Teilzeitarbeitende: «Am Schluss will ich gelebt haben»

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Teilzeitarbeitende«Am Schluss will ich gelebt haben»

Junge Menschen ziehen es vermehrt vor, trotz guter Ausbildung Teilzeit zu arbeiten. Sie wollen nicht mehr alles dem Job unterordnen. Fünf Teilzeitarbeitende erzählen, weshalb sie bewusst auf einen höheren Lohn verzichten.

von
Marino Walser
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Die Generation Z will nicht alles dem Job unterordnen. Deshalb arbeiten junge Erwachsene, trotz guter Ausbildung, vermehrt Teilzeit. 

Die Generation Z will nicht alles dem Job unterordnen. Deshalb arbeiten junge Erwachsene, trotz guter Ausbildung, vermehrt Teilzeit. 

20min/Celia Nogler
So auch Gregory Wenger aus dem Kanton Basel-Landschaft. «Ich bin der Meinung, dass die allgemeine Arbeitszeit reduziert werden sollte. Die Prozesse werden ständig effizienter und die Digitalisierung schreitet immer weiter voran. Das logische Resultat wäre eigentlich, dass jeder weniger arbeiten müsste.»

So auch Gregory Wenger aus dem Kanton Basel-Landschaft. «Ich bin der Meinung, dass die allgemeine Arbeitszeit reduziert werden sollte. Die Prozesse werden ständig effizienter und die Digitalisierung schreitet immer weiter voran. Das logische Resultat wäre eigentlich, dass jeder weniger arbeiten müsste.»

privat
Die Work-Life-Balance hat bei jungen Erwachsenen einen höheren Stellenwert als bei älteren Generationen. Fünf junge Menschen erzählen, weshalb.

Die Work-Life-Balance hat bei jungen Erwachsenen einen höheren Stellenwert als bei älteren Generationen. Fünf junge Menschen erzählen, weshalb.

20min/Celia Nogler

Darum gehts

  • Der Generation Z bedeutet mehr Zeit für Familie und Freunde mehr als ein hoher Lohn. 

  • Die Work-Life-Balance hat bei jungen Erwachsenen einen höheren Stellenwert als bei älteren Generationen.

  • Fünf Menschen erzählen, weshalb sie bewusst Teilzeit arbeiten und welches die Vorteile sind.

Anstatt viel Energie und Arbeitsstunden für einen hohen Lohn zu investieren, ziehen es junge Menschen mit guter Ausbildung vor, Teilzeit zu arbeiten. Sie nutzen die Zeit lieber für die Familie, Freunde, Hobbys oder auch Weiterbildungen. Die Work-Life-Balance hat bei ihnen einen hohen Stellenwert. Fünf junge Menschen erzählen, weshalb.

Gregory Wenger (32), «Dank effizienteren Prozessen weniger arbeiten»
«Ich habe einen Master in Informatik der Uni Zürich und arbeite 90 Prozent als Softwareingenieur. Ich bin der Meinung, dass die allgemeine Arbeitszeit reduziert werden sollte. Die Prozesse werden ständig effizienter und die Digitalisierung schreitet immer weiter voran. Das logische Resultat wäre eigentlich, dass jeder weniger arbeiten müsste. Leider profitieren aber nur wenige von diesem Leistungsgewinn und die grosse Mehrheit verliert real Geld durch steigende Inflation und steigende Wohnkosten. Ausserdem: Wer viel arbeitet, hat mehr gesundheitliche Probleme, welche am Schluss mehr kosten, als der niedrigere Lohn.»

Abdi Salim (31), «Am Schluss will ich gelebt haben»
«Ich kann mir nicht mehr vorstellen, Vollzeit zu arbeiten. Das Leben besteht nicht nur aus Arbeit und Schlaf. Bei einem Vollzeitpensum findet man kaum Zeit für sich selbst, Freunde und Familie. Bei einem hohen Stundenlohn reicht es mir völlig aus, 80 Prozent zu arbeiten. Ich überlege mir, gar auf 50 Prozent zu reduzieren. Geld ist eben nicht alles, Karriere ist kein Muss. Am Schluss will ich gelebt haben und nicht nur existiert. Wann soll ich denn mit einem Vollzeitpensum überhaupt das Leben geniessen können? In den jungen Jahren sollte man doch die Welt erkunden und tun, was einem Freude bereitet. Natürlich nicht nur – die Arbeit gehört dazu. Jedoch sicher nicht überwiegend. Und es erstaunt mich nicht, wenn die Generation Z das auch so sieht, irgendwann musste das kommen.»

L.S., weiblich, «Verstehe nicht, wieso alle über Teilzeitarbeitende jammern»
«Ich arbeite bewusst 80 Prozent, um immer wieder einmal für eine Weiterbildung Zeit zu haben. Ebenfalls sollen Familie und Freunde nicht zu kurz kommen. Ausserdem: Wie man längst weiss, arbeiten Teilzeit-Angestellte effizienter und kosten den Arbeitgeber vergleichsweise weniger für die erbrachte Arbeit. Ich verstehe also wirklich nicht, wieso alle über Teilzeitarbeitende jammern. Wenn ich mich umsehe, fallen mir Vollzeitarbeitnehmende auf, die zusätzlich noch ein politisches Amt auf Arbeitszeit ausüben, sonstige Zusatzaufgaben annehmen, aber ihre Leistung dann nicht bringen. Ich fände es ehrlicher, dies zu trennen und dafür Teilzeit zu arbeiten. Von Vergünstigungen des Staates profitiere ich nicht. Die günstige Wohnung einer Stiftung habe ich nach dem Studium aufgegeben, um anderen Platz zu machen. Da der Wohnraum in der Stadt teurer ist, bin ich aufs Land gezogen.»

Nora (30), «Um mein Bestes zu geben, benötige ich genügend Erholung»
«Ich arbeite als Sozialpädagogin in einem Kinder- und Jugendheim. Wir haben Schichten, die bis zu 30 Stunden Anwesenheitszeit beanspruchen. Damit ich mein Bestes geben kann, benötige ich genügend Erholung. Deshalb arbeite ich 80 Prozent. Auch, weil der Lohn immer noch stimmt. Lieber weniger Geld, dafür mehr Freizeit.»

Weshalb arbeitest du Teilzeit?

B.R., weiblich, «Ich profitiere zwar nicht von Steuerentlastungen, aber es stimmt für mich»
«In meinem jetzigen Traumjob verdiene ich auch mit einer 80-Prozent-Anstellung genug, um mir einen guten Lebensunterhalt zu finanzieren. Es reicht sogar für die jährliche, maximale steuerfreie Einzahlung in die Säule 3A. Ich profitiere zwar nicht von sonstigen Steuerentlastungen, aber für mich stimmt es. Meinen zusätzlichen freien Tag verbringe ich entweder mit meinem Göttibueb, für Engagements in einem Verein oder auch einfach nur für mich. Weiter kann ich wiederkehrende Arzttermine, die ich ansonsten während der Arbeitszeit wahrnehmen müsste, auf den freien Tag legen. So bin ich an meinen Arbeitstagen viel ausgeglichener und kann meiner Arbeit mit freiem Kopf nachgehen.»

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