Am Rande des Bürgerkriegs: Wieder Anschlag im Irak
Aktualisiert

Am Rande des Bürgerkriegs: Wieder Anschlag im Irak

Bei einem neuerlichen Selbstmordanschlag im Irak sind am Dienstag mindestens 59 Menschen getötet worden. Der Anschlag in Kufa, südlich von Bagdad, forderte mehr als 130 Verletzte.

Der Attentäter sprengte seinen Kleinbus auf einem Markt in der überwiegend von Schiiten bewohnten Stadt Kufa in die Luft. Es war einer der schwersten Anschläge in diesem Jahr im Irak. Nach der Tat kam es laut Augenzeugen zu Auseinandersetzungen zwischen Anwohnern und der Polizei.

Inmitten von Schutt und umherliegenden, mit Blut getränkten Kleidungsstücken habe eine Menge «Ihr seid Verräter», «Ihr macht eure Arbeit nicht» oder «Amerikanische Agenten» gerufen. Die Passanten seien auf die Polizisten losgegangen.

Die Einsatzkräfte schossen in die Luft, um die Menge zu vertreiben. Politiker machten Anhänger der Baath-Partei und Terroristen aus Mahmudija für den Anschlag verantwortlich. Im nahe der Hauptstadt Bagdad gelegenen Mahmudija waren erst am Montag 50 Menschen getötet worden.

Sprengsatz in Kleinbus

Der Sprengsatz war in einem mit Arbeitern besetzten Kleinbus versteckt und wurde gezündet, als das Fahrzeug vom Marktplatz abfuhr. «Ein Mann, der einen Transporter fuhr, kam und sagte: 'Ich brauche Arbeiter'», berichtete der Augenzeuge Nassir Faisal. «Als die Arbeiter eingestiegen waren, hat er die Bombe gezündet.»

Der Sprengsatz detonierte in einem Abstand von etwa 50 bis 100 Metern zu einem schiitischen Schrein. Auch viele Umherstehende wurden in den Tod gerissen. Ärzte berichteten, es seien 59 Leichen in die Spitäler der nahe gelegenen Städte Nadschaf und Kuf gebracht worden. 132 Menschen seien verletzt worden.

Sechs Autos und zwei Restaurants wurden durch die Explosion zerstört. Ministerpräsident Nuri al-Maliki, selbst ein Schiit, versicherte, die Hintermänner der Tat zu finden und zu bestrafen.

Weitere Tote

Auch in anderen Teilen des Iraks kam es am Dienstag wieder zu Anschlägen und Schiessereien. Bei einem Bombenanschlag auf die Polizei im Nordirak wurden acht Menschen getötet. Drei weitere Menschen wurden in der Region von Kirkuk verletzt.

Mindestens 5 Iraker wurden bei Kämpfen mit britischen Soldaten in der südirakischen Stadt Basra getötet. 15 Iraker seien verletzt worden, als sich bewaffnete Gruppen und Briten im Zentrum der Stadt Gefechte lieferten, hiess es aus Sicherheitskreisen. Ein Sprecher der britischen Truppen bestätigte die Kämpfe.

Am Rand eines Bürgerkriegs

Die ständigen Anschläge und Gefechte, aber vor allem die Auseinandersetzungen zwischen Schiiten und Sunniten treiben den Irak an den Rand eines Bürgerkriegs. Ein von der Regierung vorgelegter nationaler Versöhnungsplan hat bislang kaum Besserung gebracht.

Präsident Dschalal Talabani forderte schiitische und sunnitische Geistliche auf, die Gewalt zu verurteilen. Die anhaltenden Anschläge zielten darauf ab, ein Klima des Misstrauens zwischen den Irakern zu schaffen, sagte er. (sda)

Deine Meinung