Guggital: «Am schlimmsten ist die Ungewissheit»
Aktualisiert

Guggital«Am schlimmsten ist die Ungewissheit»

Acht Schafe hat ein Wolf im Kanton Uri gerissen, acht weitere werden vermisst. Die betroffenen Hirten wollen nun Massnahmen ergreifen.

von
gwa/sda
Nach Angaben eines Leser-Reporters war eines der Schafe sofort tot, sieben weitere mussten erlöst werden.

Nach Angaben eines Leser-Reporters war eines der Schafe sofort tot, sieben weitere mussten erlöst werden.

Leser-Reporter

«Es ist ein grausamer Anblick, der sich einem in einer solchen Situation bietet», sagt ein Leser-Reporter aus dem Kanton Uri. Der Mann ist Schafhirte und besitzt eigene Tiere. Gemeinsam mit einem weiteren Schafbesitzer kümmert er sich um die Schafe, die im Gebiet Guggital/Geisberg im Kanton Uri auf der Alp weiden. In den letzten Tagen hatte dort ein Wolf mehrere Schafe angegriffen. «Ein Schaf war bereits tot, die anderen sieben teilweise schwer verletzt», so der Hirte. Die übrigen Schafe seien verängstigt und scheu geworden. «Zuvor waren sie viel zutraulicher.»

Gebiet zu gross für Einzäungung

Die angegriffenen Tiere seien in einem desolaten Zustand gewesen, die Wunden waren dreckig und mit Maden übersät. Insgesamt sieben Schafe der beiden Besitzer habe man erlösen müssen, drei weitere seien verletzt worden. «Acht Schafe vermissen wir momentan noch», so der Mann. In den vergangenen zwei Tagen habe er jeweils bis zu zwölf Stunden nach den vermissten Schafen gesucht. «Am schlimmsten ist die Ungewissheit. Wir wissen nicht, ob die Tiere tot sind oder irgendwo verletzt im Gebüsch sind.»

Laut dem Mann ist es schwierig, im Gebiet Herdenschutzmassnahmen zu installieren. Die Schafherde mit einem permanenten Zaun zu schützen sei nicht möglich: «Dafür ist das Gebiet schlichtweg zu gross.» Zudem habe es Felsbänder und Schneefelder. Auch sei es mühsam und schwierig, die Tiere jeweils über Nacht einzuzäunen. Denn: Bis der Hirte vom Tal auf der Alp ist, dauert es rund zwei Stunden. Danach müsste man zuerst die Tiere suchen und anschliessend hinter dem Zaun zusammentreiben. «Inklusive Hin- und Rückweg dauert das fast einen halben Tag. Das geht einfach nicht.»

Unklar, um welchen Wolf es sich handelt

Ohne Wolf in der Nähe hätte der Hirte ruhigere Nächte: «Glücklicherweise bewegt er sich momentan weg. Aber der kann schon morgen wieder zurück sein. Wir werden unsere Schafe schützen müssen», sagt er. Wie die Tiere im betroffenen Gebiet besser geschützt werden können, wird er am Montag mit einem für Herdenschutz zuständigen Vertreter des Kantons vor Ort untersuchen. Dies wird derzeit im Kanton Uri auch auf anderen Bergweiden gemacht: Auf 64 Alpen weiden im Schnitt über 15'200 Schafe, aber nur rund ein Drittel der Schafherden im Kanton, die den Sommer auf Alpen verbringen, sind sicher. Deshalb hat der Kanton im Frühjahr bekannt gegeben, dass er die Herdenbesitzer bei der Umsetzung von Schutzmassnahmen unterstützen will.

Ob es sich beim «Täter» um den Wolf handelt, der Ende April in der Gemeinde Seelisberg in eine Fotofalle getappt war, oder um jenen, der bereits im Mai im Isenthal mehrere Schafe gerissen und verletzt hatte, weiss man laut dem Erstfelder Wildhüter Peter Indergand noch nicht. Der in Seelisberg gesichtete Wolf ist männlich und stammt aus Italien, wie eine DNA-Analyse ergab. Das Tier wurde vorher noch nie in der Schweiz nachgewiesen. Er erhielt die Bezeichnung M68.

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