Airbus-Notwasserung: Am Schluss machte der Pilot einen Kontrollgang
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Airbus-NotwasserungAm Schluss machte der Pilot einen Kontrollgang

Chesley «Sully» Sullenberger heisst der Held vom Hudson. Er hat etwas vollbracht, was nur den wenigsten Airline-Piloten gelingt: eine Notwasserung ohne Tote. Kollegen schildern Sullenberger als professionell und sehr cool. Das sinkende Flugzeug verliess er erst nach einer Kontrollrunde.

Der Held von New York heisst ohne Zweifel Captain Chesley B. Sullenberger III. Der Pilot legte eine Notwasserung wie aus dem Bilderbuch hin, umflog vorher sämtliche Wolkenkratzer, streifte weder Brücken noch Schiffe und ging – nach vollbrachter Tat - zwei Mal hintereinander durch die Sitzreihen des leeren Flugzeuges, das bereits zu sinken begann. Er wollte sicher stellen, dass wirklich niemand zurückgeblieben war.

Bürgermeister Bloomberg: «Eine Meisterleistung»

Chesley Sullenberger III, den alle nur «Sully» nennen, scheint die Kaltblütigkeit in Person zu sein. Der ehemalige Kampfpilot der US-Luftwaffe wird von Kollegen als ein Profi geschildert, der in jeder Situation einen klaren Kopf bewahre. Rick Kurner, wie Sullenberger Pilot bei den US Airways, sagt im Wall Street Journal über Sullenberger: «Er war immer schon unglaublich professionell.» Ihn habe nicht erstaunt, dass ausgerechnet Sullenberger eine solch vorbildliche Notwasserung gelungen sei.

Auch New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg, selbst ein erfahrener Pilot, lobte Sullenberger: «Es sieht so aus, als ob der Pilot mit der Landung im Fluss eine Meisterleistung vollbracht und dann sichergestellt hat, dass alle rauskommen.» Der New Yorker Gouverneur David Patterson sprach von einem «Wunder auf dem Hudson».

Fähren eilten sofort herbei

Fähren und Boote der Polizei und Küstenwache waren nach dem Aufprall auf dem Hudson River sofort zu dem Flugzeug geeilt, das bei Temperaturen um minus sieben Grad Celsius bis zu den Fenstern in die Fluten eintauchte. Die meisten Passagiere konnten sich über die Notausstiege auf die Tragflächen retten und wurden von den Booten aufgenommen. Ein Passagier brach sich beide Beine, Ersthelfer behandelten nach Angaben der Rettungsdienste 78 Personen mit meist leichteren Verletzungen. Das Drama spielte sich vor der Kulisse der New Yorker Bürotürme ab.

Ein Sprecher der Fluglotsenvereinigung, Doug Church, sagte, der Pilot habe kurz nach dem Start auf dem New Yorker Flughafen LaGuardia einen «doppelten Vogelschlag» gemeldet. Bloomberg sagte, er habe mit dem Piloten gesprochen und dem Passagier, der nach eigenen Angaben als Letzter aus der Flugzeug geholt worden sei. Einige Passagiere hätten von Tauchern geborgen werden müssen.

«Wir sollten uns auf einen Aufprall vorbereiten»

Der Passagier Jeff Kolodjay sagte, er habe zwei oder drei Minuten nach dem Start eine Explosion gehört und von seinem Fenster aus gesehen, dass ein Triebwerk brannte. «Der Captain sagte, wir sollten uns auf einen Aufprall vorbereiten, weil wir runter gingen», berichtete er. Alle hätten sich geduckt und gebetet. Das Flugzeug sei ziemlich hart auf dem Wasser aufgeprallt, aber alles sei in Ordnung gewesen. «Es war heftig. Man muss es dem Piloten zugute halten: Er hat eine höllisch gute Landung gemacht.»

Joe Hart, der ebenfalls in der Maschine sass, sprach von einer phänomenalen Leistung des Piloten. Der Aufprall sei «nicht viel härter als bei einem Auffahrunfall» mit dem Auto gewesen.

Auch Augenzeugen ausserhalb des Flugzeugs berichteten, der Pilot habe die Maschine augenscheinlich kontrolliert auf dem Wasser aufgesetzt. US-Airways-Chef Doug Parker bestätigte, dass an Bord des Flugzeugs 150 Passagiere, drei Flugbegleiter und zwei Piloten waren.

Laut Bundespolizei FBI gab es keine Anzeichen für einen Terroranschlag. Auch das Heimatschutzministerium ging nicht von einem Anschlag aus.

Nach Angaben der US-Luftaufsichtsbehörde FAA wurden in den USA zwischen 1990 und 2005 rund 65.000 Zwischenfälle mit Vogelschlag gemeldet - etwa einer auf 10.000 Flüge. «Sie würgen buchstäblich das Triebwerk ab und es fällt aus», sagte ein pensionierter Delta-Airlines-Pilot, Joe Mazzone. Fluglotsen wiesen Piloten regelmässig auf Vögel in ihrer Flugbahn hin.

Die Maschine mit der Flugnummer 1549 war auf dem Flughafen LaGuardia mit dem Ziel Charlotte in North Carolina gestartet. Die Absturzstelle befand sich in der Nähe der 48. Strasse in Manhattan.

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«Ich war fassungslos»

Die Frau des Piloten Sullenberger war vollkommen betäubt, als sie von dem Unfall hörte. Ihr Mann habe immer erklärt, es sei sehr selten, dass ein Pilot einen schlimmen Unfall erlebe. Deshalb sei sie völlig fassungslos gewesen, als sie hörte, was passiert sei, sagte Lori Sullenberger aus Danville in Kalifornien nach Angaben des US-Senders CNN. Sie habe am Donnerstag keine Nachrichten gehört. Ihr Mann Chesley habe sie angerufen und gesagt: «Es hat einen Unfall gegeben.» Sie habe dabei an eine Nebensächlichkeit gedacht. «Aber dann hat er mir die Umstände erklärt, und ich habe angefangen zu zittern. Ich hab meine Tochter sofort aus der Schule abgeholt.» (sda)

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