25.10.2019 18:57

Bettwanzen in neuen Möbeln?«Am Morgen waren wir voller roter Flecken»

Eine Mutter aus Genf wirft einem Möbelverkäufer vor, ihr Möbel geliefert zu haben, die mit Bettwanzen kontaminiert waren. Der streitet dies jedoch ab.

von
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Bettwanzen befielen eine Genfer Familie.

Bettwanzen befielen eine Genfer Familie.

Enrico Gastaldello/Tribune de Genève
So sehen die Insekten aus.

So sehen die Insekten aus.

«Es ist ein Albtraum», sagt Laura* zur «Tribune de Genève». Seit über einem Monat versucht die zweifache Mutter, ihre Wohnung von Bettwanzen zu befreien. Die Insekten hinterliessen auf ihrem Körper Spuren, die über Wochen nicht verheilten. Ihre Arme, ihr Gesicht, ihre Hände sowie ihre Beine und ihr Rücken waren voller roter Punkte. Auch ihre Töchter – vier und zwölf Jahre alt – wurden Opfer der Insekten.

Überträger seien die neuen Möbel, die von einem Genfer Möbelverkäufer geliefert worden seien, so die Mutter. Anfang September erhielt die Familie einen Kleiderschrank, einen Esstisch, einen Schreibtisch, Bettwäsche und ein Schlafsofa. «Am Abend schliefen meine älteste Tochter und ich auf dem neuen Sofa. Am nächsten Morgen waren wir voller roter Flecken. Es juckte sehr. Ich dachte zuerst an eine Nahrungsmittelallergie.»

Attest: «Infektion durch Bettwanzen»

Am nächsten Abend schlief auch ihre jüngere Tochter bei ihnen auf dem Schlafsofa. Alle drei wiesen daraufhin Bisse auf. Ein Arzt attestierte daraufhin eine «sehr wahrscheinliche Familien-Infektion durch Bettwanzen». Die Familie schlief in der folgenden Nacht auf zwei Matratzen auf dem Boden im einzigen Raum der Wohnung.

Eine Woche später bestätigte eine Überprüfung durch spezialisierte Hunde, dass das neue Sofa und die Matratzen auf dem Boden kontaminiert sind. Seither wurde die Wohnung zweimal desinfiziert und die beiden Matratzen wurden weggeworfen. Die Mutter möchte jedoch auch die neuen Möbel loswerden: «Sie ekeln mich an. Ich möchte, dass der Laden sie abholt. Durch die neuen Möbel wurde meine Wohnung kontaminiert. Das geht mir an die Psyche. Ich habe den Eindruck, dass überall Wanzen sind.»

«Es waren neue, verpackte Möbel»

Laura gibt gegenüber der «Tribune de Genève» an, dass sie traumatisiert sei. Sie wünsche keinen Umtausch, sondern die volle Rückerstattung des Sofas im Wert von 699 Franken sowie die Übernahme der Desinfektionskosten in Höhe von 1552 Franken. Die Familie könne sich diese Kosten nicht leisten.

Das Möbelhaus lehnt die Übernahme der Kosten und die Rückerstattung jedoch ab. In einem Mail an die Zeitung heisst es: «Es ist undenkbar, dass der Überfall dieser Schädlinge mit unseren Artikeln zusammenhängt, da es sich um neue und verpackte Möbel handelte.» Es sei der einzige Fall, der an das Unternehmen herangetragen worden sei, obwohl seine Teams täglich grosse Mengen an Lieferungen durchführen würden. Weiter heisst es: «Wir hoffen, dass der Kunde die Quelle seines Befalls schnell identifiziert.»

Schwer zu beweisen

Welche Rechte hat ein Kunde, falls die Bettwanzen tatsächlich vom Möbelverkäufer stammen sollten? «Im Rahmen eines Kaufvertrages bietet das Schweizer Recht bei Mängeln ein Garantiesystem an», sagt Valérie Muster, Anwältin beim Westschweizer Verbraucherverband. «Die Lieferung von neuen Möbelstücks mit Bettwanzen stellt einen schwerwiegenden Mangel dar. Der Verkäufer müsste sich selbst dann verantworten, wenn er nichts über den Mangel wusste.» Ein Käufer sollte eine Ware gleich bei Anlieferung kontrollieren und Mängel dem Verkäufer sofort melden. Falls der Verkäufer nichts unternehme, müsste ein Sachverständiger hinzugezogen werden. Der Käufer sollte ein Schreiben aufsetzen, in dem er dem Verkäufer von dem Mangel berichtet und ihm eine Frist zum Handeln ansetzt.

Die Anwältin weist jedoch darauf hin, dass nachgewiesen werden müsste, dass die Wohnung erst nach der Übergabe der Möbel kontaminiert wurde. Dies ist jedoch in vielen Fällen schwierig.

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