Aktualisiert 27.03.2013 20:19

Raffaele Sollecito

Amanda Knox' Ex will in die Schweiz ziehen

Der Ex-Freund von Amanda Knox und Mitangeklagte Raffaele Sollecito will sich offenbar in Lugano niederlassen. Schutz vor der italienischen Justiz kann ihm die Schweiz aber nicht garantieren.

von
kri

Das muss ein trauriger Geburtstag gewesen sein: Raffaele Sollecito vollendete just an jenem Tag das 29. Lebensjahr, als das Kassationsgericht in Rom seinen Freispruch im Mordfall Meredith Kercher aufhob. Über einen seiner Anwälte liess er ausrichten, er sei unschuldig und werde weiter «mit erhobenem Haupt» durchs Leben gehen. Der Gerichtsbeschluss bringt Sollecitos Zukunftspläne durcheinander: Er hat konkrete Pläne, in die Schweiz umzusiedeln.

Das zumindest behauptet seine Freundin Maria, mit der er in Verona ein Apartment bewohnt. Einem Reporter der Nachrichtensendung «TG1» gelang es am Dienstag, über die Gegensprechanlage mit ihr zu sprechen. Raffaele gehe es sehr schlecht, er habe sich zurückgezogen und rede mit niemandem, sagte sie. Auf die weiteren Pläne des Paars angesprochen, überraschte sie mit der Ankündigung: «Wir ziehen nach Lugano, wir haben eine Wohnung gemietet und werden dort leben.»

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Schweiz ist an Auslieferungsabkommen gebunden

Das Tessiner Nachrichtenportal tio/20 minuti entdeckte am Dienstag bereits Hinweise, wo in Lugano Sollecito seine Zelte aufschlagen könnte: An der Via Aldesago 135. Laut Handelsregister ist dort die Firma Experience Teller Media & Web Management SA domiziliert, die Sollecito Anfang März übernommen hat. Der Geschäftszweck klingt nach einer Autoren- und Verlagsagentur, was mit der Vermarktung seines Buchs «Honor Bound: My Journey to Hell and Back with Amanda Knox» («Ein Frage der Ehre: Meine Reise in die Hölle und zurück mit Amanda Knox») in Verbindung stehen könnte.

Sollecito ist als Angeklagter nicht verpflichtet, während des Prozesses in Italien zu bleiben, wie seine Anwältin Giulia Bongiorno gegenüber tio/20 minuti festhielt. Vor den Konsequenzen einer erneuten Verurteilung könnte ihn allerdings die Schweiz nicht bewahren. Das Bundesamt für Justiz (BJ) bestätigt gegenüber 20 Minuten, dass die Schweiz aufgrund des Europäischen Auslieferungsübereinkommens zur Auslieferung an Italien verpflichtet ist, wenn die Bedingungen erfüllt sind: «Die Person darf nicht Schweizer Staatsbürger sein, seine Tat muss sowohl in der Schweiz als auch in Italien strafbar und nicht verjährt sein sowie mit mindestens einem Jahr Freiheitsstrafe oder einer freiheitsentziehenden Massnahme geahndet werden», sagt Mediensprecher Folco Galli.

Bessere Aussichten in den USA

Ob diese Voraussetzungen erfüllt sind, könne erst nach einer vertieften Prüfung gesagt werden, betont das BJ. Während eines Auslieferungsverfahrens wird die verfolgte Person in der Regel in Haft genommen. Gegen einen Auslieferungsentscheid des BJ ist die Beschwerde ans Bundesstrafgericht und in Ausnahmefällen sogar ans Bundesgericht möglich.

Unter diesen Umständen könnten die USA eine bessere Variante sein: Rechtsexperten sind sich weitgehend einig, dass eine Auslieferung von Amanda Knox an Italien sehr unwahrscheinlich ist. Zwar ist Sollecito nicht amerikanischer Staatsbürger. Doch den US-Behörden dürfte es schwerfallen zu begründen, warum sie den einen Verurteilten ausliefern, die andere hingegen nicht.

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