der Region des Persischen Golfs zeigt, dass die Projektionen der Klimamodelle nicht unrealistisch sind», kommentierte ETH-Klimaforscher Christoph Schär die Studie, wie der «Tages-Anzeiger» schreibt.

Howard Frumkin, Experte für öffentliche Gesundheit an der University of Washington, warnt vor den Folgen. «Wenn die Aussentemperaturen extrem hoch sind, wie in diesem Papier vorhergesagt, dann können und werden Menschen, die dem ausgesetzt sind, sterben. Die Implikationen dieser Studie für die Golfregion sind erschreckend.»

Aber es müsse nicht so weit kommen, wie Eltahir betont. Wenn die Welt künftig den Ausstoss von Treibhausgasen begrenze – sogar in der Nähe der Menge, die Länder vor der Pariser Klimakonferenz im Dezember in Aussicht gestellt hätten –, könne eine derart unerträgliche Hitze verhindert werden.

Elfatih Eltahir stellt seine Studie vor. (Video: Youtube/Massachusetts Institute of Technology (MIT)) (jcg/sda)

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