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Prozess in Florenz«Amanda und Raffaele waren am Tatort»

Im Prozess um den Mord an der Britin Meredith Kercher hat Staatsanwalt Alessandro Crini lange Haftstrafen für die Angeklagten Amanda Knox und Raffaele Sollecito gefordert.

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30 Jahre Haft soll die US-Bürgerin Amanda Knox erhalten. Das forderte die Staatsanwaltschaft in Florenz im neuen Prozess wegen des Mordes an der britischen Studentin Meredith Kercher. Knox' früherer Freund Raffaele Sollecito solle mit 26 Jahren Freiheitsentzug bestraft werden.

Dies berichteten italienische Medien am Dienstag. Ein Urteil wird für Januar erwartet. Beide Angeklagten beteuerten stets ihre Unschuld.

Zusätzliche Strafe wegen Verleumdung

Die Anklage forderte den Berichten zufolge vier Jahre mehr für Knox, weil diese zunächst Barbesitzer Patrick Lumumba des Mordes beschuldigt hatte. Knox und Sollecito müssen sich seit September erneut wegen des Mordes an Kercher verantworten; die in den USA lebende Knox will jedoch nicht vor Gericht erscheinen.

Experten zufolge ist es höchst unwahrscheinlich, dass sie selbst bei einer erneuten Verurteilung in zweiter Instanz nach Italien ausgeliefert wird. Sollecito kehrte hingegen für den neuen Prozess aus der Dominikanischen Republik zurück, wo er sich seit Längerem aufhielt.

DNA-Spuren von Sollecito und Knox

Die damals 21-jährige Britin Kercher war am 2. November 2007 halbnackt und mit durchschnittener Kehle in der Wohnung im italienischen Perugia entdeckt worden, die sie sich mit Knox geteilt hatte. Ihre Leiche wies 47 Messerstiche auf. Die Studentin war zudem vergewaltigt worden.

Staatsanwalt Alessandro Crini sagte am Dienstag vor Gericht, DNA-Spuren würden beweisen, dass Sollecito und Knox auf Kercher eingestochen hätten, während ein Dritter die Britin vergewaltigt habe. Bei diesem handle es sich um den bereits zu 16 Jahren Haft verurteilten Drogendealer Rudy Guede, dessen Fall in einem separaten Verfahren behandelt wurde. Staatsanwalt Crini betonte, die Angeklagten seien sehr wohl am Tatort gewesen. Ihre bisherigen Erklärungen seien wenig glaubwürdig und Sollecitos Alibi sei falsch.

Meredith sollte zum Schweigen gebracht werden

Die sexuelle Dimension des Verbrechens sei hinter die drogeninduzierte Gewalt zurückgetreten, sagte Crini nun. «Sie wollten jemanden loswerden, der zum Schweigen gebracht werden musste.»

Knox und ihr damaliger Freund Sollecito wurden 2009 in erster Instanz wegen Mordes zu 26 und 25 Jahren Haft verurteilt. Sie sassen vier Jahre lang im Gefängnis, bevor sie im Oktober 2011 in einem Berufungsverfahren freigesprochen wurden.

Knox kehrte daraufhin in ihre Heimatstadt Seattle zurück. Im März kassierte das oberste italienische Berufungsgericht auf Antrag der Staatsanwaltschaft den Freispruch wegen diverser Widersprüche und Unzulänglichkeiten jedoch wieder. (kle/sda)

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