Aktualisiert 18.05.2016 14:56

Verhör ohne Anwalt

Amanda Knox verklagt Italien in Strassburg

Vor rund einem Jahr wurde die Amerikanerin vom Vorwurf des Mordes im Fall Meredith Kercher freigesprochen. Nun klagt sie, die Behörden hätten ihre Rechte verletzt.

von
mch
1 / 4
Das Verfahren gegen sie sei nicht rechtskonform abgelaufen: Amanda Knox in einem Exklusivinterview mit ABC. (31. Januar 2014)

Das Verfahren gegen sie sei nicht rechtskonform abgelaufen: Amanda Knox in einem Exklusivinterview mit ABC. (31. Januar 2014)

Keystone/Handout
Knox und ihrem Ex-Freund Raffaele Sollecito war vorgeworfen worden, die britische Studentin Meredith Kercher getötet zu haben: Knox nach einer Gerichtsverhandlung. (2. November 2007)

Knox und ihrem Ex-Freund Raffaele Sollecito war vorgeworfen worden, die britische Studentin Meredith Kercher getötet zu haben: Knox nach einer Gerichtsverhandlung. (2. November 2007)

Keystone/Stefano Medici
Sollecito und Knox wurden 2009 zu langen Haftstrafen verurteilt, dann aber 2011 freigesprochen: Knox nach einer Gerichtsverhandlung. (16. September 2008)

Sollecito und Knox wurden 2009 zu langen Haftstrafen verurteilt, dann aber 2011 freigesprochen: Knox nach einer Gerichtsverhandlung. (16. September 2008)

Keystone/Antonio Calanni

Über ein Jahr nach ihrem Freispruch in einem nie aufgeklärten Mordfall in Perugia zieht die US-Amerikanerin Amanda Knox gegen Italien vor Gericht. Die 28-Jährige hat beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Strassburg eine Klage eingereicht, wie italienische Medien berichten.

Knox klagt, dass sie in der Nacht auf den 6. November 2007 nach ihrer Festnahme 15 Stunden lang von der Polizei ohne Anwalt vernommen worden sei. Obwohl ihre Aussagen wegen der Abwesenheit eines Verteidigers nicht rechtskonform gewesen seien, seien diese gegen sie vor Gericht verwendet worden.

Zeit für Verteidigungsschreiben

Bei der Einvernahme hatte Knox den kongolesischen Barmann Patrick Lumumba des Mordes beschuldigt und war deswegen wegen Verleumdung verurteilt worden. «Ich habe mir die Ohren zugehalten, während er sie umgebracht hat», hatte Knox vor Gericht ausgesagt. Später stellte sich heraus, dass Lumumba ein Alibi hatte und unschuldig war.

Endgültiger Freispruch für Amanda Knox

Jetzt behauptet Knox, sie sei von der Polizei nicht über ihre Rechte informiert worden. Die Polizei hätte mit ihr Italienisch gesprochen, eine Sprache, die sie damals kaum beherrschte. Ein Übersetzer sei bei der Befragung nicht anwesend gewesen.

Ausserdem habe sie von den Polizisten während des Verhörs «unmenschliche und erniedrigende» Schläge am Kopf erhalten, was gegen Artikel drei der Europäischen Menschenrechtskonvention verstosse.

Vom Obersten Gericht freigesprochen

Knox und ihrem Ex-Freund Raffaele Sollecito war vorgeworfen worden, die britische Studentin Meredith Kercher getötet zu haben, deren Leiche Ende 2007 halb nackt in ihrem Schlafzimmer in der mittelitalienischen Stadt Perugia entdeckt worden war. Der Fall hatte weltweit Aufsehen erregt.

Sollecito und Knox wurden 2009 zu langen Haftstrafen verurteilt, dann aber 2011 freigesprochen. Knox kehrte in die USA zurück. Der Fall ging durch weitere Instanzen, das oberste Gericht Italiens sprach sie aber im März 2015 endgültig frei.

Guede vs. Knox, Knox vs. Lumumba

Der einzige Verurteilte für den Mord an Meredith Kercher ist der Ivorer Rudy Guede, dessen DNA am Tatort gesichert wurde. Guede beteuert bis heute seine Unschuld und belastet Amanda Knox. Er sitzt für 16 Jahre im Gefängnis.

Amanda Knox wurde aber wegen Verleumdung Lumumbas zu drei Jahren Haft verurteilt. Die Haftstrafe hat die Amerikanerin aber bereits abgesessen. Patrick Lumumba verlor nach ihrer Falschaussage seine Bar in Perugia, fand in Italien nicht zurück ins Berufsleben. Er wohnt inzwischen mit seiner Frau in Polen.

Die italienische Regierung hat jetzt bis 17. September Zeit, dem Gerichtshof ein Verteidigungsschreiben vorzulegen.

(mch/sda)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.