Zehntausende Euro pro Tag: Amazon vernichtet Neuware im grossen Stil
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Zehntausende Euro pro TagAmazon vernichtet Neuware im grossen Stil

Von Elektro- und Haushaltsgeräten bis zu Möbeln und Matratzen: Der Onlinehändler Amazon vernichtet massenhaft neuwertige Produkte. Umweltschützer sind empört.

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Laut einem Bericht des ZDF-Magazins «Frontal 21» vernichtet der Onlinehändler Amazon in Deutschland jeden Tag massenhaft neuwertige Produkte.

Laut einem Bericht des ZDF-Magazins «Frontal 21» vernichtet der Onlinehändler Amazon in Deutschland jeden Tag massenhaft neuwertige Produkte.

Swen PfÖrtner
Kühlschränke, Wasch- und Spülmaschinen, Handys, Tablets, Matratzen und Möbel aus deutschen Logistiklagern würden jeden Tag einfach im Müll landen, so die Aussage einer Amazon-Mitarbeiterin gegenüber «Frontal 21».

Kühlschränke, Wasch- und Spülmaschinen, Handys, Tablets, Matratzen und Möbel aus deutschen Logistiklagern würden jeden Tag einfach im Müll landen, so die Aussage einer Amazon-Mitarbeiterin gegenüber «Frontal 21».

AP/Paul Sakuma
Amazon bestreitet die Vorwürfe nicht, betont aber, dass die Verbesserung von Prozessen hohen Stellenwert für das Unternehmen habe.

Amazon bestreitet die Vorwürfe nicht, betont aber, dass die Verbesserung von Prozessen hohen Stellenwert für das Unternehmen habe.

AP/David Zalubowski

Amazon Deutschland vernichtet täglich Neuware im Wert von mehreren zehntausend Euro. Das berichten das ZDF-Magazin «Frontal 21» und die «Wirtschaftswoche». Der Bericht stützt sich dabei auf interne Produktlisten, Fotos und Aussagen von Mitarbeitern.

Kühlschränke, Wasch- und Spülmaschinen, Handys, Tablets, Matratzen und Möbel aus deutschen Logistiklagern würden jeden Tag einfach im Müll landen, so die Aussage einer Amazon-Mitarbeiterin gegenüber «Frontal 21». Mehrere Kollegen der Frau sollen ihre Aussage bestätigt haben. Der Onlinehändler entsorge und zerstöre Retouren, teilweise sogar funktionstüchtige, neue Ware, heisst es.

Politik und Umweltschützer sind empört

Amazon bestreitet die Vorwürfe nicht, betont aber, dass die Verbesserung von Prozessen hohen Stellenwert für das Unternehmen habe. «Wenn Produkte nicht verkauft, weiterverkauft oder gespendet werden können, arbeiten wir mit Aufkäufern von Restbeständen zusammen, die diese Waren weiterverwenden», heisst es in einer Stellungnahme Amazons.

Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium, fordert den Onlinehändler auf, die Vorwürfe aufzuklären. «Ich bin überzeugt, dass viele Verbraucher von einem solchen Verhalten schockiert sind und es auch nicht akzeptieren werden», sagte Flasbarth. «Wir brauchen ein gesetzliches Verschwendungs- und Vernichtungsverbot für neuwertige und gebrauchsfähige Ware», fordert Kirsten Brodde von der Umweltorganisation Greenpeace.

Die Anweisung zu «zerstören»

Amazon zerstört nicht nur Ware aus eigenen Lagern, sondern bietet auch externen Anbietern, die den Logistikservice «Versand durch Amazon» nutzen, die Möglichkeit, unverkaufte oder umgetauschte Ware zu vernichten. «Sie können Ihren Lagerbestand auf Wunsch von uns entsorgen lassen», lautet das Angebot der Firma.

Auf Produktlisten tauchten zum Beispiel Kinderturnschuhe, Kopfhörer sowie hunderte weitere Artikel auf, die intern mit der Versandmethode «destroy» (übersetzt: zerstören) gekennzeichnet sind. Der Service wird offenbar rege genutzt, wie aus internen Dokumenten hervorgeht.

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