Food Waste: «Am meisten störten mich die angebissenen Äpfel»
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Food Waste«Am meisten störten mich die angebissenen Äpfel»

Ein Autofahrer hat sich kürzlich bei einer Raststätte im Kanton Uri über Food Waste geärgert: «Mich hat das traurig gemacht.»

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mme
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Ein Autofahrer hat sich kürzlich bei einer Raststätte in Uri geärgert über Food Waste. «Mich hat das traurig gemacht.»

Ein Autofahrer hat sich kürzlich bei einer Raststätte in Uri geärgert über Food Waste. «Mich hat das traurig gemacht.»

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Jedes Jahr gehen in der Schweiz rund ein Drittel aller Nahrungsmittel verloren. Das entspricht einem Verlust von etwa 300 Kilogramm pro Person und Jahr. (Symbolbild)

Jedes Jahr gehen in der Schweiz rund ein Drittel aller Nahrungsmittel verloren. Das entspricht einem Verlust von etwa 300 Kilogramm pro Person und Jahr. (Symbolbild)

AP/Stephen Groves
Im Kanton Uri will die Regierung nun gegen Food Waste vorgehen. (Symbolbild)

Im Kanton Uri will die Regierung nun gegen Food Waste vorgehen. (Symbolbild)

Mohssen Assanimoghaddam

«Jedes Jahr gehen in der Schweiz rund ein Drittel aller Nahrungsmittel verloren. Das entspricht einem

Verlust von etwa 300 Kilogramm pro Person und Jahr»: So steht es in der neuen Abfallplanung des Kantons Uri, die am Montag verabschiedet wurde.

Weiter rechnen die Behörden unter Berufung auf Zahlen des Bundesamtes für Umwelt vor: «160 Kilogramm gehen während der Herstellung und Verteilung verloren, 140 Kilogramm werden im privaten Konsum zu Hause und in der Gastronomie verschwendet.»

Ein Beispiel von Food Waste hat kürzlich ein Adligenswiler gesehen, als er in einer Raststätte in Kanton Uri einkehrte: Er postete auf der Facebookgruppe «Sorgenbriefkasten der Stadt Luzern» ein Bild von mehreren Tablaren mit Essensresten. «Mich hat das traurig gemacht. Am meisten gestört haben mich die beiden Äpfel. Man nimmt einen Bissen und wirft sie dann weg. Das ist eine Haltung, dass einem die Welt egal ist», sagt der Mann.

Kanton plant Massnahmen

Im Kanton Uri will die Regierung nun gegen Food Waste vorgehen. Sie stellt fest: «Gemäss Bundesamt wären bei der Verarbeitung von Lebensmitteln und in der Gastronomie zwei

Drittel des Food Waste vermeidbar, im Gross- und Detailhandel könnten es sogar 95 Prozent sein.» Zudem werde das grösste Vermeidungspotenzial im Bereich der Siedlungsabfälle heute im Bereich des Food Waste geortet.

«Ziel ist, die Abfallmenge zu reduzieren. Food Waste ist ein Bereich, bei dem man die Menge massiv reduzieren könnte», sagt auch Alexander Imhof, Vorsteher Amt für Umweltschutz Kanton Uri. «Konkret möchte Uri die Bevölkerung sensibilisieren, nur einzukaufen, was man auch nutzen kann; durchaus auch Produkte, die vielleicht nicht so schön anzuschauen sind, aber mit denen man ebenfalls feine Speisen zubereiten kann.» Um die Sensibilität hier zu wecken, seien zum Beispiel Aktionen in Altdorf angedacht.

Im Bereich Gastronomie hat Joe Herger konkrete Tipps an Gäste und Gastronomen. Er ist Präsident des Verbandes Gastrouri und führt das Hotel Krone in Attinghausen UR. «Ein wichtiger Punkt sind natürlich die Portionengrössen. Es ist für Gastronomen aber nicht immer einfach, die richtige Grösse zu wählen, denn unsere vielen unterschiedlichen Gäste haben ganz unterschiedliche Ansprüche.»

Halbe Portionen im Restaurant

Deshalb sei es sinnvoll, halbe Portionen im Angebot zu haben, «zu einem fairen Preis». Er ermuntert auch Gäste, gezielt nach halben Portionen zu fragen, auch wenn diese vielleicht nicht in der regulären Karte aufgeführt seien. Weiterer Tipp des Gastroprofis: «Kürzlich hatten wir einen Gast, der nicht seine ganze Portion essen mochte. Er nahm den Rest mit nach Hause.» Es sei wichtig, dass Wirte dies ihren Gästen ermöglichen würden.

Zudem sei es auch im Einkauf wichtig, Food Waste zu verringern. Gut sei es, mit regionalen Produzenten zu arbeiten. «Wir haben in unserem Betrieb das Glück, dass einer unserer Lebensmittellieferanten nur fünf Minuten von unserem Hotel entfernt ist. Da muss ich keine Wocheneinkäufe machen, sondern kann nach Bedarf in kürzeren Abständen bestellen.»

Eigentlich sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass Wirte ihre Kalkulation im Griff haben, aber dies sei in der Realität nicht immer so. Dabei gibt der Gastro-Präsident zu Bedenken: «Alle Lebensmittel, die weggeworfen werden, sind auch weggeworfenes Geld. Food Waste zu vermeiden muss also im Sinne der Gastronomen sein.»

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