«Wird oft zusammen verkauft»: Amazon soll Terroristen beim Bombenbau helfen
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«Wird oft zusammen verkauft»Amazon soll Terroristen beim Bombenbau helfen

Wie stellt man einen Sprengsatz her? Unter der Rubrik «Wird oft zusammen verkauft» gibt der US-Onlineversandhändler Antwort, ungefragt.

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sep
Sollen nicht nur Legales beinhalten: Amazon-Pakete im Logistikzentrum in Brieselang, Deutschland. (Archivbild)

Sollen nicht nur Legales beinhalten: Amazon-Pakete im Logistikzentrum in Brieselang, Deutschland. (Archivbild)

Keystone/Oliver Mehlis

Bei Amazon soll man nicht nur die nötigen Zutaten für eine Bombe kaufen können, der Onlineversandhändler soll dem Kunden bei Suchanfragen gar die fehlenden Inhaltsstoffe für den Bau einer Bombe vorschlagen. Dies haben Recherchen des britischen Fernsehsenders «Channel 4 News» beim britischen Amazon-Ableger Amazon.co.uk ergeben.

Einzeln sind die Produkte jeweils harmlos, erst gemischt werden sie gefährlich. Unter der Rubrik «Wird oft zusammen gekauft» zeigt der Algorithmus von Amazon dem Kunden, welche Chemikalien man für einen explosiven Sprengsatz kombinieren muss.

So seien beispielsweise die einzelnen Zutaten von Schwarzpulver oder Thermit als «Wird oft zusammen verkauft» aufgelistet. Kugellagerstahl, als Granatsplitter in Bomben verwendet, und die verschiedensten Zündsysteme, beispielsweise Fern- oder Funkzünder, sind auf Amazon zudem frei erhältlich. Einige davon werden auf der Website bei bestimmten Suchanfragen als Produkte, die «Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch» beworben.

45 Kilogramm statt der erlaubten 100 Gramm

Auf eine von mehreren durchgeführten Suchanfragen von «Channel 4» für eine in der Lebensmittelproduktion verwendete alltägliche Chemikalie wurden Zutaten vorgeschlagen, die zur Herstellung von explosivem Schwarzpulver nötig sind.

Zudem sei es dem Sender möglich gewesen, 45 Kilogramm von den Zutaten für Schwarzpulver in den Warenkorb zu legen. Die britische Gesetzeslage erlaube nur die Herstellung von 100 Gramm.

Neben den Vorschlägen werden Produkte wie Kugellagerstahl, Druckschalter, Batterieanschlüsse und Zündschnur angeboten. Der Sender nennt die Namen der Chemikalien ihrer Suchanfragen nicht, doch die Authentizität sei von Experten verifiziert worden.

Ex-CIA-Chef erhebt schwere Vorwürfe

In Grossbritannien sei der Erwerb der einzelnen Zutaten nicht illegal. Doch Personen, die mehrere der für die Produktion einer Bombe nötigen Produkte kauften, seien bereits verurteilt worden. Neben den bedenklichen Vorschlägen sei eine Chemikalie auf Amazon frei erhältlich, deren Besitz ohne Lizenz in Grossbritannien illegal sei.

Nach dem jüngsten Anschlag auf eine Londoner U-Bahn hat der ehemalige CIA-Chef schwere Vorwürfe gegen Social-Media-Unternehmen erhoben, wie der britische «Telegraph» berichtet. General David Petraeus fordert härtere Regulierungen bei Google, Twitter und Facebook, da sie einen Teil der Schuld am Anschlag trügen. Denn die Kübelbombe von Parsons Green zeige die Auswirkungen, wenn ein Sprengsatz allein durch online erhältliche Anleitungen gebaut werden könne.

Der US-Konzern hat einzelne Ableger in Europa, darunter in Grossbritannien und Deutschland. Kunden aus Österreich und der Schweiz nutzen die Dienste von Amazon Deutschland. Es ist unklar, ob und inwiefern sich die deutsche Seite von der britischen beim Unterbreiten von fragwürdigen Vorschlägen unterscheidet.

Bombenanschlag auf Londoner U-Bahn

Beim Anschlag am Freitag in London war eine selbstgebaute Bombe in einer voll besetzten U-Bahn nahe der oberirdischen Haltestelle Parsons Green explodiert. Durch den Feuerball und anschliessendes Gedränge wurden 30 Menschen verletzt.

Zwei Männer sind wegen des Bombenanschlags auf eine Londoner U-Bahn in Gewahrsam. Ob wirklich die IS-Terrormiliz hinter der Tat steckt, ist unklar.

Der BBC zufolge soll es sich bei der Bombe um eine ähnliche Konstruktion gehandelt haben wie beim Attentat in Manchester. Bei dem Anschlag im Mai waren 22 Menschen getötet worden. Dass es dieses Mal keine Toten gab, ist wohl dem Umstand zu verdanken, dass die Bombe offenbar nicht wie geplant hochging.

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