Zürich: Ambulante Psychotherapie für «verrückten Professor»
Aktualisiert

ZürichAmbulante Psychotherapie für «verrückten Professor»


Ein geistig verwirrter Gymnasiallehrer hat in Zürich-Seebach eine Filiale der ZKB überfallen und 400 000 Franken erbeutet. Nun muss sich der 70-jährige Pädagoge einer ambulanten Psychotherapie unterziehen.

von
Attila Szenogrady

Es handelte sich um einen der bizarrsten Banküberfälle der Schweiz. Fest steht, dass der heute 70-jährige Gymnasiallehrer am letzten Gründonnerstag in der Filiale der Zürcher Kantonalbank in Zürich-Seebach auftauchte. Der Pädagoge war dabei barfuss und in kurzen Hosen unterwegs. Er führte eine Bratpfanne in einem Rollkoffer mit sich und erklärte gegenüber einer Schalterangestellten, dass dies ein Ueberfall sei. Wenn sie nicht spure, passiere etwas, sagte er und führte aus, dass er eigentlich eine Milliarde Franken brauche. Für den Anfang würden aber auch 400 000 Franken reichen.

400 000 Franken erbeutet

Die eingeschüchterte Geschädigte gehorchte und übergab dem unheimlichen Räuber die geforderte Summe. Obwohl sie dabei den stillen Alarm auslöste, traf die Polizei zu spät ein. So konnte sich der Bankräuber zum Bahnhof in Oerlikon begeben, wo er neben einem Generalabonnement für 4000 Franken zwei Armbanduhren kaufte und sich für die Buchung nach einer Weltreise erkundigte. Danach wurde der geistig verwirrte Lehrer von der Polizei festgenommen.

Nicht schuldfähig

Gestern Donnerstag musste sich der Bankräuber am Bezirksgericht Zürich verantworten. Die Parteien waren sich einig, dass der Ostschweizer aufgrund seiner geistigen Erkrankung nicht schuldfähig war. Der Verteidiger verneinte gar einen Raub und forderte damit den Verzicht auf eine Strafuntersuchung.

So weit wollte das Gericht nicht gehen und sah in objektiver Hinsicht den Raub als erfüllt an. Alleine schon aufgrund der grossen Angst der Bankangestellten während des Ueberfalls.

In subjektiver Hinsicht kam es aber zu einem Freispruch und ordnete eine ambulante Psychotherapie für den heute verbeiständeten Beschuldigten an. Damit war auch die Staatsanwaltschaft einverstanden. Sie hatte ursprünglich eine stationäre Massnahme gefordert. Nach einem neusten Gutachten, wonach der angeschuldigte auch in Freiheit kuriert werden könne, verzichtete die Anwältin auf ihren ursprünglichen Antrag.

Der Angeschuldigte bestätigte, dass es ihm heute gut gehe und in seiner Wohngemeinde lebe. Er nehme täglich in einem überwachten Rahmen zwei Mal Medikamente gegen seine psychischen Störungen ein, bestätigte er.

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