Frau starb auf Strasse: Ambulanz kommt wegen Software-Update zu spät
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Frau starb auf StrasseAmbulanz kommt wegen Software-Update zu spät

Eine Frau starb in Fislisbach AG an einem Herzinfarkt, weil die Ambulanz vom falschen Spital losfuhr und den Unfallort zu spät erreichte. Nun erklärt sich die zuständige Notrufzentrale.

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Die Ambulanz kam statt von Baden von Aarau. 23 Minuten nach der Alarmierung traf sie erst am Unfallort ein.

Die Ambulanz kam statt von Baden von Aarau. 23 Minuten nach der Alarmierung traf sie erst am Unfallort ein.

Eine 71-jährige Frau erlitt im Dezember in Fislisbach AG neben einem Kreisel einen Herzinfarkt. Eine Zeugin alarmierte umgehend die Ambulanz. Doch diese traf erst 23 Minuten später ein, obwohl der Einsatzort vom nahegelegenen Kantonsspital Baden innert drei Minuten erreichbar gewesen wäre. Die Rentnerin starb noch vor Ort. Was war passiert?

Der Krankenwagen fuhr nicht wie geplant in Baden, sondern in Aarau ab. Die aufgebotene Ambulanz war aber als in Baden stationiert gemeldet gewesen, obwohl dort überhaupt kein Auto stand. Ein Versehen der Rettungssanitäter, sagten das Kantonsspital Baden und die Einsatzleitstelle (ELS) am Kantonsspital Aarau damals und beschuldigten den Fahrer in Baden, der zum Zeitpunkt der Alarmierung in Aarau im Einsatz war. Er habe den falschen Status eingegeben. Im April ruderte die Einsatzzentrale in einer Mitteilung zurück: Der Fehler liege doch nicht beim Rettungssanitäter. Die ELS habe die Situation falsch eingeschätzt.

System änderte Standortangabe automatisch

Am Mittwoch hat die ELS nun ausführlich Stellung zum Unglück in Fislisbach genommen, wie die «Aargauer Zeitung» schreibt. Schuld an der Verwirrung war offenbar ein Software-Update, mit dem die Verantwortlichen noch nicht vertraut waren und das die visuelle Darstellung der zur Verfügung stehenden Einsatzmittel veränderte. Weil das neue System die Standortangabe über den Wagen automatisch geändert habe, sei man davon ausgegangen, dass sich der Rettungswagen des Kantonsspitals Baden am nächsten beim Einsatzort befinde. «In der Zentrale hat man nicht bemerkt, dass der Fahrer in Aarau und nicht in Baden gestartet war», bestätigt Andreas Huber, Chefarzt am Kantonsspital Aarau.

Die ELS nimmt den Unfall auch als Anlass, mehr Personal zu fordern. Für die Fehleinschätzung gibt sie die überdurchschnittlich hohe Arbeitsbelastung an. An besagtem Tag sind 74 Notrufe eingegangen, im letzten Jahr insgesamt 32'000 Einsätze im Kanton Aargau disponiert worden. Seit dem 1. Januar seien unter der Woche am Tag zwei Personen beschäftigt, in der Nacht eine, so Huber. Im Kanton Solothurn müsse gleich viel Personal im Schnitt nur 17'500 Einsätze pro Jahr durchführen. «So traurig dieser Fall in Fislisbach ist, hilft er vielleicht zu zeigen, dass unsere Forderungen nach mehr Personal substanziell sind», sagt Huber. Im Aargau ist eine gemeinsame Notrufzentrale von Sanität, Polizei und Feuerwehr geplant. Der Bau soll 2017 fertig werden.

ELS entschuldigt sich beim Fahrer

Der Fehler im System, der für die Verspätung der Ambulanz verantwortlich war, soll behoben werden, meldet die ELS. Die automatische Anpassung einer Standortmeldung soll künftig nicht mehr möglich sein. Ausserdem wurde in der Zentrale ein Bildschirm installiert, wo mittels der GPS-Daten sofort zu sehen ist, wo sich die Rettungswagen befinden.

Die ELS entschuldigte sich am Mittwoch indirekt beim Fahrer: Man bedauere sehr, dass «ein Mitarbeiter des Rettungsdienstes Baden durch eine Fehlinterpretation belastet wurde».

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