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Neues GeschäftsfeldAmazon verkauft jetzt auch Kunst

Per Mausklick zum Meisterwerk: Der Onlinehändler Amazon verkauft jetzt auch Kunst - teils für Millionenbeträge. Die Idee stösst nicht überall auf Anklang.

von
Valeska Blank
Der Onlinehändler Amazon steigt in die Kunstbranche ein.

Der Onlinehändler Amazon steigt in die Kunstbranche ein.

Amazon will die Welt der Kunst «entmystifizieren» und für jedermann zugänglich machen. Der Online-Marktplatz hat unter amazon.com/art eine eigene Plattform für Gemälde, Zeichnungen, Fotografien und Kunstdrucke gestartet. Die ersten Verkäufer sind rund 150 Galerien und Händler, vorwiegend aus den USA.

Die Preisspanne ist gross: Neben dem 200-Dollar-Foto ist auch Kunst für mehrere Millionen Dollar im Angebot. Eines der teuersten Werke im Sortiment ist das Gemälde «Willie Gillis: Package from Home» des Malers Norman Rockwell. Kostenpunkt: 4,85 Millionen Dollar. Daneben ist das Andy-Warhol-Bild namens «Hamburger Michel» für 1,45 Millionen fast schon ein Schnäppchen.

«Für Schnäppchenjäger»

Der Verkauf übers Internet wird in der Kunstbranche immer populärer. Amazon ist nicht der erste Anbieter, der in den Ring steigt - aber sicher der weltweit gewichtigste. Alain Schaer, Kunstberater aus Basel, verfolgt die Abwanderung des Kunsthandels ins Web mit Sorge: «Ich würde von einem Online-Kunstkauf abraten, weil die Risiken zu gross sind.» Es sei wichtig, ein Werk vor dem Kauf ausführlich begutachten und spüren zu können, am besten mehrmals. «Beim Kauf im Internet ist das nicht möglich, und die Gefahr somit grösser, dass der Kunde in eine Falle tappt», sagt Schaer.

Andererseits kennt der Kunstexperte auch Fälle, bei denen ein «anständiger Handel» im Internet zustande gekommen sei. Die Käufer im Web seien aber meist keine klassischen Sammler, sondern «Spekulanten, die auf Schnäppchenjagd sind».

Galerien freuen sich

Traditionelle Kunstgalerien stehen nicht nur wegen der neuen Online-Konkurrenz unter Druck. Der Handel findet vermehrt an Messen und Auktionen statt. «Die Husch-Husch-Mentalität und der Preiskampf hat auch in unserer Branche Einzug gehalten», so Schaer.

In einer Mitteilung von Amazon hingegen überschlagen sich die Galeristen, die mit dem Online-Händler zusammenarbeiten, vor Begeisterung über die neue Geschäftsmöglichkeit: «Damit erweitern wir unsere Reichweite massiv und können gleichzeitig einen einfachen Zugang zu bezahlbaren, limitierten Werken ermöglichen», schreibt etwa die New Yorker Galerie Paddle8.

Über 40'000 Werke im Angebot

Zum Start der virtuellen Kunstgalerie bietet Amazon über 40'000 Werke an, die von 4500 Künstlern stammen. Die Stilrichtungen reichen von Volkskunst bis Impressionismus und moderne Kunst.

Als Zusatznutzen hebt Amazon die detaillierte Information über die einzelnen Werke hervor und die einfachen Werkzeuge, um Empfehlungen und Entdeckungen einfach angezeigt zu bekommen.

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