Aktualisiert 22.07.2019 08:27

Treffen von Ex-Abhängigen

«Am Platzspitz waren ferngesteuerte Zombies»

Der Zürcher Platzspitz hat einen grossen Wandel hinter sich. Eine ehemalige Drogenabhängige erzählt von ihrer Sucht.

von
tam
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Laura hat ihre eigene Platzspitz-Geschichte: Sie konsumierte dort vor zehn Jahren Alkohol.

Laura hat ihre eigene Platzspitz-Geschichte: Sie konsumierte dort vor zehn Jahren Alkohol.

Thomas Mathis
Von 1986 bis 1992 war der Platzspitzpark hinter dem Zürcher Hauptbahnhof Treffpunkt ...

Von 1986 bis 1992 war der Platzspitzpark hinter dem Zürcher Hauptbahnhof Treffpunkt ...

Keystone/Martin Ruetschi
... von Drogensüchtigen aus halb Europa. Der «Needle Park» erlangte weltweit Bekanntheit.

... von Drogensüchtigen aus halb Europa. Der «Needle Park» erlangte weltweit Bekanntheit.

Keystone

Mit ihrem Sohn im Kinderwagen und einer Flasche Alkohol in der Hand – so war Laura* (33) vor zehn Jahren am ­Zürcher Platzspitz unterwegs. Das ist ihre persönliche Platzspitz-Geschichte. International bekannt sind aber die ­Zustände in den 90er-Jahren mit der ­offenen Drogenszene. Laura kennt die Bilder und kann nachfühlen: «Das ­waren ferngesteuerte Zombies – eine Hölle.» Sie hat selbst erlebt, wie sich der Zwang anfühlt.

Doch seit sieben Jahren konsumiert sie weder Drogen noch Alkohol. Das verbindet sie mit rund 1400 anderen Ex-Drogenabhängigen aus der ganzen Welt, die sich am ­Wochenende auf dem Platzspitz ­getroffen haben. Das Treffen fand im Rahmen der jährlichen Zusammenkunft der «Narcotics Anonymous» statt.

«Ich hatte oft ungeschützten Geschlechtsverkehr»

Laura findet es bedenklich, wie gleichgültig den Abhängigen der eigene Körper war – dass etwa Nadeln vom ­Boden wiederverwendet wurden. Dieses Gefühl der Gleichgültigkeit kennt sie aber: «Ich hatte oft ungeschützten Geschlechtsverkehr, in der Öffentlichkeit lautstark geflucht und auch Substanzen konsumiert, die ich nicht kannte», sagt die Mutter. Angefangen mit der Sucht hat es bei ihr im Alter von 13 Jahren. Zuerst war es Alkohol und Cannabis. Dann kamen Ecstasy, Kokain und auch Heroin dazu. Mit einem Entzug kam sie später von Heroin weg.

Den Ausstieg schaffte sie mithilfe von «Narcotics Anonymous», an die sie sich in ihrer Verzweiflung und Todesangst wandte – auch zum Schutz ihres Sohnes. Deshalb sei es so schön, dass Gleichgesinnte an den Ort kommen, an dem sie ihre Sucht auslebte. «Ohne die gegenseitige Unterstützung hätte ich es nicht geschafft.» Der Wandel des Platzspitz sei wie ein Sinnbild für ihr eigener Wandel. «Früher war hier alles tot, jetzt ist der Park mit Leben gefüllt.»

*Name der Redaktion bekannt

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