Gefahr aus dem Netz: Amerika braucht neue Cyber-Krieger
Aktualisiert

Gefahr aus dem NetzAmerika braucht neue Cyber-Krieger

Fernab von den Schlachtfeldern dieser Welt kämpfen die USA einen unsichtbaren Krieg. Es ist der Kampf gegen Hacker, die es auf die Netzwerke der Supermacht abgesehen haben. Jetzt rüstet das Militär auf.

von
jcg

Seit mehr als einem Jahrzehnt werden an den amerikanischen Militärakademien des Heeres, der Marine und Luftwaffe Kurse zur Kriegsführung im Internet angeboten. Doch in den vergangenen Monaten ist dieses Angebot noch einmal massiv ausgeweitet worden - angesichts der immer deutlicheren Warnzeichen, dass feindliche Nationen oder Organisationen in der Lage sein könnten, zentrale Computersysteme der USA lahmzulegen.

Der Nationale Geheimdienstdirektor James Clapper nannte Cyber-Angriffe die grösste Gefahr für die Sicherheit der USA, als er in diesem Monat den jährlichen Bericht zur weltweiten Bedrohungslage vor dem Kongress präsentierte. «Die Bedrohungen sind vielfältiger, vernetzter und viraler als zu jedem anderen Zeitpunkt der Geschichte», resümierte er. «Die Zerstörung kann unsichtbar, schlummernd und fortschreitend sein.»

China dementiert

In den vergangenen Jahren führte die Spur von Hackerangriffen immer wieder nach China. In einem Bericht der Internet-Sicherheitsfirma Mandiat aus diesem Jahr wurde eine bislang geheime chinesische Militäreinheit für diese Attacken verantwortlich gemacht.

Die «New York Times», das «Wall Street Journal» und die «Washington Post» sehen ebenfalls chinesische Hacker als Urheber für die jüngsten Angriffe auf ihre Systeme. Wer in der vergangenen Woche für das Hacken des Twitter-Accounts der Nachrichtenagentur Associated Press verantwortlich war, ist noch unklar. Von chinesischer Seite werden diese Vorwürfe komplett zurückgewiesen.

«An vorderster Front»

Lange vorbei sind die Zeiten, in denen das Internet als obskures und verschrobenes Betätigungsfeld galt. Heute zählt es unter anderem zu den brennendsten Schauplätzen der Kriegsführung - und gilt damit gerade beim Militär als ein aussichtsreiches Berufsfeld für die Zukunft.

Die Marine-Akademie in Annapolis im Staat Maryland hat im vergangenen Jahr erstmals einen Kurs in Internetsicherheit angeboten. «Das Interesse war riesig, viel grösser als wir erwartet hatten», sagt Vizeadmiral Michael Miller. Insgesamt haben sich mittlerweile rund zehn Prozent der Auszubildenden dort auf ein Fachgebiet mit Schwerpunkt Computer und Internet spezialisiert.

Bereits seit 2004 bietet die Luftwaffen-Akademie einen Abschluss in Computer-Wissenschaft/Cyber-Kriegsführung an. «Alle Teilnehmer wissen, dass sie in vorderster Front kämpfen werden, um die Nation im Internet zu verteidigen», sagt Martin Carlisle, einer der Professoren an der Akademie. Dieses Jahr streben rund 25 Kadetten ihren Abschluss in Cyber-Kriegsführung an. Viele von ihnen werden sich danach weiter auf diesem Fachgebiet spezialisieren.

An der Militär-Akademie in West Point im Staat New York absolviert nahezu jeder Kadett mindestens zwei Technikkurse, die mit Computersicherheit zu tun haben. Das Kursangebot ist gross, schliesslich gilt es als grösste Herausforderung, mit den rasanten Veränderungen auf diesem Gebiet Schritt zu halten. «Amerikanische Geschichte ist quasi jedes Jahr das Gleiche», sagt Oberstleutnant David Raymond, der Kurse in Internetsicherheit gibt. «Aber auf diesem Gebiet, ist es wirklich hart, auf dem aktuellen Stand zu bleiben.»

Offensive und defensive Aktionen

In seinem Bericht an den Kongress kommt Geheimdienstdirektor Clapper zu dem Schluss, dass ein umfassender Cyber-Angriff von Russland, China oder einem anderen Land mit hochentwickelten Fähigkeiten auf diesem Gebiet unwahrscheinlich ist, wenn es nicht gerade einen militärischen Konflikt gibt.

Andere Staaten könnten jedoch mit zielgerichteten Aktionen versuchen, die USA zu provozieren oder Vergeltung zu üben. Einen ähnlichen Fall hat es möglicherweise im März in Südkorea gegeben. Damals machte das Land Nordkorea für eine Cyber-Attacke verantwortlich, mit der Tausende Computer in Banken und Fernsehsendern lahmgelegt wurden.

General Keith Alexander, Leiter des US-Cyber-Kommandos, erklärte im März vor dem Kongress, seine Abteilung schaffe Teams, die in der Lage seien, sowohl offensive wie defensive Aktionen auszuführen. Dazu werden Offiziere von den verschiedenen Akademien und Trainingsprogrammen angeworben.

Vergangene Woche absolvierten Teams - unter anderem aus den Akademien von Heer, Luftwaffe und Marine - eine Übung, bei der es darum ging, ein simuliertes Computer-Netzwerk gegen Angriffe zu verteidigen. Als Sieger ging unter anderem die Luftwaffe hervor.

Leutnant Jordan Keefer gehört zu den Siegern. Die Übung habe ihm die wertvolle Erfahrung vermittelt, wie es sei, ein Netzwerk zu verteidigen oder es anzugreifen. Keefer bereitet sich gerade auf seinen Master in Cyberoperations am Institut für Technologie der Luftwaffe vor. Dafür hat er seinen einstigen Traum von einer Karriere als Kampfpilot aufgegeben. Von seinem neuen Aufgabengebiet schwärmt er: «Das ist eine Herausforderung, und für Menschen, die Herausforderungen mögen, ist es der Ort schlechthin.» (jcg/sda)

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